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Die EZB – nicht nur Steinhoffs "Lender of last resort" Steinhoff-Skandal offenbart Risiken der EZB-Politik

von Angela Göpfert

Stand: 12.12.2017, 07:36 Uhr

Die EZB hält weiterhin Schuldtitel des Skandal-Möbelhauses Steinhoff. Eine fragwürdige Strategie – aber konsequent. Schließlich sind die Steinhoff-Anleihen nicht die einzigen Schrottpapiere in den Büchern der EZB.

Während sich viele Privatanleger und institutionelle Investoren von ihren Steinhoff-Anleihen in der vergangenen Woche getrennt haben, nachdem der Bilanzskandal um die Poco-Möbelhäuser offenbar wurde, hält die Europäische Zentralbank stur an ihrem Engagement fest.

Die "Währungshüter" hatten Steinhoff-Anleihen im Rahmen ihres billionenschweren Wertpapier-Kaufprogramms erworben. Ende vergangener Woche befand sich eine Anleihe des europäischen Zweigs von Steinhoff mit Fälligkeit im Jahr 2025 weiterhin im Bestand der EZB, wie aus am Montagabend veröffentlichten Daten hervorgeht. Mit welchem Betrag die EZB investiert ist, ist indes nicht bekannt. Die Notenbank macht dazu keine Angaben.

Ernste Bedenken

Am Donnerstag hatte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote des Möbelhaus-Konzerns um vier Stufen von "Baa3" auf "B1" zusammengestrichen. Die von der EZB gehaltene Anleihe wird damit als "Ramsch" eingestuft, weitere Senkungen sind möglich.

Moody's hat folglich ernste Bedenken, dass der Konzern seine Schulden zuverlässig zurückzahlen kann. Warum also hält die EZB an ihrem Steinhoff-Engagement fest und trennt sich nicht von den Papieren jetzt, wo sie immerhin noch etwas wert sind?

Jede Menge Schrott

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Der Fall Steinhoff zeigt exemplarisch, welche Risiken mittlerweile in den Tiefen der EZB-Bilanz schlummern. Denn die Steinhoff-Anleihe ist nicht der einzige Schrott-Titel in den Büchern der EZB.

Laut einer Studie der Schweizer UBS sind bereits 26 Unternehmensanleihen in den Büchern der Europäischen Zentralbank der Kategorie Schrott zuzurechnen. Weitere 88 Papiere stehen nur eine Stufe über Junk-Niveau.

"Lender of last resort" für 1.000 Unternehmen

Die EZB ist damit zum "lender of last resort" (Kreditgeber letzter Instanz) für angeschlagene Unternehmen geworden. Die Währungshüter haben bislang rund 1.000 Unternehmensanleihen im Volumen von 129 Milliarden Euro erworben.

Das ist zwar nur ein Bruchteil der Bilanzsumme der EZB, die zuletzt auf den Rekordwert von 4.441 Milliarden Euro angeschwollen war. Doch der Steinhoff-Crash zeigt die Risiken dieser Politik.

"Größte Blase der Menschheitsgeschichte"

Und diese Risiken werden von Monat zu Monat größer. Derzeit kauft die EZB Monat für Monat Unternehmens- und Staatsanleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro. Ab Januar soll das Volumen zwar auf 30 Milliarden Euro sinken – ein endgültiges Ende dieser hochriskanten Politik ist aber noch nicht in Sicht.

Experten wie der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, warnen daher nicht zu Unrecht, die EZB habe "die größte Blase in der Geschichte der Menschheit" geschaffen. Wehe, wenn sie platzt.

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