Derivate

Zertifikat-Puzzle

Wenn Hebel-Zertifikate sterben Die Sache mit dem Knock-out

Stand: 13.11.2015, 15:53 Uhr

Turbos, Mini-Futures oder Knock-outs - Hebel-Zertifikate haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Naturgemäß gibt es auch ein handfestes Risiko beim Einsatz der Papiere. Bewegt sich der Basiswert in die falsche Richtung, dann droht das Aus - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

103 Euro, 102 Euro, 100 Euro - und Aus! Wie ein Boxer beim Niederschlag fühlen sich regelmäßig Anleger, wenn ihr "Schein" sich bei einer heftigen Bewegung des Basiswertes, in der Regel einer Aktie oder eines Index', in Wohlgefallen auflöst.

Der Begriff Knock-out ist bewusst gewählt, denn beim Erreichen einer bestimmten Schwelle im Kurs dieses Basiswertes verfällt das Hebel-Zertifikat in der Regel fast wertlos. Diese Knock-out-Schwelle bei einem Turbo-Zertifikat oder auch einem Turbo-Optionsschein sollte der Anleger bereits beim Kauf des Wertpapiers genau beachten. Idealerweise ist sie so gewählt, dass sie einem Preisniveau entspricht, bei dem der Anleger in jedem Fall aus dem Wert aussteigen möchte, auch mit Verlust.

Mit Restwert oder ohne

Für den Anleger dient damit der Knock-out als eine Verlustbegrenzung, ersetzt gewissermaßen den "Stop Loss", wie er bei einer Aktien- oder Fondsorder zur Absicherung genutzt wird. Hebel-Zertifikate gibt es aber auch in einer Variante, die vor dem eigentlichen Knock-out noch eine solche Verlustschwelle in der Zertifikate-Konstruktion einbaut. Bei dieser Produktvariante erhält der Anleger dann beim Unterschreiten dieses Stop Loss' noch einen Restwert seines Zertifikates ausgezahlt.

Emittent kann auch draufzahlen

Für den Emittenten eines Hebel-Produktes muss der Knock-out nicht zwingend etwas Gutes bedeuten. Im Moment des Berührens der Knock-out-Schwelle löst er sein Geschäft auf, mit dem der Basiswert, also etwa eine Aktie gekauft wurde. Dies entspricht in der Regel dem Basispreis. Fällt die Aktie bei einer ruckartigen Bewegung schnell unter diese Schwelle, entsteht also eine "Kurslücke". Dann muss der Emittent das Geschäft oft sogar zu einem schlechteren Preis rückabwickeln, als es sein Einstandspreis war.

Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein Hebel-Produkt auf die VW-Aktie ist mit einer Knock-out-Schwelle von 90 Euro versehen. Die Aktie notiert bei 100 Euro, das dazu gehörige Hebel-Produkt mit einem Hebel von zehn notiert bei 10,00 Euro. Nachdem neue Details zum Abgas-Skandal bekannt werden, stürzt die Aktie ohne Zwischenstop um 15 Prozent ab. Der nächste Kurs wird mit 85 Euro gestellt. Das Hebel-Produkt verfällt aber bei 90 Euro wertlos. Mehr als seinen Einsatz kann der Käufer nicht verlieren. Der Emittent muss den Verkauf der Aktie aber zu 85 Euro abwickeln, die fünf Euro Differenz sind sein Verlust. Wäre die VW-Aktie dagegen um zehn Prozent auf 110 Euro gestiegen, hätte der Anleger seinen Einsatz verdoppelt (zehn Prozent mal Hebelfaktor zehn). Auch an darüber hinaus gehenden Gewinnen hätte er entsprechend gehebelt verdient.

"Franken-Gau" als Lehrstück

Durch die Knock-out-Schwelle hebt sich ein Hebel-Zertifikate von den klassischen Terminkontrakten wie Futures, aber auch den neuen Differenz-Kontrakten an. Im "Ereignisfall" sind die Verluste des Zertifikate-Käufers auf den Einsatz begrenzt. Nicht so bei Futures und CFDs. Hier können die Verluste im schlimmsten Fall sogar ein Vielfaches des eingesetzten Kapitals betragen. Das hat der "Währungsgau" Anfang des Jahres wieder einmal vor Augen geführt. Privat-Anleger, die hoch gehebelt mit wenigen Hundert oder Tausend Euro per CFD gegen den Schweizer Franken spekuliert hatten, sahen sich nach der Freigabe des Euro-Kurses zur Schweizer Währung mit Schulden in fünf- oder sogar sechsstelliger Höhe konfrontiert. Die Broker können auf der "Nachschuss-Pflicht" des Kunden bestehen, prinzipiell unbegrenzt. Wer dieselbe Spekulation mit einem Hebel-Zertifikat einging, kam ausnahmslos mit einem blauen Auge davon.

AB

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