Chinas Währung unter Druck Biete Yuan, kaufe Dollar!

Stand: 05.07.2018, 09:38 Uhr

Ist die Abwertung des Yuan eine Strategie im Handelskonflikt mit den USA oder gibt es auch andere Erklärungen? Die Finanzwelt rätselt und aus China melden sich beschwichtigende Stimmen zu Wort.

Die chinesische Landeswährung befindet sich seit Wochen Monaten im Sinkflug. Zuletzt stabilisierte sich der Yuan zwar wieder. Chinas Notenbankchef Yi Gang hatte unlängst in einem Interview mit dem „China Securities Journal“ erklärt, dass China den  Yuan stabil auf einem angemessenen, gleichgewichtigen Niveau halten wolle. Man beobachte die Kursbewegungen am Devisenmarkt genau. Gleichwohl zeigt der Trend weiterhin in Richtung Süden.

Viele Experten halten die Yuan-Verluste für den Teil einer Strategie, mit der China den USA im Handelskonflikt Widerstand leisten wolle. Aber ist eine gezielte Abwertung des Yuan seitens der Regierung überhaupt erforderlich?  Für die Schwäche der chinesischen Währung lassen sich auch andere Erklärungen finden, die man wohl als „Marktkräfte“ bezeichnet.

Harter Schlag für chinesische Firmen

Schließlich hat China zuletzt vermehrt mit Konjunktursorgen zu kämpfen, was sich ebenfalls schwächend auf die Währung auswirkt. So hat sich die Stimmung in der chinesischen Industrie hat sich im Juni leicht verschlechtert. Auch der Einkaufsmanagerindex (PMI) des chinesischen Statistikamtes hatte einen Rückgang angezeigt. "Noch ist nicht ganz klar, welchen Schaden der Handelsstreit in der Weltwirtschaft anrichten wird. Aber sicher ist schon jetzt, dass er die chinesischen Firmen hart treffen wird", sagte Analyst Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank.

Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington

US-Notenbank Fed in Washington. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Und die schärfere Zinspolitik der USA lässt den Dollar schon seit längerem erstarken: Solange die Handelsspannungen schwelten und die US-Notenbank Fed nicht von ihren Zinserhöhungen abrücke, sei mit einer fortgesetzten Yuan-Schwäche zu rechnen, meint Commerzbank-Experte Charlie Lay.

Hinzu kommt, dass es ein ungebremster Fall des Yuan nicht im Interesse der chinesischen Staatsführung liegen kann. Im Herbst 2015 und Anfang 2016 hatten kräftige Yuan-Verluste zu weltweiten Börsenturbulenzen geführt und die Kapitalflucht aus dem Reich der Mitte massiv verschärft. Hinzu kommt noch die hohe Verschuldung der chinesischen Unternehmen, die zu einem nicht geringen Teil in Dollar zu begleichen ist.

Chinesische Insider melden sich zu Wort

Mit welchen Mitteln der Konflikt geführt wird, kann man auch anhand einer aktuellen Meldung der Nachrichtenagentur Reuters sehen. Reuters zitiert drei mit der Währungspolitik des Landes vertraute Experten, die an internen Diskussionen zur Währungspolitik beteiligt sein sollen, aber nicht zum Entscheidungsgremium gehörten.

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping: Was geht in den Köpfen der beiden vor?

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping: Was geht in den Köpfen der beiden vor?. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

Der jüngste Schwächeanfall des Yuan komme der chinesischen Regierung demnach nicht ungelegen, sei aber nicht ausdrücklich gewollt. Anders als während des Börsenkrachs im Sommer 2015 seien massive Interventionen zur Stützung der Währung voraussichtlich nicht nötig. Denn inzwischen gebe es Kontrollmechanismen, die eine Wiederholung der Ereignisse von vor drei Jahren verhinderten. Zu den Turbulenzen von 2015 sollen auf den Märkten wohl auf keinen Fall Parallelen gezogen werden.

ts