Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen
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Schallmauer im Blick US-Anleihen: Schwere Bürde für den Aktienmarkt

Stand: 25.04.2018, 07:49 Uhr

Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen ist am Dienstag auf lange nicht gesehene Höhen gestiegen. Eine Marke steht nun im Mittelpunkt.

Konkret geht es um die Rendite der US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren. Die kletterte am Dienstag erstmals seit Januar 2014 über die Marke von 3,00 Prozent. Im Handelsverlauf wurde ein Höchststand von 3,009 Prozent erreicht, zum Handelsschluss lag die Rendite bei 2,992 Prozent. Entsprechend fielen die Kurse der Anleihen.

Starke Daten vom amerikanischen Häusermarkt setzten die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere unter Verkaufsdruck und stützten so im Gegenzug die Renditen. Zudem fiel das vom Forschungsinstitut Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen besser als erwartet aus.

3,00 Prozent im Blick

Renditen für zehnjährige Papiere über der Schallmauer von 3,00 Prozent gelten erfahrungsgemäß als schlecht für Aktien, da bei steigenden Renditen insbesondere die Attraktivität der Dividende als Vergleichsmaßstab nachlässt.

"Und da stand sie plötzlich auf den Monitoren der Händler, die Drei vor dem Komma bei der zehnjährigen US-Anleiherendite, und brachte die Angst vor steigenden Zinsen zurück in die Köpfe", fasste Analyst Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC die gestrige Stimmung an der Wall Street zusammen. Das erinnere an Februar, als die Aktienkurse schon einmal ins Rutschen gekommen seien. Seinerzeit habe die Lohnentwicklung in den USA die Inflationsängste geschürt. Nun sei der Anstieg der Renditen und der Ölpreise entscheidend.

Ölpreise sind das Problem

Denn die Rally bei den Ölpreisen signalisiert steigende Inflationsgefahren. Bereits vor dem neuerlichen Anstieg der Ölpreise auf zeitweise über 75 Dollar hatte die amerikanische Notenbank Fed signalisiert, dass sie eine Reihe von weiteren Erhöhungen des Leitzinses vom derzeitigen Niveau von 1,50 bis 1,75 Prozent plant.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 1 Jahr
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Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Jahr
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
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1.226,90
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So gehen die Märkte derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 43,0 Prozent davon aus, dass der Leitzins Ende des Jahres bei 2,00 bis 2,25 Prozent liegt. Auf 38,6 Prozent wird ein Niveau von 2,25 bis 2,50 Prozent taxiert. Und immerhin noch 8,1 Prozent beträgt die Erwartung für eine Spanne von 2,50 bis 2,75 Prozent. Basis für die genannten Wahrscheinlichkeiten ist das so genannte "FedWatch Tool" der Terminbörse CME. Sie werden auf Basis von gehandelten Futures berechnet.

Auch wenn die Fed mit der erwarteten strafferen Geldpolitik nicht direkt die Renditen von langlaufenden Staatsanleihen beeinflussen kann, hat sie dennoch indirekt Einfluss auf den Anleihemarkt. Wären beispielsweise die zehnjährigen Renditen seit ihrem letzten Tiefststand Mitte 2016 von rund 1,5 Prozent nicht gestiegen, gäbe es jetzt eine inverse Zinsstruktur. In einer solchen Situation liegen die kurzfristigen Renditen höher als die langfristigen. Doch für den Aktienmarkt wäre das mit Sicherheit auch nicht erfreulich. Denn eine inverse Zinsstruktur signalisierte in der Vergangenheit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Rezession.

Und daran kann den Anlegern am Aktienmarkt erst recht nicht gelegen sein.

ME

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Spargroschen werfen wieder etwas ab
Auch wenn es zunächst Mini-Zinsen sein dürften: Allmählich werden Tages- und Festgeldanbieter das steigende Zinsumfeld auch bei ihren Angeboten abbilden. Findige Sparer können weiterhin aber am stärksten von Neukundenangeboten verschiedener Banken und Broker profitieren. Dabei sollte man darauf achten, dass die gewählten Institute eine ausreichende Einlagensicherung bieten. Langfristig festlegen, sprich über mehrere Jahre, sollte man sich freilich weiterhin nicht.