Verbot von Bonitätsanleihen

Aufsicht sieht von Verbot ab Zweites Leben für Bonitäts-Anleihen

Stand: 05.12.2017, 14:42 Uhr

Erst stark kritisiert, dann vom Verbot bedroht und von der Aufsicht genau beobachtet - und doch wieder erlaubt. Die umstrittenen Zertifikate werden laut der Wertpapieraufsicht BaFin nicht verboten - stehen aber weiterhin unter Beobachtung.

Neun Monate Bewährung, erfolgreich absolviert, so kann das Fazit für eine umstrittene Version von Zertifikaten lauten. So lange hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) die Umsetzung neuer Regeln für die Produkte überprüft, die sich die Zertifikate-Industrie selbst auferlegt hat. Die Entwicklung während dieser Prüfungsphase habe gezeigt, so BaFin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele, "dass die BaFin auch ohne Verbot deutliche Verbesserungen im Anlegerschutz erreichen kann".

Neuer Name fürs Produkt

Die Verbesserungen beginnen schon beim Namen. Inzwischen heißen die Produkte im Vertrieb nämlich "bonitätsabhängige Schuldverschreibungen", was technischer klingt, aber inhaltlich zutreffend ist. Das Labelling als "Anleihe" war der BaFin im vergangenen Jahr ein Dorn im Auge, denn unter Anleihe verstehen viele private Anleger ein sehr sicheres Produkt. Das ist die Bonitätsanleihe, die rechtlich eine Schuldverschreibung eines Emittenten ist, prinzipiell nicht. Bei einer Pleite des Instituts, das das Produkt aufgelegt hat, verfällt es in aller Regel wertlos.

Und auch die Konstruktion des Zertifikats ist für ungeübte Anleger eher exotisch: Mit der Schuldverschreibung wird auf eine stabile oder gar steigende Bonität eines Unternehmens oder eines Staats gewettet. Sinkt aber die Zahlungsfähigkeit, fallen bei der Anleihe alle Zinszahlungen aus und der Anleger erhält sofort einen - womöglich deutlich gesunkenen - Auszahlungsbetrag zurück. Das Risiko des Investors liegt also auch aus diesem Grund bei einer Bonitätsanleihe deutlich höher als mit einer normalen Unternehmens- oder Staatsanleihe.

"Vereinzelt Verstöße"

Nicht nur die Namensänderung war nun Teil der Selbstverpflichtung der Zertifikate-Emittenten, zu denen etwa führend die LBBW, die Deka Bank und die DZ Bank gehören. So wurden höhere Mindesthürden für ein Investment in die Papiere eingeführt, die Emittenten weisen seither in Beratungen und in Produktinformationsblättern stärker auf die spezifischen Risiken hin. Offenbar zur Zufriedenheit der Aufseher. Zwar seien während der Prüfungsphase "vereinzelt Verstöße festgestellt" worden, diese wären laut BaFin aber "nicht systemischer Natur, sondern auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen" gewesen. Die Einhaltung der Selbstverpflichtung will die Behörde aber weiterhin beobachten.

Die Bundesanstalt hatte zum August dieses Jahres den Handel mit CFDs (contracts for difference) eingeschränkt. Seitdem dürfen CFD- und Online-Broker keine Konten mehr anbieten, bei denen eine Nachschusspflicht besteht. Dieser "Margin Call" hatte Anfang 2015 einige Anleger in die Pleite getrieben, die hoch gehebelt gegen den Schweizer Franken gewettet hatten. Seinerzeit hatte die Schweizer Nationalbank SNB ihre Stützungskäufe für den Euro aufgegeben, was den Frankenkurs ruckartig nach oben schießen ließ. Die Aktion hatte auch zur Pleite mehrerer CFD-Broker geführt.

Binäre Optionen weiter im Spiel

Ein stark umstrittenes, hochspekulatives Produkt ist dagegen weiterhin erlaubt: Die so genannten binären Optionen können über spezialisierte Anbieter, aber auch einige CFD-Broker auch in Deutschland genutzt werden. Dabei setzen Anleger auf eine bestimmte Kursentwicklung zum Beispiel beim Dax - tritt die nicht ein, ist der gesamte Einsatz futsch.

AB