Italien Euro Krise

Nach dem EZB-Programm Droht Europa eine neue Schuldenkrise?

Stand: 19.03.2020, 09:54 Uhr

Die Kurse italienischer Staatsanleihen sind am Donnerstagmorgen kräftig gestiegen, die Renditen gefallen, nachdem die EZB ein Kaufprogramm angekündigt hat. Potentielle Investoren sollten jedoch vorsichtig sein.

Wie groß die Sorgen der Investoren vor einem Zusammenbruch des von der Corona-Krise besonders betroffenen Italien sind, zeigte in den letzten Tagen ein Blick auf den Anleihemarkt.

Dort sind die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen am gestrigen Mittwoch sprunghaft gestiegen, auf zeitweise 2,9 Prozent, nachdem sie noch vor einem Monat bei lediglich 0,9 Prozent gelegen hatten. Eine fatale Entwicklung, verteuern sich dadurch doch die Zinskosten für das ohnehin schon schuldengeplagte Euro-Land.

Hilfspakete gar nicht leisten

Sogar deutsche Staatsanleihen waren zuletzt unter Druck geraten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg im Gegenzug auf minus 0,245 Prozent. Dreißigjährige Anleihen rentierten erstmals seit Ende Februar wieder leicht im Plus. Zuletzt lag die Rendite bei 0,065 Prozent.

Auch die Renditen spanischer, griechischer und portugiesischer Staatsanleihen legten zu. Eine Bewegung, die an den Märkten böse Erinnerungen an die Eurokrise weckte. Denn die Investoren sind mehr und mehr davon überzeugt, dass sich die von Corona besonders betroffenen südeuropäischen Länder Italien und Spanien die versprochenen, gigantischen Hilfsleistungen zur Eindämmung des wirtschaftlichen Schadens der Pandemie gar nicht leisten können.

Schon warnte Ifo-Chef Clemens Fuest, den Staatsfinanzen im Euro-Raum drohe akute Gefahr. "Bei hochverschuldeten Ländern könnte es zu einem Kollaps des Vertrauens kommen."

"Könnte die Märkte stabilisieren"

Zu dieser Erkenntnis scheint auch die EZB gelangt zu sein. Sie will mit dem in der Nacht verkündeten Anleihekaufprogramm das Vertrauen der Investoren wieder herstellen. Das Paket hat einen Umfang von 750 Milliarden Euro und soll bis Ende 2020 laufen.

"Es könnte die Rentenmärkte stabilisieren, die einen großen Ausverkauf gesehen haben", sagte NordLB-Analyst Stefan Große. Vor allen den Anleihen der hoch verschuldeten Staaten werde das helfen, sagte Commerzbank-Chef-Ökonom Jörg Krämer.

"Allerdings würde man die EZB überfordern, wenn man erwartete, sie alleine könnte den Kursrutsch an den Aktienmärkten beenden. Dafür müsste sich wohl erst ein Abebben der Corona-Epidemie abzeichnen."

Renditen fallen wieder

Tatsächlich haben sich die Anleihemärkte am Morgen zunächst stabilisiert. Der Bund-Future ging auf Erholungskurs, im Gegenzug fielen die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen um dreizehn Basispunkte auf minus 0,36 Prozent. Auch die zuletzt stark unter Druck geratenen italienischen Bonds waren gefragt, die Rendite fiel um 89 Basispunkte auf ein Wochentief von 1,41 Prozent. In Spanien und Portugal ging die Verzinsung um jeweils rund 30 Basispunkte runter.

Zusammen mit bereits laufenden und schon geplanten Käufen von Staatsanleihen, Firmenanleihen und anderen Titeln steigt das Volumen aller Anleihenkäufe der EZB in diesem Jahr auf 1,1 Billionen Euro. "Wir sind entschlossen, das gesamte Potenzial unserer Werkzeuge zu nutzen, innerhalb unseres Mandats", versicherte Lagarde.

Auch griechische Anleihen aufgenommen

Zum ersten Mal werden die Währungshüter auch kurzfristige Unternehmensanleihen, sogenannte Commercial Papers, aufkaufen. Damit wollen sie unter anderem dafür sorgen, dass Firmen aufgrund der Krise nicht in Finanzierungsengpässe geraten.

Auch griechische Anleihen sind diesmal Teil des EZB-Programms. Bislang waren sie von den Anleihenkäufen aufgrund ihres schwachen Kreditratings ausgeschlossen. Notenbank-Experte Frederik Ducrozet vom Schweizer Bankhaus Pictet äußerte sich positiv. "Auf mehr konnten wir nicht hoffen." Dass nun auch Griechenland und Commercial Papers aufgenommen würden, sei das "Sahnetüpfelchen".

Die Lage bleibt prekär

Doch wer nun hofft, dass auf den Anleihemärkten wieder Ruhe einkehrt, dürfte sich täuschen. In Paris und anderen europäischen Hauptstädten wird bereits diskutiert, den Euro-Rettungsfonds ESM zu aktivieren.

Dadurch sollen von der Virus-Krise besonders betroffene Staaten gestützt werden. Es gehe um mehrere Kreditlinien, die bei Bedarf aktiviert werden könnten. Hintergrund ist auch hier der starke Renditeanstieg verschiedener Staatsanleihen, was die Zinskosten der Länder erhöht.

lg