Größer werdende Eurozeichen und Aufwärtspfeil, davor Dollarzeichen

Zwischen Konjunktur und Zinszyklus Comeback für den Euro?

Stand: 20.11.2018, 11:53 Uhr

Die Gemeinschaftswährung hat sich in den vergangenen Tagen deutlich von ihren Mehrjahrestiefs gegenüber dem Dollar verabschiedet. Ob der Trendwechsel nachhaltig ist, darüber darf eifrig spekuliert werden.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1408
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Wie anfällig der Euro noch gegen kurzfristige Rücksetzer ist, zeigte sich am heutigen Vormittag: Kursverluste bei italienischen Staatsanleihen ließen ihn wieder von 1,1475 auf 1,1430 Dollar zurückfallen. Hinter der Bewegung am Anleihemarkt steht die Verunsicherung der Marktteilnehmer über die Haushaltspolitik der neuen italienischen Regierung und ihr Zwist mit der EU-Kommission.

Bundesbank hilft Euro

Der Euro hatte seit seinen Zwischentief bei 1,1220 Dollar vor rund einer Woche, dem tiefsten Stand seit Juli 2017, deutlich an Boden gewonnen. Dafür gab es eine Reihe von Gründen. Einerseits scheint es um die Konjunkturaussichten in Deutschland, der größten Volkswirtschaft in der Eurozone, doch nicht so schlecht bestellt zu sein. Zwar verbuchte die deutsche Wirtschaft im vergangenen Quartal einen kleinen Rückgang des BIP (Bruttoinlandsprodukts). Doch laut einem aktuellen Bericht der Bundesbank dürfte die deutsche Wirtschaft zum Jahresende wieder kräftig expandieren.

Zuvor gab es aber bereits Signale sowohl von der US-Konjunktur als auch von der US-Notenbank, die den Dollar nicht nur gegenüber dem Euro schwächten. So hatte es einen überraschenden Dämpfer für den US-Immobilienmarkt gegeben. Ein wichtiger Stimmungsindikator für die Branche war erheblich stärker gefallen als erwartet.

Fed wird skeptischer

Auch die Währungshüter in den USA sehen erste Warnzeichen für die US-Wirtschaft. Richard Clarida etwa, Vizechef der Fed, wies zuletzt in einem TV-Interview darauf hin, dass die globale Abkühlung der Konjunktur durch die US-Notenbank "beobachtet" werden müsse. Außerdem bewege sich das derzeitige Zinsniveau auf einem "neutralen" Niveau. Damit ist gemeint, dass die Wirtschaft weder angeheizt noch gebremst wird.

Eine schwächer als erwartet laufende US-Wirtschaft stellt prompt die Zinsanhebungs-Pläne der Fed infrage. Derzeit wird von einem Zinsschritt und mehreren weiteren Anhebungen im kommenden Jahr ausgegangen. Sollte sich der Zinszyklus aber verlangsamen, würde auch die Zinsdifferenz zum Euro-Raum kleiner ausfallen als erwartet.

Goldman sieht geschwächten Dollar

Von einer fortlaufenden Schwächung des "Greenbacks" gegenüber vielen Währungen im kommenden Jahr geht zumindest die US-Investmentbank Goldman Sachs aus. Die Risiken für die US-Währung nähmen zu und sie werde sich deshalb auf breiter Front abschwächen, schrieben die Experten in einem Konjunkturausblick für 2019. Als Hauptgrund dafür sehen auch sie ein sich abflauendes Wirtschaftswachstum in den USA. Auf der Gewinnerliste stünden dagegen Währungen aus Lateinamerika, Japan, Schweden, Kanada, Israel, Australien und Neuseeland. Ob der Euro auch zu den langfristigen Gewinnern gegenüber dem Dollar gehören wird, bleibt abzuwarten.

AB