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Ratingagenturen warnen vor Herabstufungen Schwere Zeiten für Staatsanleihen

Stand: 08.01.2020, 17:10 Uhr

Handelskonflikte, politische Unruhen und die wachsende Verschuldung in vielen Staaten der Welt beunruhigen die Ratingagenturen. Sie könnten dieses Jahr bei mehr Ländern den Daumen senken als heben.

In ihrem Ausblick auf die Kreditwürdigkeit globaler Staatsanleihen zeigt sich Moody's besonders skeptisch. "Ein disruptives und unberechenbares innen- und geopolitisches Umfeld" verschärfe die graduelle Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums sowie das Risiko wirtschaftlicher und finanzieller Schockereignisse, warnt die Ratingagentur. "Der Ausblick dreht von stabil zu negativ", prophezeit Moody's.

2019 mehr Upgrades als Downgrades

Im vergangenen Jahr vollzog Moody's noch mehr Heraufstufungen als Herabstufungen - vor allem aufgrund der höheren Kreditwürdigkeit europäischer Staaten, hat die "Börsen-Zeitung" herausgefunden. Doch die guten Zeiten für die Bonität von Staaten könnten nun vorbei sein.

Ähnlich sehen das die Bonitätswächter von S&P. Gut zehn Prozent der von S&P beurteilten Staaten hätten einen positiven Ausblick, schreibt die "Börsen-Zeitung". Ebenso viele verfügten aber auch über einen negativen Ausblick.

Billiges Geld schadet Reformwillen

Neben den Handelskonflikten mit gegenseitigen Strafzöllen sorgen sich die Ratingagenturen um das unberechenbare politische Umfeld, das das Wirtschaftswachstum dämpft. Populistische Tendenzen würden die Staatsausgaben und Defizite erhöhen. Das billige Geld der Notenbanken helfe nicht. Im Gegenteil. Es fördere noch eine gewisse Reformfaulheit, warnen die Bonitätswächter.  Besonders beunruhigt zeigt sich S&P von der zunehmenden Verschuldung in den Schwellenländern.

Gerade in Lateinamerika, wo derzeit in einer Reihe von Staaten Proteste toben, könnte es Abstufungen der Staatenratings geben. Viele weisen schon jetzt einen negativen Ausblick aus.

Österreich und Finnland können auf Heraufstufung hoffen

Laut "Börsen-Zeitung" könnte es aber in zwei Ländern positive Überraschungen geben: in Österreich und Finnland. Fitch hat beide Länder mit einem "AA+"-Rating und einem positiven Ausblick versehen. Sollten sie ein Upgrade bekommen, wäre es das erste Mal seit 2011, dass Länder ihren verloren gegangen "AAA"-Niveau wieder erlangen.

Momentan genießen weltweit nur neun Staaten die Bestnote "AAA". Es sind Dänemark, Deutschland, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz, Singapur. Die USA genießen nur bei Fitch und Moody's die Bestnote, bei S&P werden sie mit "AA+" bewertet.

nb