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15 Fakten zu Anleihen Anleihen

Richard Dittrich, Börse Stuttgart

Richard Dittrich, Börse Stuttgart
Bei Richard Dittrich, Leiter der Kundenbetreuung an der Börse Stuttgart, laufen die Anfragen der Privatanleger zum Anleihehandel zusammen - und das sind viele! Hier seine 15 wichtigsten Fragen und Antworten.

15 Fakten zu Anleihen Anleihen

Richard Dittrich, Börse Stuttgart

Richard Dittrich, Börse Stuttgart
Bei Richard Dittrich, Leiter der Kundenbetreuung an der Börse Stuttgart, laufen die Anfragen der Privatanleger zum Anleihehandel zusammen - und das sind viele! Hier seine 15 wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine projizierte Anlagewelt aus Anleihen, Aktien, Rohstoffen, Devisen usw.

1. Anleihen, Bonds, Obligationen oder Renten?
Anleihen sind als verzinsliche Wertpapiere eine beliebte Variante der Fremdkapitalfinanzierung für Unternehmen und Institutionen wie den Staat oder Banken. Bei einer Anleihe, auch Rentenpapier, Obligation oder Bond genannt, handelt es sich um einen Schuldschein. Dabei erwirbt der Käufer im Gegensatz zu Aktien kein Eigentum am Unternehmen. Der Schuldner, der die Anleihe begibt, verschuldet sich beim Käufer.

Zwei chinesische Brokerinnen beobachten die Kursbewegungen

2. Sind Anleihen genauso schwankungsanfällig wie Aktien?
Im Gegensatz zu Aktionären sind Anleihebesitzer nicht Eigentümer, sondern Gläubiger eines Unternehmens. Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens sind sie somit besser gestellt als Aktionäre. Deshalb unterliegen Anleihen generell geringeren Schwankungen als Aktien. Allerdings spielt auch immer die Bonität eine Rolle. Droht ein Zahlungsausfall, kann es auch bei Anleihen zu starken Schwankungen kommen, wie in der Vergangenheit das Beispiel Griechenland zeigte. Das berühmte Kostolany-Zitat „Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, bevorzugt Aktien“ gilt also nur mit Einschränkungen.

Gestapelte Würfel mit Prozentzeichen

3. Warum sind Anleihen in Prozent notiert?
Um eine einheitliche Basis zu schaffen und um die Kursfeststellung an der Börse zu erleichtern, wurden Anleihen mit der Prozentnotiz versehen. Im Gegensatz zu Aktien erwirbt der Anleger bei Anleihen keine bestimmte Stückzahl, sondern einen gewissen Nominalbetrag. Durch die Prozentnotiz weiß jeder Anleger – ganz gleich, ob er Anleihen für 100 oder für 100.000 Euro hält – wieviel seine jeweiligen Schuldpapiere wert sind. Notiert eine Anleihe beispielsweise bei 105, muss ein Käufer 105 Prozent des Nominalwertes bezahlen.

Citroen-Aktie, undatiert, mit Kuponbogen

4. Was ist der Kupon?
Der Schuldner verpflichtet sich, dem Besitzer der Anleihe einen Zins zu zahlen. Dieser Anspruch auf Zinszahlung wird bei Anleihen auch häufig als Kupon bezeichnet. Die Erklärung für diese Bezeichnung findet sich in der Historie von Anleihen: Früher war der Zinsanspruch auf entsprechenden Kupons vermerkt, die der Anleger zur Zinszahlung bei der Hausbank vorlegen musste. Heutzutage erfolgt die Zins- oder Kuponzahlung vollelektronisch. Im Normalfall erhält der Anleger seine Zinsen einmal im Jahr, bei manchen Anleihen in unterjährigen Intervallen.

Mann stapelt Euromünzen

5. Woran orientiert sich die Höhe des Kupons?
Die Höhe des Kupons hängt von zwei Faktoren ab: der Bonität, also der Kreditwürdigkeit des Schuldners sowie dem aktuellen Zinsniveau auf den Finanzmärkten. Das Bonitätsrisiko regelt der Anleihenmarkt über einen Prämienaufschlag beziehungsweise -abschlag, der die Rendite des jeweiligen Papiers widerspiegelt. Bundesanleihen – also deutsche Staatsanleihen – gelten als überaus sicher und werfen daher nur eine geringe, teilweise sogar eine negative Rendite ab. Ausnahmen sind Staatsanleihen von Ländern, die selbst vom Zahlungsausfall bedroht sind, wie etwa in jüngster Vergangenheit Griechenland. Der zweite Faktor ist das Zinsniveau auf den Finanzmärkten, das sich täglich ändert. Hauptfaktoren sind hier etwa Leitzinsänderungen, Arbeitsmarktdaten, Haushaltsdefizite von Staaten, Währungsbewegungen oder ganz allgemein die Inflation.

6. Welche Faktoren spielen für die Rendite meiner Anleihe eine Rolle?
Da eine Anleihe in den meisten Fällen zu 100 Prozent zurückbezahlt wird, hat zunächst der Kaufpreis einen Einfluss auf die Rendite. Je nachdem, ob die Anleihe beim Kauf unter oder über 100 Prozent notiert – Experten sprechen von unter oder über Pari – verzeichnet der Anleger bei Rückzahlung einen Kursgewinn oder Kursverlust. Selbstverständlich spielt auch der Kupon eine wichtige Rolle für die Rendite. Hierzu ein Beispiel: Eine Anleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit kann bei 98 Prozent erworben werden. Bei einer zu erwartenden Rückzahlung von 100 Prozent ergibt dies einen Kursgewinn von zwei Prozent oder einem Prozent pro Jahr. Diesem jährlichen Kursgewinn wird der Kupon von 2,5 Prozent hinzugerechnet. Womit sich eine zu erwartende jährliche Rendite von 3,5 Prozent ergibt.

Vergleich von Zinsen in einer Chartgrafik

7. Wie hängt der Kurs von Anleihen mit den Marktzinsen zusammen?
Der Kaufpreis einer Anleihe ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben der geschäftlichen Situation und der Bonität des Schuldners hat auch die Differenz zwischen aktuellem Zinsumfeld und dem Zinskupon einen Einfluss auf die Notierung einer Anleihe. Ist der Marktzins höher als die Verzinsung der Anleihe, zahlt der Anleger meist weniger als den Nennwert. In der aktuellen Niedrigzinsphase ist es allerdings umgekehrt: Der Marktwert von Anleihen, die besser verzinst sind, liegt über dem Nominalwert von 100 Prozent.

Die Skyline von Frankfurt am Main

8. Was ist ein Festpreisgeschäft?
Häufig erreichen die Kundenbetreuung Anfragen von Anlegern, die von ihrer Bank Inhaberschuldverschreibungen angeboten bekommen haben, diese aber nicht auf der Internetseite der Börse finden. Dabei handelt es sich meistens um Anleihen der Bank, die auf Basis eines täglich aktualisierten Preisaushanges der Bank im sogenannten Festpreisgeschäft an die Kunden verkauft werden. Für Anleger ist es wichtig zu wissen, dass diese Papiere nicht börslich gehandelt werden. Wer Anleihen einfach kaufen und verkaufen will, sollte sie daher aus Transparenz- und Kostengründen besser über die Börse handeln.

Puzzle in Form eines Einhunderteuroscheines

9. Was bedeutet "Stückelung"?
Der Gesamtwert einer Anleihe unterteilt sich in festgelegte Teilbeträge, sogenannte Teilschuldverschreibungen. Diese sogenannte Stückelung gibt Auskunft über die kleinste handelbare Einheit. Üblich sind Anleihen, die mit einer nominalen Stückelung von 1.000, 50.000 oder 100.000 Geldeinheiten versehen sind. Ist eine Anleihe beispielsweise in 1.000 Euro gestückelt und notiert bei 94 Prozent, kann die Anleihe für 940 Euro gekauft werden. Allerdings sind Unternehmensanleihen zunehmend in 100.000 Euro gestückelt und daher für die wenigsten Privatanleger interessant. Der Grund für die große Stückelung ist im Wertpapierprospektgesetz zu finden, denn ab einer Stückelung von 100.000 Euro sind Schuldner von der Verpflichtung befreit, einen Wertpapierprospekt zu veröffentlichen. Allerdings sind nicht alle Anleihen so groß gestückelt. Bei Bundesanleihen beträgt die kleinste handelbare Einheit gerade einmal einen Cent.

Eine Frau legt verschiedene Euroscheine aufeinander

10. Wie werden Anleihen zurückgezahlt?
Bei Ausgabe einer Anleihe werden die Konditionen festgelegt, zu denen die Rückzahlung erfolgt. Dabei liegt das Augenmerk insbesondere auf Modalitäten und Laufzeit der Zahlungen. Die Ausgabe von Anleihen sowie die Rückzahlung am Laufzeitende erfolgen bis auf wenige Ausnahmen zu 100 Prozent. Ist ein Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten oder insolvent, droht das Ausbleiben der Zinsen oder im schlimmsten Fall sogar der Ausfall der gesamten Rückzahlung.

Zinszeichen aus Zinszeichen bestehend

Was sind Stückzinsen?
Wenn eine Anleihe zwischen zwei Zinszahlungsterminen den Besitzer wechselt, müssen neben dem Kurswert auch die sogenannten Stückzinsen berücksichtigt werden. Diese werden für die Zeit zwischen dem Tag des Erwerbs und dem Zinstermin fällig. So kann ein Anleger grundsätzlich nur für den Zeitraum Zinsen für sich beanspruchen, in dem er die Anleihe besessen hat. Ihm steht dann für jeden „Stückzinstag“, in dem er die Anleihe im Besitz hatte, der anteilige Zinsbetrag zu. Zu welchem Termin die Zinsen gezahlt werden, unterscheidet sich je nach Emission. Vor dem Erwerb einer Anleihe sollten Käufer in jedem Fall prüfen, ob sie neben dem benötigten Kapital für den Kauf der Anleihe auch ausreichend Geld für die eventuell zu entrichtenden Stückzinsen haben. Beim nächsten Zinszahlungstermin erhalten sie dann die Zinsen für die gesamte Zinsperiode.

Steuererklärungsformular und roter Kugelschreiber

12. Wie werden Anleihen versteuert?
Ein interessanter Aspekt beim Thema Stückzinsen ist deren Versteuerung. Damit Anleger durch die Stückzinsen keinen steuerlichen Nachteil erleiden, wird von den depotführenden Banken für jedes Depot ein sogenannter „Stücktopf“ geführt. Hier werden erhaltene und gezahlte Stückzinsen gegenübergestellt und lediglich der positive Saldo zu aktuell 25 Prozent Kapitalertragssteuer versteuert. Über die Besteuerung der Zinsen hinaus muss der Anleger Kapitalertragssteuer auf mögliche Kursgewinne bezahlen.

13. Was ist der Zinstrenn-Termin?
Insbesondere bei Anleihen aus den USA gibt es neben dem Zinszahltag noch einen weiteren Termin, der für Anleger von Bedeutung ist. Schon mehrere Tage, oft auch Wochen vor dem ei-gentlichen Zinszahltag, liegt dort der sogenannte Zinstrenn-Termin. Zwischen den beiden Terminen wird die Anleihe ohne Kupon gehandelt. Kauft ein Anleger zwischen diesen beiden Zeitpunkten eine solche Anleihe, werden ihm nicht wie üblich die Stückzinsen für den restlichen Zeitraum bis zum Zinszahltag gutgeschrieben, da er die Anleihe bereits vergünstigt ohne Kupon erworben hat. Am folgenden Zinszahltag erhält der Anleger daher auch keine Zinszahlung.

Collage aus 007-James-Bond-Filmplakaten

14. Was sind Zero-Bonds?
Es gibt Anleihen, bei denen über die gesamte Laufzeit hinweg keine Zinszahlungen erfolgen. Diese werden bei Emission zu einem Preis unter 100 Prozent ausgegeben, am Laufzeitende jedoch zu 100 Prozent zurückgezahlt. Diese Anleihen werden Null-Kupon-Anleihen oder auch Zero-Bonds genannt.

Läuferbeine

15. Was sind Kurz- und Langläufer?
Anleihen werden nach ihrer Laufzeit in kurzfristige (bis vier Jahre), mittelfristige (vier bis acht Jahre) und langfristige (über acht Jahre) Papiere unterteilt. Die Langläufer werden meist dann aufgelegt, wenn mit einem steigenden Zinsniveau gerechnet wird. Schuldner wollen sich das niedrige Niveau für einen möglichst langen Zeitraum sichern. Bei Langläufern kommt es daher im Laufe der Zeit zu starken Kursveränderungen. Zu den bekanntesten Vertretern der Langläufer zählen die sogenannten „T-Bonds“. Dabei handelt es sich um US-amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen 10 und 30 Jahren.