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Binäre Optionen verboten, CFD beschränkt ESMA geht gegen Finanzinstrumente vor

Stand: 28.03.2018, 11:03 Uhr

Die europäische Aufsichtsbehörde will Privatanleger vor allzu riskanten Finanzwetten schützen. Die haben in den vergangenen Jahren überwiegend Verluste mit CFDs und binären Optionen gemacht.

Logo von ESMA – European Securities and Markets Authority

ESMA – European Securities and Markets Authority. | Bildquelle: ESMA

Der Eingriff der europäischen Regulierer ins Geschäft mit den Finanzwetten ist so umfassend wie noch nie, und er geht auch deutlich über die Vorgaben der deutschen Aufsichtsbehörde BaFin hinaus. Die hatte bereits im vergangenen Jahr CFDs, also Differenzkontrakte auf unterschiedliche Basiswerte wie Währungen, Indizes oder Einzelaktien beschränkt. Sie dürften seither nicht mehr mit einer Nachschusspflicht (Margin Call) versehen sein, die Verluste dürfen also den Einsatz nicht übersteigen. Binäre Optionen, bei denen auf den Eintritt eines bestimmten Ereignisses gewettet wird, wurden zwar kritisch beurteilt, blieben aber erlaubt.

Konto-Minus mehr

Damit ist nun Schluss: Die ESMA hat binäre Optionen für den EU-Raum verboten. Und sie geht mit den nun angekündigten Maßnahmen bei der Beschränkung des CFD-Handels noch deutlich weiter: Schon bei einem Verlust von 50 Prozent müssen Positionen geschlossen werden. Handelskonten von Anlegern dürften künftig keinen negativen Saldo mehr ausweisen. Die Beschränkungen werden allerdings erst in einigen Monaten in Kraft treten, wenn sie im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht worden sind. Und sie gelten zunächst nur vorläufig, können aber verlängert werden.

Erstaunlich differenziert werden die Hebel für CFDs beschränkt. Dabei scheint die Vorgabe zu gelten, je schwankungsanfälliger ein Basiswert ist, desto geringer darf er künftig gehebelt werden. Bei Hauptwährungspaaren wie Euro-Dollar darf nach Inkrafttreten der neuen Regeln ein maximal 30-facher Hebel angesetzt werden. Bei CFDs auf Aktienindizes und Gold darf er maximal 20:1 betragen. Wer auf die Entwicklung von Einzelaktien spekulieren will, hat danach nur noch einen Hebel von 5:1 zur Verfügung. Bei Trades mit Kryptowährungen wie Bitcoin wird sogar nur noch ein zweifacher Hebel zugelassen (s.a. unser Hintergrund: Hebelprodukte - was ist das?).

"Besserer Anlegerschutz"

ESMA-Chef Steven Maijoor

ESMA-Chef Steven Maijoor. | Bildquelle: Imago

Die Aufsichtsbehörde begründet ihre Entscheidung damit, dass der überwiegende Teil der Anleger in den Finanzinstrumenten Geld verliert. Nach einer Untersuchung würden in 74 bis 89 Prozent der Kleinanleger-Konten Verluste entstehen. Durchschnittlich betrügen diese 1.600 bis 29.000 Euro. Mit dem neuen Regelwerk soll nun ein "besserer Anlegerschutz in der gesamten EU gewährleistet" werden und "ein gemeinsames Mindestschutzniveau für Kleinanleger eingeführt werden".

Das soll auch dadurch erreicht werden, dass Anbieter von CFDs laufend vor Risiken warnen und die Konteninhaber über laufende Verluste informieren müssen. Die CFD-Broker dürfen zudem keine Prämien mehr ausloben, um Kunden zu gewinnen.

Aktien von CFD-Anbietern wie IG Markets, CMC Markets oder Plus500 verloren bereits am Dienstag deutlich. Während IG die neuen Vorgaben kritisierte und vor einer Abwanderung risikobereiter Anleger aus der EU warnte, ließ CMC verlauten, man sei "gut vorbereitet" auf die Umsetzung der Maßnahmen und setze ohnehin auf "High Value-Kunden", die weniger risikoreich agierten.

Effekte: Erst mal abwarten

Ob die ESMA mit den neuen Vorgaben ihre Ziele erreicht, bleibt freilich abzuwarten. Die Erhöhung der Hebel-Vorgaben bedeutet für Privatanleger zunächst nur, dass sie mehr Mittel auf den jeweiligen Konten vorhalten müssen, um im bisherigen Umfang Finanzwetten eingehen zu können. Neben dem Ausweichen auf Anbieter außerhalb der EU bleibt ihnen zudem die Möglichkeit auf eher "traditionelle" Finanzinstrumente im Derivatebereich auszuweichen: Mit Optionsscheinen oder Zertifikaten sind Hebel von 100 oder mehr bei "Knock-outs", "Turbos" oder "Mini-Futures" bei allen Emittenten jederzeit möglich.

Wer genug Risikobereitschaft und Mittel mitbringt, kann zudem auch als privater Investor auch mit den "klassischen" Profi-Instrumenten, den Futures und Optionen an den Terminbörsen wie der Eurex handeln. Hohe Hebel, Verlustrisiken und im Verlustfall auch der "Margin Call" sind hier an der Tagesordnung.

AB