Hand mit Einpeso-Münze vor argentinischer Flagge

Vor den Wahlen im Oktober Pleitekandidat Argentinien will umschulden

Stand: 29.08.2019, 08:52 Uhr

Argentinien braucht Luft: Die Regierung will die Milliardenkredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) später zurückzahlen als bislang vorgesehen. Der IWF zeigt sich aufgeschlossen.

Er habe mit dem IWF Verhandlungen über die Fälligkeit der Kredite aufgenommen, hatte Finanzminister Hernán Lacunza am Mittwoch mitgeteilt. Zuletzt war ein Team des IWF in Buenos Aires, um die von dem Fonds geforderten Sparmaßnahmen und Reformen zu überprüfen.

"Als erstes geht es darum, wieder für Stabilität zu sorgen", sagte Lacunza nach einem Treffen mit dem IWF-Team. Der Fonds unterstützt das Land mit einem milliardenschweren Kreditprogramm. Er kündigte an, die Umschuldungspläne der Regierung zu analysieren. Lacunza machte deutlich, dass an den Zins- und Tilgungszahlen der Schuldverschreibungen nichts geändert werde.

Nach Lacunzas Ankündigung sagte IWF-Sprecher Gerry Rice: "Wir verstehen, dass die Regierung diesen Schritt gemacht hat, um für Liquidität zu sorgen und die Reserven zu schützen. Wir stehen in diesen herausfordernden Zeiten an der Seite von Argentinien."

Kredit gegen Reformen

Argentinien steht seit Wochen unter Druck durch einen Kursrutsch der heimischen Währung Peso. Diese hat seit dem 11. August zum Dollar fast 22 Prozent an Wert verloren. An diesem Tag verlor der als wirtschaftsfreundlich angesehene Präsident Mauricio Macri eine wichtige Vorwahl gegen seinen linksgerichteten Herausforderer Alberto Fernandez, der nun als Favorit für die Präsidentenwahl im Oktober gilt. An den Finanzmärkten geht deshalb die Angst um, dass der Peso-Verfall dazu führen könnte, dass das Land seine Dollar-Schulden nicht mehr begleichen kann.

Mauricio Macri, Präsident von Argentinien

Mauricio Macri. | Bildquelle: picture alliance/Natacha Pisarenko/AP/dpa

Als der argentinische Peso im vergangenen Jahr stark abwertete, hatte der IWF Argentinien einen Bereitschaftskredit in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar gewährt. Der IWF sei eine Kreditgenossenschaft, in der die Mitgliedsregierungen Mitgliedsländern, die Schwierigkeiten haben, die Einfuhr von Gütern und Dienstleistungen zu bezahlen beziehungsweise ihre Auslandsschulden zu bedienen, vorübergehende Finanzhilfe gewähren, heißt es dazu auf der Homepage des Instituts: "Als Gegenleistung erklärt sich das betreffende Land dazu bereit, politische Reformen durchzuführen, um die Probleme, die den Zahlungsbilanzschwierigkeiten zu Grunde liegen, zu beheben."

Ökonom Hernan Esteves vom Beratungshaus FyEConsult sieht die angestrebte Umschuldung skeptisch. "Das Problem ist, dass es einen Umschuldungsvorschlag von der einen Regierung gibt, der aber von der nächsten Regierung umgesetzt werden muss. Das macht es sehr schwierig, eine geordnete Restrukturierung hinzubekommen."

ts