Brtische Pfundnoten
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Brexit-Chaos Britisches Pfund auf Vier-Monats-Tief

Stand: 17.05.2019, 14:52 Uhr

Das Hickhack um den Brexit macht den Devisenmarkt nervös. Das britische Pfund fiel gegenüber dem Euro den neunten Tag in Folge. Zuletzt war die Währung vor 20 Jahren über einen so langen Zeitraum gesunken.

Ein Pfund kostet derzeit 1,1410 Euro. Gegenüber dem Dollar fiel die britische Währung auf 1,2740 und damit auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Analysten sehen in den schleppenden und heute gescheiterten Brexit-Gesprächen zwischen den beiden großen Parteien des Landes einen Grund für die seit Wochen schwache Kursentwicklung.

Für Juni hatte die britische Regierung die vierte Abstimmung über das Austrittsabkommen mit der EU angekündigt. Bislang war Premierministerin Theresa May dreimal mit dem von ihr ausgehandelten Brexit-Abkommen gescheitert.

Ist die vierte Brexit-Abstimmung bereits zum Scheitern verurteilt?

Auch diesmal deutet alles auf eine Niederlage hin. Denn trotz intensiver Gespräche über einen Kompromiss zum Brexit hat die Labour-Partei die Gespräche mit der Regierung in London für gescheitert erklärt. Labour-Chef Jeremy Corbyn machte in einem Brief an May deutlich, dass er nicht daran glaube, dass es mit der auch innerparteilich angeschlagenen Regierungschefin zu einer Einigung komme.

Damit ist ein ungeregelter Brexit wieder wahrscheinlicher geworden, was schon in den vergangenen Monaten schwer auf dem britischen Pfund lastete.

Sind Mays Tage gezählt?

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Morgenmagazin vom 17.5.19 - Brexit-Drama belastet Pfund

Egal, wie sich die Parlamentarier im Juni entscheiden, Mays Tage scheinen gezählt zu sein. Nach einem gestrigen Treffen zwischen May und dem mächtigen 1922-Komitee konservativer Abgeordneter hat der Vorsitzende Sir Graham Brady ein weiteres Treffen nach der Abstimmung angekündigt. Dann soll ein konkreter Zeitplan für Mays Rücktritt festgezurrt werden – unabhängig vom Ausgang der Abstimmung.

Es bleibt also spannend im Vereinigten Königreich. Nach der Abstimmung blüht den Briten ein Kampf um die Führung. Mays schärfster Kritiker, Ex-Außenminister Boris Johnson, will sich zur Wahl stellen. Er ist innerparteilicher Rivale von May und Brexit-Hardliner. In den Brexit-Verhandlungen hält er May große Nachgiebigkeit vor.

Sollte die konservative Partei die Mehrheit behalten und Boris Johnson Premierminister werden, bleibt fraglich, ob dann ein Austrittsabkommen gelingt. Die Labour-Partei befürchtet jedenfalls, dass ein möglicher Nachfolger die bereits gemachten Versprechen von May brechen könnte. Diese Unsicherheit, wie es nach der Ära May weitergeht, schlägt sich ebenfalls auf das britische Pfund nieder.

Europawahl im Mai erhöht Druck auf May

Zuvor müssen die Briten noch an der Europawahl Ende Mai teilnehmen. Auch diese erhöht wegen schwacher Umfragewerte den Druck auf Theresa May. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts Opinium kamen die konservativen Tories um Theresa May auf lediglich elf Prozent, die Labour-Partei lag bei 21 Prozent und die neu gegründete Brexit-Partei bei 34 Prozent.