Roter Würfel mit Prozentzeichen mit angelehnter Leiter schwimmt im Wasser

Viele Risiken zu beachten Sind Anleihen wieder eine Alternative?

von von Robert Minde

Stand: 23.11.2018, 15:20 Uhr

Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind zuletzt über drei Prozent gestiegen und bieten damit eine Alternative zum Aktienmarkt. In Europa müssen sich die Investoren auf der Suche nach Alternativen am Rentenmarkt noch gedulden.

Traditionell gelten Anleihen mit hoher oder guter Bonität als größter Konkurrent der Aktien – eine weltweit gültige Faustregel für jeden Börsianer. Als 1992 zehnjährige Bundesanleihen mit einer heute kaum mehr zu glaubenden Rendite von rund neun Prozent gehandelt wurden, ging es am Aktienmarkt entsprechend schleppend zu.

Alternativen in den USA

Jerome Powell und höhere Zinsen

Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Seitdem die amerikanische Notenbank Federal Reserve unter der derzeitigen Führung von Jerome Powell aber schon ab 2015 ganz vorsichtig wieder angefangen hat, die Zinszügel anzuziehen, kommt zumindest in den USA der Rentenmarkt in Bewegung. Erst ganz langsam, mittlerweile mit mehr Schwung. Vor allem, weil die Washingtoner Notenbanker keine Zweifel an weiteren Zinsanhebungen gelassen hat.

Noch in diesem Jahr wird eine weitere Erhöhung der Leitzinsen auf dann 2,25 bis 2,50 Prozent erwartet, zwei weitere könnten 2019 folgen. Dann läge das Zinsniveau am „kurzen Laufzeitende“ der Zinsstrukturkurve für US-Staatsanleihen bei rund 3,00 Prozent. Und das weitgehend risikolos, denn die großen Ratingagenturen bewerten die Papiere mit den besten Noten.

Und schon wäre sie wieder da, die Alternative zum Aktienmarkt. Denn am kurzen Laufzeitende drohen bekanntlich im Gegensatz zu Langläufern so gut wie keine Kursverluste, da die Papiere ja in Kürze fällig werden und zum Nennwert von 100 Prozent zurückgezahlt werden. Aber ist das schon alles?

Strategien im Rentenmanagement

Für bereits am Markt investierte Investoren, vor allem solche, die auch noch ein höheres Bonitätsrisiko tragen, ist der plötzliche Zinssegen nämlich ein Problem. Denn steigende Renditen bedeuten am Anleihemarkt fallende Kurse.

Darauf können Investoren mit einer diversifizierten Strategie reagieren, ähnlich einer Leiter. Die Anlagegelder werden je nach Anlagehorizont auf verschiedene Stufen der Leiter, sprich Fälligkeiten, verteilt. Bei fünf Jahren Laufzeit wären es also fünf Papiere, die jeweils in ein bis fünf Jahren zurückgezahlt werden (idealerweise am gleichen Fälligkeitstag). Bei Fälligkeit kauft der Investor ein neues Papier mit fünfjähriger Laufzeit mit dem dann aktuellen Zinssatz und so weiter.

Zinsstruktur US-Staatsanleihen

Zinsstruktur US-Staatsanleihen. | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Auch eine Aufteilung auf verschiedene Produkte mit verschiedenen Gewichtungen, im Fachjargon Rebalancing genannt, bietet sich an. Gewinnen einzelner Produkte, beispielsweise ETFs auf verschiedene Laufzeitenbereiche, werden an einem Stichtag realisiert und entsprechend der alten Gewichtung wieder in "günstigere“, also im Kurs gefallene Produkte, reinvestiert. Vorteil dabei: Es wird immer in der ursprünglichen Gewichtung investiert.

Auch eine Änderung der Laufzeitdauer bietet sich am Rentenmarkt an. Im Falle steigender Zinsen bietet sich eine Verkürzung der Duration an, um Kursverlusten entgegenzuwirken und umgekehrt.

Flache Zinsstruktur

Zurück zum US-Markt. Dort deutet die durchwachsene Berichtssaison der Unternehmen fundamental zumindest auf eine Abschwächung des scheinbar endlos dauernden Wirtschaftsbooms hin. Geht dem Aktienmarkt also langsam die Puste aus, wie zuletzt schon gesehen? Immerhin hat der Leitindex Dow Jones seit Anfang Oktober mehr als zehn Prozent an Wert verloren und fast die ganzen Kursgewinne seit dem Sommer wieder abgegeben. Übersetzt bedeutet dies nichts anderes, als dass die Investoren zukünftig geringere Unternehmensgewinne erwarten und sich deshalb von den Papieren trennen.  

Die fast flache Zinsstruktur bei den US-Staatsanleihen, also die geringe Renditedifferenz zwischen kurzen und langen Laufzeiten, deutet auf solche Befürchtungen der Investoren hin. Es könnte sogar zu einer inversen Zinsstruktur kommen, dann würden langlaufende Anleihen geringer rentieren als solche mit kürzeren Laufzeiten. Eine solche Kurve war oft schon der Vorbote einer Rezession, auch wenn die aktuellen US-Wirtschaftsdaten weiter gut sind.

"In der Vergangenheit war eine abflachende Zinsstrukturkurve meist ein Anzeichen für eine bevorstehende Rezession. Aber nicht jedem wirtschaftlichen Einbruch ging dieses Phänomen voraus und es muss auch nicht zwingend zu einem inversen Verlauf kommen“, sagt Fondsmanager Michael Schorpp, Anleihespezialist bei DJE Kapital AG.

Tristesse in Europa

Ganz anders sieht es in der Eurozone aus. Hier verharren die Leitzinsen bei Null. Auch weisen die angebotenen Papiere je nach Herkunft unterschiedliche Bonitäten - und entsprechende Renditen auf.

Rating-Tabelle

Rating-Tabelle. | Bildquelle: Börse Stuttgart

Von der Bestnote AAA für Deutschland bis B+ für Griechenland – von Homogenität bei den Qualitäten ist also außer der gemeinsamen Währung nichts zu spüren. Orientiert man sich an deutschen Bundeswertpapieren, um Bonitätsunterscheide zu den US-Papieren zu eliminieren, ergibt sich überhaupt erst ab einem Laufzeitbereich von acht Jahren eine positive (Mini)-Rendite von 0,11 Prozent, zehnjährige Papiere (WKN 110 245) rentieren mit 0,35 Prozent (alles vor Steuern, versteht sich). Hinzu kommt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent, so dass die Realrenditen tief negativ sind. Eine Alternative zum Aktien- oder Immobilienmarkt sind die Anleihen in der Eurozone also bisher nicht