Zwei gebogene Pfeile suggerieren zwei sich umkreisende Kugeln

In Krise stabiler als Aktien Wandelanleihen: Stabilität fürs Depot

Stand: 29.05.2020, 14:14 Uhr

In unruhigen Zeiten sind Alternativen zu Aktien gefragt. Wandelanleihen haben sich in letzter Zeit besser geschlagen und waren stark nachgefragt.

Wandelanleihen – ein kompliziertes Konstrukt aus Aktie und Anleihe, erfreuen sich in letzter Zeit immer stärkerer Nachfrage. Denn "Wandler" gelten als vergleichsweise krisenfestes Finanzprodukt, vor allem in unsicheren Zeiten. "Auch in der Corona-Krise konnten Wandelanleihen ihr Versprechen der 'Downside Protection' halten", erklärt Arnaud Brillois, Lead-Portfoliomanager der Global Convertible Plattform von Lazard Asset Management.

Das ist eine Wandelanleihe

Eine Wandelanleihe kann innerhalb einer bestimmten Frist unter bestimmten Bedingungen und in einem festen Umtauschverhältnis in Aktien des Unternehmens getauscht werden. Somit können Anleger von steigenden Aktienkursen profitieren. Bei negativen Kursentwicklungen können Wandelanleihen Verluste abfedern. Für gewöhnlich sind Wandelanleihen niedriger verzinst als normale Anleihen, weil dem Inhaber der Vorteil der Wandlungsmöglichkeit eingeräumt wird.

Kurskorrekturen werden von Wandelanleihen deutlich besser abgefedert als von Aktien. Deutlich wird der Unterschied vor allem dann, wenn man die Performance des MSCI All Countries World Index und mit der von Wandelanleihen vergleicht. Laut einer Studie von Lazard Asset Management büßte der MSCI All Countries World zwischen Jahresbeginn und Mitte Mai dieses Jahres rund elf Prozent seiner Performance ein. Wandelanleihen hingegen konnten, gemessen am Thomson Reuters Convertibles Global Focus Index, die Performance um 1,6 Prozent steigern.

Wandelanleihen sind hoch anpassungsfähig

"Unser Ausblick für den Rest des Jahres ist positiv. Sollte die Volatilität jedoch erneut ansteigen, wird sich die schützende Komponente der Wandelanleihen als nützlich erweisen", kommentiert Brillois. Denn sie sind in hohem Maße anpassungsfähig. Steigen Aktienmärkte, nehmen Wandelanleihen an der Aufwärtsbewegung teil. Gibt es aber einen starken Rücksetzer, verhalten sich Wandelanleihen weniger wie Aktien und mehr wie Anleihen. Sie können den Absturz deutlich abfedern. Eine Beimischung von Wandelanleihen ins Portfolio kann Kursstürze stabilisieren und das Risiko eines Depots reduzieren.

Im Moment profitieren Wandelanleihen zusätzlich davon, dass sie nicht Teil der Unternehmensanleihe-Kaufprogramme der Zentralbanken sind, schreibt Maxime Perrin, Client Portfolio Manager and Senior Analyst Convertible Bonds bei Lombard Odier Investment Managers. Somit böten Wandelanleihen höhere Renditen als Unternehmensanleihen.

Auch Fonds und ETFs

Wollen Anleger auf Einzeltitel setzen, sollten sie die Wandlungsbedingungen genau studieren. Da Wandelanleihen häufig einen hohen Mindestkaufbetrag haben, bieten sich für Privatanleger auch Fonds mit Wandelanleihen an. In den vergangenen Jahren etablierten sich auch einige ETFs auf Wandelanleihen.

Zuletzt zahlreiche Wandelanleihen platziert

In den vergangenen Wochen haben mehrere Unternehmen Wandelanleihen platziert. So zum Beispiel auch das MDax-Mitglied Hellofresh, das Wandelanleihen im Wert von 175 Millionen Euro ausgab. Die Schweizer Versandapotheke Zur Rose legte eine Wandelanleihe im Wert von 150 Millionen Euro auf. Vorreiter im Wandelanleihen-Markt sind aber die USA. So bot das US-Kreuzfahrtunternehmen Carnival Anfang Mai eine Wandelanleihe für 1,75 Milliarden Dollar an.

ms