Binäre Optionen Gefährliches Börsenspiel

von Andreas Braun

Stand: 19.07.2018, 14:17 Uhr

Der Markt der Finanz-Derivate ist auch in Deutschland seit ein paar Jahren um eine Variante reicher. Mit "binären Optionen" wird der Handel zum Finanzabenteuer in eigener Sache. Entweder es werden große Gewinne eingefahren – oder der Einsatz ist futsch.

"Cash or Nothing", so lautet die offizielle Bezeichnung einer Optionsspielart, bei der es nur die Alternativen "hopp" oder "top" gibt. Mit binären Optionen, auch "digitale Optionen" genannt, gibt es in der Regel keine Abstufungen zwischen Gewinn und Verlust. Tritt ein bestimmtes Ereignis ein, wie etwa ein Anstieg des Dax auf eine bestimmte Marke zum Schlussstand, ist Zahltag für den Spekulanten. Geschieht dies aber nicht, hat sich die Margin, die zum Kauf der entsprechenden Option eingesetzt wurde, in Nullkommanichts in Luft aufgelöst.

Binäre Optionen unterscheiden prinzipiell nur zwischen zwei Alternativen. Schließt der Euro im Verhältnis zur US-Währung heute über 1,17 Dollar oder nicht? Berührt der Dax während des Monats Juli einmal die Marke von 13.000 Punkten oder wird es nichts mit dem neuen Gipfelsturm? Gerade die Schlichtheit der klaren Alternativen bei binären Optionen hat die Wetten in den vergangenen Jahren in ihrer Beliebtheit steigen lassen.

Gegenüber sitzt nur der Broker

Ähnlich wie bei CFDs handelt es sich bei binären Optionen nicht um Wertpapiere, wie Aktien, Anleihen oder auch Zertifikate. Eigentlich stellen beide Anlagevarianten eine Vereinbarung mit dem Emittenten dar, der mit den Produkten einen Markt abbildet. Anders als an den klassischen Aktien-, aber auch Terminmärkten gibt es keinen Handelspartner am Markt, sondern nur den Broker, der auch gleichzeitig Anbieter der "Wette" ist.

Aufsicht untersagt Handel für Privatanleger

Diese neue Finanzwette wird von einer Reihe von CFD-Brokern angeboten, die in Deutschland ansässig sind oder deutsche Tochterfirmen betreiben. Nachdem die Europäische Aufsichtsbehörde ESMA die Vermarktung und den Handel in der EU für Privatanleger seit Juli 2018 untersagt hat, sind die "binarys" nur noch für als "professionelle Trader" eingestufte Kunden erhältlich. Viele Broker haben die Produktkategorie inzwischen auch aus ihrem Angebot entfernt.

Neben inzwischen arrivierten und streng regulierten Handelsanbietern tummeln sich im Dunstkreis der CFD- und Options-Anbieter aber auch weniger durchschaubare Angebote. Dazu gehört etwa 24Option, das Kunden in der Vergangenheit mit aggressiven Verkaufsmethoden ködert.

Schon der "Spread" zwischen maximalen Verlust und maximalem Gewinn zeigen bei den binären Optionen aber, dass die Investoren mit ihren Annahmen schon deutlich öfter richtig als falsch liegen sollten, wenn sie als Gewinner aus dem Spiel mit binären Optionen hervorgehen wollen. Üblich sind maximale Gewinnquoten von 70 bis 80 Prozent, im Verlustfall muss der Kunde aber einen 100-prozentigen Verlust realisieren.

Auf dem EU-Ticket

Vor dem Verbot reichte nach Auskunft der deutschen Börsenaufsicht BaFin vielen der Anbieter bereits eine EU-weite Notifikation aus, um in Deutschland tätig zu werden. Dabei wird auf der Basis einer Erlaubnis im Ursprungsland eine bloße Zulassung des Geschäfts in einem beliebigen anderen Land der Gemeinschaft beantragt. Eine Regulierung im eigentlichen Sinne ist damit jedoch nicht verbunden.

Die BaFin hat Listen der bei ihr registrierten Finanzanbieter auf ihrer Internet-Seite zugänglich gemacht. Dass selbst Regulierung aber nicht vor Zahlungsausfall schützt, zeigt das Beispiel des deutschen CFD-Brokers FXdirekt. Dessen Geschäftstätigkeit wurde von der BaFin im Dezember 2014 kurzerhand untersagt. Das Unternehmen war durch Überschuldung in die Insolvenz geschliddert. Immerhin können die Kunden zum Großteil entschädigt werden, da die FXdirekt Bank AG der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) angehört.