Bundesanleihe zu 0 %

Fürchte die Inflation! "Langfristig minus fünf Prozent mit Anleihen"

Stand: 13.09.2019, 13:39 Uhr

Angesichts der Niedrigzinsen hat sich das Risiko von Rentenportfolien erhöht. Zwar steigen die Kurse vieler Anleihen zum Teil stärker als die Aktienkurse großer Firmen, doch auf Anleihen zu setzen, könnte böse enden.

Anleihen gelten normalerweise als weniger spekulativ, sind aber auch oft weniger gewinnbringend als Aktien. Derzeit ist an den Kapitalmärkten aber einiges anders als üblich: Angesichts der andauernden Niedrigzinspolitik der internationalen Notenbanken sind viele Anleihen in den vergangenen Monaten ähnlich stark gestiegen wie die Aktienkurse großer Unternehmen.

Daher setzen einige Anleger auf weiter steigende Kurse der Anleihen. Vor allem Unternehmensanleihen erscheinen attraktiv, da sie neben der Kurssteigerung eine höhere Rendite abwerfen als Staatsanleihen. Doch die Spekulation auf steigenden Anleihekurse ist mit Vorsicht zu genießen. Immer geringer werdende Renditen für langlaufende Anleihen erhöhen das Kursrisiko, sollten die Zinsen irgendwann wieder steigen. Denn bei steigenden Zinsen - oder auch schon der Erwartung darauf - fallen die Kurse der Anleihen. Je länger die Restlaufzeit der Anleihen, desto höher fällt der Kursverlust aus.

Inflation gefährdet die Renditen

Im August hatte Deutschland eine 30-jährige Bundesanleihe zu einem Zins von null Prozent herausgegeben. Anleihen-Inhaber dürften sich fragen, wohin die Reise mit den niedrigen Zinsen noch hingeht und welche Auswirkungen das auf ihr Portfolio hat.

Reinhard Panse, Chief Investment Officer des Bad Homburger Vermögensverwalters HQ Trust, geht in seinem Basisszenario bei Anleiheportfolien von einem langfristigen realen Ertrag von minus fünf Prozent aus. Sein wichtigstes Argument ist die zunehmende Gefahr einer Inflation. Die Gefahr nehme deutlich zu, während "alle Welt über Deflationsrisiken" diskutiere.

Schon jetzt haben Staatsanleihen vieler Industrieländer eine negative Realverzinsung. Laut HQ Trust liefern deutsche Staatsanleihen bei einer Inflation von 1,4 Prozent eine Realverzinsung von minus 2,2 Prozent. Lediglich in den Niederlanden sieht es noch kritischer aus: 2,5 Prozent Inflation bedeuten eine Realverzinsung der zehnjährigen Staatsanleihen von minus 3,1 Prozent. Mit steigender Inflation werde es noch schlimmer kommen, warnt der Vermögensverwalter.

Rendite zehnjährige Bundesanleihe

Rendite zehnjährige Bundesanleihe . | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Drei Gründe für steigende Inflation

Panse nennt drei Ursachen, die wieder eine steigende Inflation auslösen könnten. "Das Missverhältnis zwischen Konsumenten und Arbeitskräften steigt wieder an", erklärt Panse. Denn die geburtenstarken Jahrgänge in den Industrieländern, aber auch in China und Russland gingen allmählich in den Ruhestand.

Zudem spiele die zunehmende handelspolitische Isolation eine Rolle. Preise importierter Güter stiegen an und inländische Unternehmen erhielten mehr Macht bei der Preisbildung. Das liege an der Einschränkung des Handels und Kapitalverkehrs.

Außerdem treibe eine zunehmende Umverteilung die Nachfrage. "Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Demokratien den Sozialstaat mit höheren Leistungen aus politischen Gründen massiv ausgebaut", so Panse.

ms