Handelsstreit USA China - Dollar- und Yüan-Schein, darauf ein Boxhandschuh

Ungewöhnlich hoher Verkauf von US-Staatsanleihen Setzt China seine US-Bonds als Waffe ein?

Stand: 16.05.2019, 15:16 Uhr

Täglich beherrscht der Handelsstreit zwischen den USA und China die Schlagzeilen. Unterdessen hat das US-Handelsministerium die jüngsten Eigentumsverhältnisse seiner Staatsanleihen bekanntgegeben. Bewegung gab es besonders beim größten ausländischen Gläubiger - na klar, China. Was steckt dahinter?

Der Handelskrieg zwischen China und den USA ist in vollem Gange. Seit Monaten beklagen die Amerikaner unfaire Handelspraktiken und Spionage seitens der Chinesen. Vor einer Woche hoben sie daher die Zölle auf Importe aus China von zehn auf 25 Prozent.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Vom 1. Juni an erhöhen die Chinesen ihrerseits die Einfuhrgebühren auf Produkte aus den Vereinigten Staaten im Wert von 60 Milliarden Dollar. Je nach Produkt gelten dann Zölle von zehn, 20 oder 25 Prozent.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Der Ausgang? Ungewiss. Die Gespräche über einen möglichen amerikanisch-chinesischen Deal dominieren aktuell das Geschehen an der Börse. Präsident Donald Trump rief mittlerweile den Nationalen Notstand für den Telekommunikationssektor aus und setzte den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei auf eine schwarze Liste. Damit ist es US-Firmen untersagt, ohne Genehmigung der Regierung Geschäfte mit dem Smartphone-Hersteller zu tätigen.

Größter Verkauf seit 2016

Mitten im Handelsstreit hat China nun so viele US-Anleihen verkauft wie seit fast zweieinhalb Jahren nicht mehr. Im März trennte sich die Volksrepublik von Bonds im Wert von 20,45 Milliarden Dollar, wie aus Daten des US-Handelsministeriums vom Mittwoch hervorgeht.

Abgesehen von einem kleinen Nettokauf von US-Bonds (1,08 Milliarden Dollar) im Februar hat China seit September jeden Monat Staatsanleihen verkauft. Chinas Anteil an allen im Ausland gehaltenen US-Schulden fiel zum neunten Mal in Folge auf 17,3 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni 2006.

China und Japan mit Abstand größte Gläubiger

Dennoch bleibt China der größte ausländische Gläubiger der USA. Das Land hielt im März Anleihen im Wert von 1,121 Billionen Dollar - der niedrigste absolute Wert seit zwei Jahren. Auf Platz zwei steht Japan mit 1,078 Billionen Dollar.

Dahinter klafft eine große Lücke. Mit großem Abstand folgen die nächstgrößeren Gläubiger Großbritannien mit 317,1 Milliarden Dollar sowie Brasilien mit 311,1 Milliarden Dollar. Deutschland steht mit US-Bonds im Wert von 78,1 Milliarden Dollar auf Platz 20.

Zuvor hatte China seinen Handelsbilanzüberschuss seit Jahren in US-Schuldtitel angelegt und damit den US-Lebensstil auf Pump zu weiten Teilen mitfinanziert. Für Fachleute gilt es als Horrorszenario, wenn China Staatsanleihen auf den Markt wirft - wie sie es nun getan haben.

Sind die amerikanischen Staatsanleihen der Trumpf für China im Handelsstreit? Die Folgen sind praktisch erst einmal nicht absehbar. "Bei fast allen Kundengesprächen bekomme ich die Frage, ob diese Waffe zum Einsatz kommt", sagte Torsten Slok, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, der "Financial Times". "Die bloße Größe der chinesischen Reserven und die Tatsache, dass das Thema in die Öffentlichkeit kommt, bedeutet, dass der Markt es ernst nehmen sollte."

Potenzieller Einfluss auf US-Zinsniveau

Durch ein Überangebot an US-Schuldtiteln sinken deren Kurse. Im Ergebnis führt das zu steigenden US-Zinsen, damit Staatspapiere für Anleger attraktiv bleiben und sich die USA weiterhin verschulden können - nur eben teurer. Für die Konsumenten und die US-Wirtschaft wären das schlechte Nachrichten, denn die Auswirkungen auf die Konjunktur können gravierend sein.

Schließlich ist billiges Geld ein wesentlicher Faktor für die günstige wirtschaftliche Lage der vergangenen Jahre. Durch steigende Zinsen klettern die Kreditkosten für Washington nach oben. Will China also durch solche Verkäufe Druck auf die Trump-Regierung ausüben?

Chinas Kräfte sind gebunden

Die meisten Investoren und Analysten hielten dieses Szenario bisher für unwahrscheinlich. China schade sich dadurch selbst, da es durch den Verkauf den Wert der eigenen Reserven vernichte. Sinkende Kurse und steigende Renditen bedeuten Verluste im eigenen Portfolio.

An Turbulenzen an den Weltmärkten kann China aufgrund der eigenen schwierigen Situation nicht gelegen sein. Und an alternativen Anlagen für die als vergleichsweise sicher geltenden US-Staatsanleihen fehlt es auch. Der jüngste Verkauf von Anleihen habe keinen Zusammenhang mit dem Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt, meint deshalb Gene Tannuzzo vom Vermögensverwalter Columbia Threadneedle Investments.

"Viele offene Fragen"

Analysten zufolge verkauft China Staatsanleihen in der Regel, wenn es seine eigene Währung stützen muss. Die Verkäufe im März zeichneten sich zum Teil dadurch aus, dass die Währung im Laufe des Monats gegenüber dem Dollar unverändert blieb.

Darüber hinaus hatten die Verkäufe wenig Einfluss auf die Richtung der US-Zinsen. Die zehnjährigen Treasury-Renditen sanken im März um 31 Basispunkte auf 2,41 Prozent. "Normalerweise war die Antwort auf die Frage, warum das passiert ist, sehr ähnlich - es war der Wechselkurs", so Slok. "Diesmal ist die Zahl überraschender. Es gibt viele offene Fragen."

Laut "Bloomberg" spielt der Verkauf Trump sogar in die Hände. Bei steigenden US-Zinsen würden Banken einen Teil ihrer Reserven nutzen, um weitere Bonds zu kaufen - Einnahmen für den Staat. Außerdem könnte der Wert des Dollar sinken. Dadurch würden die Preise für ausländische Importe für amerikanische Kunden anziehen und die Preise für Exporte abrutschen. Ganz nach Trumps Motto: "America first" - weniger importieren, mehr exportieren.

tb