Geldscheine werden von einer Hand über den Tisch geschoben

Betrug auf Trading-Plattformen durch binäre Optionen Cybermafia ergattert über 100 Millionen Euro pro Jahr

Stand: 27.02.2019, 11:40 Uhr

Mehr als 100.000 europäische Anleger sind Opfer von Betrügern geworden - und haben Millionen verloren. Die Täter flogen jetzt auf. Ihre Masche war immer gleich.

Seit 2015 spielte die nun zerschlagene Bande aus Osteuropa auf Online-Trading-Plattformen mit den Anlegern ein falsches Spiel. Berater überredeten ihre Kunden via Telefon oder E-Mail zum Kauf von Binären Optionen und anderer Finanzprodukte. Allein Deutsche und Österreicher haben mindestens elf Millionen Euro eingezahlt - mit schlimmen Folgen.

Das österreichische Innenministerium berichtete in dieser Woche über das gravierende Ausmaß: Vermutlich mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr haben die Betrüger erbeutet. Die Ermittler aus Österreich, Deutschland, Tschechien und Bulgarien durchsuchten 21 Firmen sowie vier Privatadressen und stellten 14 Konten sicher. Die beiden Köpfe der Gruppe sitzen in Untersuchungshaft. Innenminister Herbert Kickl zeigte sich zufrieden: "Diese erfolgreiche Aktion ist ein wichtiger Schlag gegen Cyberkriminalität."

Die Masche war einfach: Werbung auf Sozialen Netzwerken, in Massenmails oder durch Callcenter-Anrufe verbreiten, Anleger durch hohe Renditen und geringes Risiko durch erfundene Versicherungen locken, ihr Vertrauen wecken und von einem Investment überzeugen. Schnell wurde das Geld durch binäre Optionen verdoppelt oder gar verdreifacht - das virtuelle Depot offenbar immer größer.

Organisierte Kriminalität

Mit neuen Bonusangeboten zogen die Berater ihren Kunden immer mehr Geld aus der Tasche. Dabei sagten sie ihnen genau, welche Produkte sie kaufen müssten. Doch plötzlich endete die unverhoffte Glückssträhne. Innerhalb von Sekunden war der Großteil des Kapitals weg. Durch schnelle Beraterwechsel vertuschten die Täter ihren Betrug. Um die Verluste aufzufangen, müssten die Anleger allerdings weiteres Geld zahlen. Irgendwann war dann alles verschwunden - Totalverlust.

"Wir haben es hier mit organisierter Kriminalität zu tun. Die Software der Plattformen ist so programmiert, dass Kunden nach anfänglichen Gewinnen nur verlieren können", sagte Andrea Flagge, Leiterin des Büros für Finanzermittlungen des österreichischen Bundeskriminalamts (BKA) dem "Handelsblatt".

Die Plattformen seien mit einer Software betrieben worden, die nicht nur die Kundenverwaltung ermöglichte, sondern auch die Kurse im Sinne der Betrüger beeinflusste, so das BKA. Auszahlungen waren nicht gebilligt, vielmehr wurde das Geld schon kurz nach der ersten Einzahlung innerhalb eines Geldwäsche-Netzwerks aus Scheinfirmen weitergeleitet.

Binäre Optionen sind ein gefährliches Spiel

Eine Binäre Option ist einfach gesagt eine schlichte Wette, die vom Broker angeboten wird. Dabei gibt es in der Regel keine Abstufung zwischen Gewinn und Verlust. Tritt ein bestimmtes Ereignis ein, wie etwa ein Anstieg des Dax auf eine bestimmte Marke zum Schlussstand, ist Zahltag für den Spekulanten. Geschieht dies aber nicht, löst sich die Margin, die zum Kauf der entsprechenden Option eingesetzt wurde, in Nullkommanichts in Luft auf.

Mit diesen Geschäften verlieren Menschen weltweit Milliarden. Deshalb plant die deutsche Finanzaufsicht BaFin seit November 2018 die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf der Binären Optionen an Privatkunden auf nationaler Ebene zu verbieten.

Die Erkenntnis ist nicht ganz neu. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte boerse.ARD.de ausführlich über die Milliarden-Abzocke mit Binären Optionen durch dubiose Onlinebroker berichtet. Außerdem hatte die ESMA sie für drei Monate europaweit verboten. Nur noch für "professionelle" Trader waren sie erhältlich.

tb