Ethereum-, Bitcoin- und Litecoin-Münze

Studie der DZ Bank Bitcoin & Co sind doch Corona-Gewinner

Stand: 10.09.2020, 11:07 Uhr

Der Kurseinbruch von Bitcoin im Frühjahr deutet eigentlich nicht daraufhin, dass Kryptowährungen zu den Gewinnern der Corona-Pandemie gehören. Doch dieser Eindruck trügt, meint die DZ Bank.

Tatsächlich sahen Kryptowährungen zu Beginn der Corona-Pandemie zunächst wie Verlierer aus. Zwischen Mitte Februar und Mitte März ist der Kurs von Bitcoin & Co gegenüber dem Dollar um über 50 Prozent eingebrochen.

Seitdem hat sich das Blatt gewendet. Dabei konnte die mit Abstand bedeutendste Cyber-Währung Bitcoin nicht nur die Verluste aus dem Frühjahr aufholen. Vielmehr kletterte sie, ausgehend von rund 4.000 Dollar, sogar erstmals seit rund einem Jahr wieder über die Marke von 12.000 Dollar. Seitdem ist der Kurs zwar wieder etwas zurückgegangen, doch auf Sicht der letzten sechs Monate weist die Kurve steil nach oben. Ähnlich sieht die Entwicklung bei der Nummer zwei unter den Kryptowährungen, Ethereum, aus.

Expansive Geldpolitik befeuert Bitcoin

Als wichtigste Treiber dieser Erholung hat Sören Hettler, Analyst bei der DZ Bank und Autor einer Studie zu dem Thema, die Nullzinspolitik der Notenbanken sowie die gigantischen Ausgabenprogramme der Regierungen ausgemacht. Sie hätten zu einer Liquiditätswelle geführt, auf der auch die Kryptowährungen mitschwimmen, schreibt er.

Auch habe der Mix aus ausufernder staatlicher Verschuldung und einem erheblich zunehmenden Preisdruck dazu geführt, dass Investoren vermehrt auf die Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten, außerhalb von Euro, US-Dollar & Co., gegangen seien. Darauf deute die steigende Zahl der monatlich verwendeten Bitcoin-Adressen hin, die zuletzt den höchsten Stand seit 2018 verzeichnete.

"Gold in digitaler Form"

Auch der relative Gleichlauf zwischen Goldpreis und Bitcoinkurs wird als Beleg für die These angesehen, dass Bitcoin zu einer Art "Gold in digitaler Form" geworden sei, weil die Schöpfung (das Schürfen) neuer Einheiten mit größerem Aufwand verbunden und das Angebot längerfristig begrenzt ist.

Bitcoin- und Ethereum-Münze

Bitcoin und Ethereum. | Bildquelle: colourbox.de

Zahlreiche Kryptowährungs-Befürworter gehen zudem von nachhaltigen, Coronabedingten Verhaltensänderungen der Menschen aus, die zu einer höheren allgemeinen Akzeptanz von Blockchain-basierten Währungen geführt hätten. Hintergrund sei der durch zunehmende Web-Konferenzen, Homeoffice und vermehrtes Online-Shopping ausgelöste Digitalisierungsschub.

Zunehmendes Interesse von Großinvestoren?

Hinzu kommen immer wieder aufkommende Spekulationen über ein zunehmendes Interesse institutioneller Investoren. Zuletzt verwies der Krypto-Vermögensverwalter Grayscale Investments darauf hin, dass seinen Fonds im ersten Halbjahr rund 1,4 Milliarden Dollar zugeflossen seien. Der Löwenanteil soll dabei auf Großanleger wie Hedgefonds entfallen sein.

Auch Fidelity Investments. einer der weltweit größten Fondsgesellschaften, soll Medienberichten zufolge einen Antrag für die Zulassung eines Bitcoin-Fonds gestellt haben. Ein zusätzlicher Beweis für die steigende Akzeptanz der Kryptowährung.

"Nicht mehr als ein Bauchgefühl"

Allerdings warnt der DZ-Bank Analyst vor dadurch abgeleiteten Hoffnungen auf steigende Kurse. Vielmehr sei die Kryptowährung das wert, was Nachfrager bereit seien, dafür zu bezahlen. Und die vergangenen Monate hätten nun einmal mehr gezeigt, dass diese Bereitschaft von diversen Faktoren abhänge. Entsprechend vorsichtig sollten Interessierte agieren, die von der wachsenden Akzeptanz der Kryptowährungen auf steigende Kurse schlössen, so Hettler.

Größte Schwachstelle von Cyberwährungen und damit ein Hinderungsgrund für Investoren bleibe zudem das Fehlen eines intrinsischen Wertes der Kryptowährung. "Jegliches Modell zur Berechnung eines fairen Kurses kann damit nicht viel mehr als ein Bauchgefühl darstellen", so Hettler.

lg