EZB-Gebäude in der Dämmerung

Corona macht's möglich EZB kauft jetzt auch Schrottanleihen

Stand: 23.04.2020, 10:49 Uhr

Die EZB eilt erneut den angeschlagenen Euroländern, allen voran Italien und Spanien, zu Hilfe und will jetzt auch Ramschanleihen aufkaufen. Damit weicht sie von ihren bisherigen Grundsätzen ab und folgt der US-Notenbank Fed.

Damit es im Zuge der derzeitigen Krise nicht zu einer Kreditklemme kommt, wirft die Europäische Zentralbank (EZB) ihre bisherigen Grundsätze über Bord und kauft nun auch so genannte Schrottanleihen. Dabei handelt es sich um Papiere, die keinen Investment Grade mehr haben, also von den größeren Ratingagenturen (S&P, Moody's, Fitch) schlechter benotet werden als BBB-.

Sollten Titel zum Stichtag 7. April diese Mindestanforderungen erfüllt haben, wollen die Währungshüter sie auch dann akzeptieren, wenn sie danach auf Ramsch herabgestuft wurden. Das Mindest-Rating soll dabei "BB" betragen. Die Notenbank erklärte zudem, sie werde nötigenfalls weitere Maßnahmen beschließen, um die Folgen von Ratingherabstufungen abzumildern.

Hilfen für Italien und Spanien

Die Notenbank will mit der nun beschlossenen Lockerung vermeiden, dass Wertpapiere, die wegen der Coronakrise nicht mehr als Sicherheit akzeptiert werden, massive Kursverluste erleiden. Denkbar ist dies etwa für Staatsanleihen angeschlagener Euroländer wie Italien oder Spanien. Sie laufen in der Krise Gefahr, ihr Investment-Grade-Rating zu verlieren. "Die EZB-Entscheidung macht eine mögliche Herabstufung für Italien oder Spanien weniger schmerzlich", sagte Marija Vertimane, Strategin beim Finanzdienstleister State Street Global Markets.

Für griechische Staatsanleihen hat die EZB bereits eine Ausnahmeregelung erlassen. Auch Unternehmensanleihen könnten von stärkeren Abstufungen betroffen sein. Die EZB folgt mit ihrem Schritt im Grunde der US-Notenbank Fed. Die Federal Reserve hat unlängst verkündet, Unternehmensanleihen, die einzig wegen der Corona-Pandemie auf Ramsch abgestuft werden, weiterhin erwerben zu wollen.

Rating-Tabelle

Rating-Tabelle. | Bildquelle: Börse Stuttgart

Spanische Anleihe stark überzeichnet

Probleme sich frisches Geld zu beschaffen, haben die europäischen Südländer bisher nicht. Im Gegenteil. Die Emission zehnjähriger spanischer Anleihen hat am gestrigen Mittwoch so viel Interesse auf sich gezogen wie noch nie. Das Land nahm bei der Auktion den Angaben zufolge 15 Milliarden Euro ein und bot Investoren eine Rendite von 1,306 Prozent. Die Zeichnungsaufträge hätten allerdings ausgereicht, um Titel im Volumen von 97 Milliarden Euro loszuschlagen, sagte ein Mitarbeiter einer der führenden Konsortialbanken. Noch niemals zuvor war eine einzelne Emission in der Eurozone so stark überzeichnet.

Am Dienstag hatte Italien fünf- und 30-jährige Bonds im Volumen von 16 Milliarden Euro verkauft, deren Emission fast zehnfach überzeichnet war. Richard McGuire, Chef-Zinsstratege der Rabobank, warnte allerdings, solch hohe Überzeichnungen überzubewerten. Einige Anleger zeichneten bewusst mehr Papiere, als sie eigentlich haben wollen. Damit verringerten sie das Risiko, bei den Auktionen zu wenig Bonds zugeteilt zu bekommen oder gar leer auszugehen. Schließlich müssten sie mit den Notenbanken konkurrieren, die zur Stützung der Konjunktur in großem Stil Schuldtitel aufkaufen.

Über eine Billion Euro von der EZB

Tatsächlich hat die EZB bereits vor Wochen ein gigantisches Anleihekaufprogramm im Volumen von 750 Milliarden Euro beschlossen. Insgesamt addieren sich die für 2020 anvisierten Wertpapierkäufe auf rund 1,1 Billionen Euro. Die Notenbank hatte zudem bereits einige Regeln für Sicherheiten gelockert, die Geldhäuser für den Erhalt von Notenbank-Krediten einreichen müssen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde tritt ebenso wie ihr Vorgänger Mario Draghi immer wieder für ein gemeinsames und geschlossenes Auftreten der EU-Länder bei der Bewältigung der Corona-Krise ein. Dazu gehöre auch und gerade jetzt eine solidarische Finanzpolitik.

lg