Donald Trump
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Schock am Devisenmarkt Das tut man nicht, Herr Trump!

von von Angela Göpfert

Stand: 21.08.2018, 07:36 Uhr

Der US-Präsident hat die Zinspolitik der Notenbank Fed scharf kritisiert und ihre Unabhängigkeit infrage gestellt. Er bricht damit ein Tabu.

Es war einmal eine Zeit, da respektierten amerikanische Präsidenten die Notenbank. Es war eine Zeit, in der sich Präsidenten hüteten, sich in die Geldpolitik einzumischen. Es war eine Zeit, da waren abschätzige Bemerkungen seitens des Präsidenten über die Federal Reserve ein absolutes No-Go.

Der Präsident ist "nicht begeistert"

Nun, diese Zeit ist seit dem Amtsantritt von Donald Trump vorbei. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters kritisierte Trump am Montag den Kurs der Federal Reserve mit scharfen Worten:

"Ich bin nicht davon begeistert, dass er (Fed-Präsident Jerome Powell) die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert." Vielmehr sollte sich die Fed zurückhalten und ihm "etwas helfen".

Fed auf Zinserhöhungkurs

Gebäude der FED in Washington

Die Fed hat in diesem Jahr bereits zweimal ihren Leitzins erhöht. Zuletzt hob sie im Juni den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld auf die aktuell gültige Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent an. An den Börsen wird mit einem weiteren Schritt im September gerechnet.

Unabhängigkeit der Fed infrage gestellt

Im weiteren Verlauf des Interviews stellt Trump sogar ziemlich unverhohlen die Unabhängigkeit der Fed infrage. Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, bedenkt man den gesetzlichen Rahmen, wonach die Fed in ihrem Tagesgeschäft und ihren operativen Entscheidungen frei und eigenständig agieren darf.

Auf die Frage, ob er an die Unabhängigkeit der Notenbank glaube, sagte der Präsident, er glaube an eine Fed, die "das tut, was gut für das Land ist". Zugleich warf er Europa und China vor, ihre Währungen zu manipulieren.

Dollar rauscht gen Süden

Angesichts solcher scharfen Worte wundert die heftige Reaktion des Devisenmarktes kaum: Der Dollar taumelt abwärts, Euro, Yen, Yuan & Co. schießen in die Höhe. Die europäische Gemeinschaftswährung steigt im frühen asiatischen Handel bis auf 1,1543 Dollar.

Das ist genau die Reaktion, die Trump erreichen wollte. Doch ob das reicht, um den Dollar nachhaltig zu schwächen? Es ist ja nicht so, dass Trump das in der Vergangenheit nicht schon einmal versucht hätte.

Nur ein kurzfristiger Schock?

Bereits Ende Juli hatte Trump die Fed angegriffen. Er warf ihr vor, den Dollar zu stark werden zu lassen. "Ich mag es nicht, wenn ich die Zinsen steigen sehe, nach all der Arbeit, die wir in die Stärkung der Wirtschaft gesteckt haben."

Doch mehr als eine kurzfristige Abwärtsreaktion des Dollar konnte Trump damit nicht erzeugen; in den darauffolgenden Wochen ging es mit der US-Währung erneut steil bergauf. Nicht umsonst heißt es: Politische Börsen haben kurze Beine.

Damit hatte Trump nicht gerechnet

Jerome Powell

Kein Mann, der sich gerne reinreden lässt: Fed-Chef Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Ganz offensichtlich ärgert sich US-Präsident über seine Nominierung von Jerome Powell an die Spitze der Fed mittlerweile grün und blau. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hat sich Trump am vergangenen Freitag vor wohlhabenden republikanischen Geldgebern kritisch zu Notenbankchef Jerome Powell geäußert.

Er habe erwartet, dass dieser für eine Politik des billigen Geldes stehe. Stattdessen habe Powell die Leitzinsen immer weiter angehoben.

Die Türkei als abschreckendes Beispiel

Türkische 100- und 200-Lira-Scheine

Die Türkei kämpft mit einer galoppierenden Inflation. | Bildquelle: colourbox

Übrigens: Es hat einen guten Grund, dass sich frühere US-Präsidenten nicht in das Geschäft der Fed eingemischt haben: Laut Ökonomen ist genau diese Unabhängigkeit der Notenbank zentral für die wirtschaftliche Stabilität eines Landes.

Was passiert, wenn sich ein Staatsoberhaupt in die Geldpolitik einmischt und versucht, sie nach seinem Gutdünken zu steuern, lässt sich aktuell an der Türkei beobachten.