Rohstoffe

KTG-Chef Siegfried Hofreiter

Der nächste Schlag KTG Agrar: Das ganze Grauen kommt hervor

Stand: 09.09.2016, 14:44 Uhr

"Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt", hieß es noch im Mai von den Wirtschaftsprüfern des Agrarunternehmens KTG. Doch nun wollen die hochbezahlten Spezialisten nichts mehr davon wissen.

Wie der neue Vorstand des insolventen Unternehmens mitteilte, hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Möhrle Happ Luther die Bestätigungsvermerke für den Jahresabschluss sowie den Konzernabschluss des vergangenen Jahres widerrufen.

Damit sind unter anderen die folgenden Aussagen der Wirtschaftsprüfer im Geschäftsbericht von KTG Agrar hinfällig:

»Nach unserer Beurteilung (...) entspricht der Konzernabschluss den gesetzlichen Vorschriften und vermittelt (...) ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns. Der Konzernlagebericht steht in Einklang mit dem Konzernabschluss, vermittelt insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.«

Nicht werthaltig

Die Begründung für den Rückzieher lautet nun in feinstem Juristendeutsch:

»Der Widerruf wird damit begründet, dass der Rechtsschein der Werthaltigkeit von Vermögensgegenständen zum Zeitpunkt der Erteilung des Bestätigungsvermerkes am 12. Mai 2016 und damit vor Einleitung eines Insolvenzverfahrens beseitigt werden solle.«

Übersetzt bedeutet das, viele Vermögensgegenstände haben sich in der Bilanz als nicht werthaltig erwiesen. Warum das erst jetzt auffällt, ist unklar.

Schon kurz nach der Testierung der Bilanz waren am Kapitalmarkt immer mehr Zweifel an dem Unternehmen des ehemaligen Vorstandschefs Siegfried Hofreiter (Foto) aufgekommen. KTG Agrar hatte die am 6. Juni anstehende Zinszahlung auf die im Juni 2017 fällige Anleihe nicht leisten können. Zwei selbstgesetzte Fristen zur Nachzahlung verstrichen und die eigentlich für 30. Juni geplante Hauptversammlung wurde verschoben. Im Zuge der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde festgestellt, dass KTG 394 Millionen Euro Schulden hat und damit überschuldet ist.

Wenn auf den Äckern von KTG nicht noch zufällig auf eine Goldader gestoßen wird, wird KTG-Aktionären im Zuge des Insolvenzverfahrens mit Sicherheit nichts übrig bleiben. Und selbst die Anleihebesitzer müssen mit dem Schlimmsten rechnen. So notieren die beiden Schuldverschreibungen nur noch bei rund zwei Prozent vom Nominalwert.

Was ist ein Testat wirklich wert?

Der Fall KTG Agrar verdeutlicht einmal mehr, dass Testate von Wirtschaftsprüfern mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Überwiegt in der Führungsspitze des zu überprüfenden Unternehmens der Hang zu kreativer Buchführung, kann das Testat praktisch wertlos sein. Genauso wertlos wie das fragwürdige Unternehmen selber.

ME

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Bei diesen Mittelstandsanleihen läuft was schief Vorsicht Pleite

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