CFD - Contract for Difference-Schriftzug

Aufsicht schreibt geringere Hebel vor Neue Spielregeln für CFD-Broker

Stand: 19.07.2018, 15:27 Uhr

Belastung oder Chance? Die europäische Finanzaufsicht ESMA stellt im Geschäft mit Differenz-Kontrakten, CFDs, die Weichen ab dem 1. August neu. Für die Branche bislang noch ohne negativen Auswirkungen.

Die Zahl der aktiven Trader, die CFD-Kontrakte in Deutschland handeln, ist im vergangenen Jahr sogar deutlich gewachsen. Laut den Marktforschern von Investment Trends nutzen hierzulande nun rund 76.000 Trader die Möglichkeit, gehebelt auf Dax und Co., Währungen, Rohstoffe und Einzelaktien per CFD zu setzen. Der Zuwachs um 23 Prozent binnen eines Jahres ist der höchste, der in Deutschland bislang stattgefunden hat.

Des Rätsels Lösung: Viele neue Kunden haben die Broker, wie Marktführer CMC Markets, IG Markets oder Activetrades durch die Möglichkeit gewonnen, auch auf die Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum setzen zu können.

Weniger Hebeln erlaubt

Ab Anfang August 2018 beginnt allerdings für die CFD-Anbieter in gewisser Weise eine neue Zeitrechnung. Denn ab diesem Stichtag müssen die erlaubten Hebel auf die verschiedenen Basiswerte auf Geheiß der ESMA deutlich reduziert werden. Die Aufseher wollen damit den Anlegerschutz voranbringen und untersagen - zunächst für drei Monate - Hebel von mehr als 1:30. Bislang waren Hebelungen von 1:100 üblich, zum Teil boten Broker sogar 1:400 an. Bewegte sich also der Dax um 0,1 Prozent, sprang der CFD auf den deutschen Leitindex um 40 Prozent nach oben - oder unten.

Der neue maximale Hebel gilt allerdings auch nur für den Handel mit Hauptwährungs-Paaren wie Euro-Dollar. Wer den Dax handeln will, muss mit einem maximal 20-fachen Hebel arbeiten, beim Handel mit Einzelaktien liegt der Hebel künftig bei 1:5. Und wer mit Bitcoin traden will, darf dies nur noch mit einem zweifachen Hebel tun.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte bereits im vergangenen Jahr eine Nachschusspflicht verboten, die in der CFD-Branche üblich war. Anleger konnten damit mehr Geld verlieren, als sie eingesetzt hatten. Ein "Margin Call" verpflichtete sie dazu, höhere Verluste auf ihrem Konto wieder auszugleichen.

Mehr Kundenvertrauen?

Ob die Maßnahmen den Brokern Kundschaft vergraulen oder sogar helfen, neue Kunden zu gewinnen, muss abgewartet werden. Craig Inglis, Deutschland-Chef bei CMC Markets geht sogar davon aus, dass der Wegfall der Nachschusspflicht "eine Vielzahl von Tradern dazu bewogen hat, ein CFD-Konto mit dem nun begrenzten Verlustrisiko zu eröffnen".

Wer partout auf höhere Hebel im CFD-Handel nicht verzichten will, muss sich als "professioneller Kunde" bei seinem Broker registrieren lassen. Voraussetzung dafür sind allerdings Kriterien wie eine hohe Zahl von Trades, ein hohes Bankguthaben oder auch die berufliche Zugehörigkeit zur Finanzbranche. Dann allerdings verlangen viele der Broker im Verlustfall auch wieder einen "Nachschuss".

Branche in Bewegung

Die Kräfteverhältnisse im Markt für CFDs hat sich laut der Investment Trends-Studie im vergangenen Jahr wegen dem Kryptoboom merklich verschoben. Mit acht Prozent Marktanteil ist CMC noch der Marktführer, knapp dahinter liegen aber neben arrivierten Brokern wie GKFX und IG Markets auch der Social-Trading-Anbieter eToro und Plus500. Beide hatten frühzeitig den Kryptohandel im Angebot. Online-Broker wie die Comdirect Bank, die Consorsbank oder Flatex, liegen mit ihrem CFD-Angebot beim Marktanteil nicht weit dahinter. Der Markt ist in Bewegung wie noch nie.

AB