Amerikanische Dollarscheine
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Euro und Yen im Aufwind Der Dollar schwächelt

von Robert Minde

Stand: 13.06.2019, 16:52 Uhr

Mit einem mächtigen Zinsvoraus im Gepäck war der Greenback zuletzt der Star am Devisenmarkt. Das hat sich zumindest etwas geändert. Aber eine nachhaltige Trendwende ist das noch lange nicht.

Denn so manche Konjunkturzahl aus den USA hat zuletzt signalisiert, dass es nicht mehr ganz so stürmisch mit dem US-Wirtschaftswachstum weitergehen dürfte wie bisher. Dabei kann die Notenbank Fed immer noch sehr zufrieden sein mit dem, was sie seit dem Beginn der Zinswende 2015 erreicht hat.

Die US-Volkswirtschaft ist vollbeschäftigt und die Inflation lag zuletzt fast auf den Punkt genau bei 2,0 Prozent. Dass sich solche positiven Fundamentaldaten auf die Landeswährung entsprechend auswirken, ist nachvollziehbar.

Und eine echte Wirtschaftskrise ist in Amerika auch weiterhin nicht in Sicht, wie die Fed erst in ihrem jüngsten Konjunkturbericht, dem Beige Book, festgestellt hat. Lediglich ein etwas gemäßigteres Wachstumstempo bescheinigen die Notenbankgouverneure der US-Wirtschaft.

Euro und Yen holen auf

Aber seit die Fed wegen der schwächeren Konjunktursignale ihren Zinszyklus unterbrochen hat, und nun sogar auf erste Zinssenkungen spekuliert wird, schwächelt der Dollar. Dabei spielt auch der maßgeblich von der US-Regierung vom Zaun gebrochene Handelsstreit mit China eine Rolle, der auf der gesamten Weltwirtschaft lastet.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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So hat sich der Euro mittlerweile von seinen Zwölf-Monats-Tiefstständen bei etwas über 1,11 Dollar gelöst und wird aktuell bei knapp 1,13 Dollar gehandelt. Der japanische Yen hatte sich gegenüber dem Dollar seit Jahresanfang bis auf 112 Yen im April abgeschwächt, sich aktuell aber wieder bei Kursen zwischen 108 und 109 Yen eingependelt.

Sicher noch keine kraftvolle Wende am Devisenmarkt, dafür ist das Zinsvoraus der Amerikaner dann immer noch zu hoch - von Zinsniveaus von über 2,00 Prozent können EZB & Co. schließlich nur träumen.

Zumal die EZB eine geldpolitische Straffung gerade erst ins Jahr 2020 verschoben hat (und danach wohl auf den Sankt-Nimmerleinstag?). Dies wohl auch, weil sich die europäischen Instanzen zukünftig noch intensiver um das hochverschuldete Problemkind Italien kümmern müssen, was deren Spielraum weiter einengt. Entsprechend ist auch das Sentiment der Investoren zum Euro weiter begrenzt.

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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Dollar nicht abschreiben!

Der Höhenflug des Dollar lastet natürlich auf der Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten US-Unternehmen. Donald Trump hat dies bereits mehrfach kritisiert. Die gegenwärtige Zinsdiskussion kann also der Regierung durchaus in die Karten spielen, ob es aber zu einer wirklichen Trendwende reicht, bleibt zweifelhaft.

Denn der Dollar ist eben nicht nur eine Landeswährung, sondern auch die Weltleitwährung. Ein starker Dollar hat allemal das Zeug dazu, der Weltwirtschaft zu schaden. So stellt die Verschuldung vor allem der Schwellenländer in Dollar diese vor immer größere Herausforderungen. Bestes Beispiel hierfür ist die Türkei, deren Landeswährung Lira, nicht zuletzt aus politischen Gründen, immer weiter an Boden verliert.

Apropos Verschuldung: Die USA leben schon länger ganz auf Pump, wie die hohen Defizite sowohl bei der Handelsbilanz (rund 40 bis 50 Milliarden Dollar pro Monat) als auch bei der Staatsverschuldung (über 100 Prozent gemessen am BIP, absolut über 20 Billionen Dollar) zeigen.

Dies hat dem Dollar aber allen Unkenrufen zum Trotz weder geschadet noch die Inflation nennenswert angetrieben. Denn die Fed bleibt mit ihrer Druckmaschine solange Herr im Haus, wie die Weltleitwährung überall weiter gerne akzeptiert wird, sprich die Defizite finanziert. Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird, gibt es nicht, trotz aller neuer Gräben, die Donald Trump fast täglich aufreißt. Um den Dollar braucht man sich also nicht wirklich ernsthafte Sorgen zu machen.