Verschiedene Euro- und Dollarscheine

Greenback dringend gesucht Der Dollar und das Comeback des Jahres

Stand: 07.05.2018, 12:25 Uhr

Der Euro ist derzeit mächtig angeschlagen und befindet sich jetzt seit mehr als zwei Wochen im Sinkflug. Was macht den Dollar für die Investoren so attraktiv? Fachleute sehen noch weiteres Aufwärtspotenzial.

Der Euro markierte unlängst ein neues Jahrestief bei 1,1911 Dollar. In der vergangenen Woche musste der Euro die größten Verluste seit November 2016 verkraften. Noch Mitte April notierte die Gemeinschaftswährung deutlich über 1,23 Dollar. In unserem Jahresausblick im Dezember waren die Branchenfachleute in diesem Jahr eher von einem stärkeren Euro ausgegangen – auch wenn die Prognosen zum Teil recht weit auseinanderlagen.

Gestiegene US-Renditen machen Dollar attraktiv

Zum einen profitiert die US-Währung von steigenden Kapitalmarktzinsen in den USA. Dies macht Dollar-Anlagen lukrativer und hebt somit den Kurs des Dollar. Das hängt natürlich auch mit der Zinspolitik der Fed zusammen. Bislang rechnen die meisten Fachleute mit insgesamt drei Zinserhöhungen in diesem Jahr.

Christian Apelt, Analyst bei der Helaba, meint, die Fed werde im Gesamtjahr vermutlich sogar vier Zinsschritte vollziehen. "Entsprechend weitete sich der US-Renditevorteil aus, mittlerweile auf ein 29-Jahres-Hoch sowohl bei zehnjährigen als auch zweijährigen Laufzeiten. Dies spricht klar für die US-Währung", prognostiziert der Experte. Er rechnet mit einem Fallen auf rund 1,15 Dollar, selbst niedrigere Niveaus seien laut Apelt möglich.

"Keine überzeugenden Gründe für den Euro"

Dem habe der Euro derzeit wenig entgegenzusetzen, sagt auch Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Ein Grund hierfür sei das zuletzt schwächelnde Wirtschaftswachstum in Europa. "Es wird zunehmend deutlich, dass die EZB die Zinsen wohl noch länger nicht anheben wird, als dies einige Marktteilnehmer erwartet hatten." Praefcke sieht derzeit "wirklich keine überzeugenden Gründe, die für den Euro sprechen".

In diesem Zusammenhang sind US-Inflationsdaten interessant, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Die Fed erwartet, dass sich die Inflation 2018 um das von der Fed angepeilte Ziel von 2,0 Prozent einpendeln wird. Sollten die kommenden Daten in welcher Form auch immer überraschen, könnte das zu Reaktionen am Devisenmarkt führen.   

Jerome Powell

Was hat Fed-Chef Jerome Powell vor?. | Bildquelle: Imago

Es geht in die falsche Richtung  

Aber es gibt noch weitere Gründe, die gegen den Euro sprechen: Die Analysten der HSBC stellen fest, dass das Ausmaß spekulativer Euro-Longpositionen aktuell von einem historischen Hochstand korrigiere. Offenbar sind also viele Investoren gewissermaßen auf dem falschen Fuß erwischt worden. Jedenfalls dürfte das bedeuten, dass durch die Rückstellung der Positionen der Druck auf den Euro anhalten könnte. Die Experten sehen die Europawährung ebenfalls in Richtung 1,15 Dollar fallen.  

ts