Anleihen

The Big Short: Filmplakat vor Filmstill

Investoren gehen bei Hochzins-Papieren "short" Wetten gegen die Junk-Bond-Blase

Stand: 10.10.2016, 13:30 Uhr

Die Kurse vieler Hochzinsanleihen sind in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. Doch nimmt man die Manöver einiger Profi-Anleger unter die Lupe, dann könnte einiges darauf hindeuten, dass die Bond-Hausse vor dem Ende steht.

Der Kinofilm "The Big Short" zeigt schonungslos, welche Auswirkungen eine "Blase" an den Finanzmärkten haben kann. Die (realen) Protagonisten wetteten damals als Erste auf ein Platzen der Hypothenblase in den USA, indem sie "short" gingen, also auf fallende Preise bei Hypothekenanleihen setzten.

Auffällige "Short"-Engagements gibt es derzeit in den USA wieder. Sie betreffen allerdings diesmal den Markt für Unternehmensanleihen und hier besonders spekulative Papiere von Unternehmen minderer Bonität, so genannte Junk Bonds.

Kurse zu hoch gestiegen?

Als wichtiges Indiz dafür dient die Short-Quote beim größten Indexfonds (ETF) in diesem Markt, dem iShares High Yield Corporate Bond des Marktführers Blackrock. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg verzeichnet der Fonds derzeit die höchste Quote an Short-Positionen aller Zeiten.

Über die Gründe dafür darf gerätselt werden. Analysten sind sich unschlüssig, welche Motivation hinter den Trades steckt. Vielen der Profi-Anleger sind die heftigen Kursanstiege bei den Unternehmensanleihen schlicht zu hoch ausgefallen. In den ersten neun Monaten sind sie um durchschnittlich 15 Prozent gestiegen.

ETF als neue Waffe für Shorties?

Ein anderer Erklärungsansatz lautet, dass viele Anleihen-Anleger ihre größeren "Long"-Positionen nach den Kursanstiegen der vergangenen Monaten nun absichern, "hedgen" wollen, um sich vor raschen Kurskorrekturen zu schützen.

Und auch eine eher "technische" Erklärung gibt es am Markt: Danach nutzen spekulative Anleger nun verstärkt Indexfonds, um Short-Positionen aufzubauen, anstatt dies wie früher üblich über Derivate wie "Credit Default Swaps" zu tun. Dabei könnten Kosten-Überlegungen eine Rolle spielen.

Eine neue Blase am Anleihemarkt muss also nicht zwingend bevorstehen. Für verstärkte Vorsicht im Markt für Hochzinsanleihen dürften die Nachrichten aber dennoch sorgen.

AB