2. Klasse-Wagon

Neuemissionen nur noch für Profi-Investoren Anleihekäufer werden zu Anlegern zweiter Klasse

Stand: 03.01.2018, 09:28 Uhr

MiFID II könnte für einige deutsche Sparer fatale Konsequenzen haben. Wenn es nach dem Willen der mächtigen Finanzlobby ICMA geht, sollen Privatanleger künftig keine neuen Unternehmensanleihen mehr kaufen können.

Wem Aktien zu volatil sind, der konnte bisher alternativ sein Geld unter anderem in festverzinsliche Wertpapiere stecken. Gerade Unternehmensanleihen warfen hier noch ein bisschen Zinsen und eine solide Rendite ab. Doch in Zukunft könnte es für Privatanleger schwieriger werden, an solche Corporate Bonds zu kommen.

Aufwand zu groß

Der einflussreiche Kapitalmarkt-Verband ICMA, dem europäische Banken und Finanzdienstleister angehören, hat vorgeschlagen, neue Firmen-Bonds nur noch an institutionelle Investoren zu vertreiben. Für Emittenten sei es einfacher, Anleihen nur an professionelle Anleger zu verkaufen, sagte Ruari Ewing, Rechtsexperte des ICMA gegenüber dem "Handelsblatt".

Denn die neuen seit Jahresbeginn geltenden Kapitalmarktregeln erschweren den Banken und Unternehmen, Anleihen an Privatanleger zu verkaufen. Sie müssen während der ganzen Laufzeit der Bonds prüfen, ob sich die (Haftungs-)Risiken geändert haben. Die Kurz-Informationsblätter (KID) müssen folglich regelmäßig aktualisiert werden. Das sei sehr aufwendig für die Unternehmen als Emittenten, klagt ICMA-Experte Ewing.

Mehrere Banken lehnen Ausschluß von Kleinanlegern ab

Der Vorstoß der ICMA stößt auf Widerstand bei deutschen Banken und Börsenbetreibern. "Viele deutsche Unternehmen wollen, dass Privatanleger Zugang zu ihren Anleihen haben", sagte ein Top-Banker dem "Handelsblatt". Und auch Michael Görgens, Leiter des Anleihe- und ETF-Handels an der Börse Stuttgart, lehnt den Vorschlag der Finanzlobby ab. Gerade die Nachfrage der Privatanleger stabilisiere den Anleihemarkt, betont er. An der Börse Stuttgart handeln zahlreiche Kleinanleger mit Anleihen.

Einige Banken könnten jedoch der Empfehlung der ICMA folgen und Privatanleger ausschließen, befürchtet Görgens. Vor allem angelsächsische Institute würden wohl zunächst auf Nummer sicher gehen und Corporate Bonds nur an institutionelle Anleger verkaufen, meinen Insider laut dem "Handelsblatt".

Bei der Debatte wird allerdings übersehen, dass de facto jetzt schon Privatanleger von einem großen Anteil der Neuemissionen von Firmenbonds ausgeschlossen sind. Die Mehrheit der Anleihen wird in einer Stückelung von 100.000 Euro angeboten.

nb