Anleihen

Blaues vierstöckiges Haus vor Hochhäusern

Experten warnen Mittelstandsanleihen: Weitere Ausfälle programmiert

Stand: 22.08.2016, 11:31 Uhr

KTG Agrar, German Pellets, Steilmann: die Liste der Ausfälle mittelständischer Unternehmen und der von ihnen begebenen Anleihen wird immer länger. Und noch ist kein Ende abzusehen.

Zuletzt erwischte es den Rohrleitungsspezialisten Sanha, dessen 37,5 Millionen Euro schwere Anleihe Ende Juni von 70 auf fast 40 Prozent eingebrochen ist. Vorstandschef Bernd Kaimer begründete den Kursrutsch damals mit der allgemeinen Verunsicherung am Anleihemarkt nach den Pleiten von German Pellets und KTG Agrar.

Seitdem hat sich der Kurs zwar etwas erholt, doch nach einem Anstieg auf 65 Prozent Anfang August ist er zuletzt wieder auf 53 Prozent gefallen - weit entfernt von den 100 Prozent zu Jahresbeginn. Anleger befürchten, dass das Ergebnis des Unternehmens nicht ausreichen könnte, um seine im Juni 2018 auslaufende Anleihe zu bedienen.

Weitere Ausfälle programmiert

Noch hat Sanha knapp zwei Jahre Zeit, um die Sorgen der Anleger zu zerstreuen. Doch Experten gehen davon aus, dass sich Anleger von Mittelstandsanleihen nach der Pleite von KTG Agrar auf weitere Ausfälle gefasst machen müssen.

"Ich gehe davon aus, dass auch in den nächsten zwei bis drei Jahren die eine oder andere Mittelstandsanleihe wegen Insolvenz des Emittenten ausfällt", warnt Ralf Garrn, Geschäftsführer von Euler Hermes Rating im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Fünf Insolvenzen seit Jahresbeginn

Seit Jahresbeginn haben nach seinen Angaben fünf Firmen Insolvenz angemeldet, die insgesamt neun Mittelstandsanleihen auf den Markt gebracht hatten. Der spektakulärste Fall war zuletzt die Pleite des Hamburger Unternehmens KTG Agrar. Dadurch kann das Unternehmen auch die Zinsen für seine beiden 2017 und 2019 auslaufenden Anleihen nicht mehr bezahlen. Die Kurse der beiden Papiere sind inzwischen auf Kurse um sieben Prozent gefallen.

Etwa 85 Firmen müssen Garrn zufolge bis Ende 2018 ihre Anleihen refinanzieren. Zwar seien die Bedingungen derzeit günstig. "Der Bankenmarkt bietet extrem günstige Finanzierungskonditionen." Angesichts der Zinsflaute herrscht zudem Anlagenotstand. Für Unternehmen mit einer schlechten Bewertung durch Ratingagenturen könnte es dennoch schwierig werden.

Verkehrte Welt

Garrn empfiehlt bei der Auswahl der Papiere genau hinzuschauen: "In der Vergangenheit sind mehr als 40 Prozent aller Anleihen ausgefallen, bei denen das Papier oder das Unternehmen eine Investment-Grade-Bewertung hatte." Bei sogenannten Ramschanleihen - Papiere mit einer schlechten Note von Ratingagenturen - seien es nur 15 Prozent gewesen. "Eigentlich sollte es aber umgekehrt sein."

Von insgesamt 214 Mittelstandsbonds, die seit 2010 angeboten wurden, sind Garrn zufolge bisher 43 ausgefallen: "Mehr als die Hälfte der Papiere hatten bei der Platzierung ein sogenanntes Investment-Grade Rating und damit eine Bewertung, die viel zu gut war, wie sich im Nachhinein herausstellte." Investment Grade bedeutet, dass das Papier als investitionswürdig beurteilt wird.

Glaubt man den Untersuchungen des Schweizer Finanzierungsanbieters Patrimonium, sind besonders Anleihen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien gefährdet. Stolze 68 Prozent der Emittenten aus dieser Branche seien bisher ausgefallen. Viele mittelständische Unternehmen seien überschuldet und bräuchten mehr Eigenkapital, erklärt Patrimonium die Problematik vieler mittelständischer Betriebe.

lg