Gefallener Engel vor Deutschlandflagge
Video

Worauf Anleger achten sollten Aufgepasst bei Unternehmens-Anleihen!

Stand: 08.03.2019, 15:37 Uhr

Die Rekord-Niedrigzinsen und die mit Liquidität gefluteten Märkte haben laut Experten zu einem Schuldenexzess bei den Unternehmen geführt. Experten befürchten im Fall steigender Zinsen und sich abkühlender Konjunktur eine Kreditklemme und Firmenpleiten.

Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge ist die Zahl der Anleihen emittierenden Firmen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das gilt vor allem für Schwellenländer, wo sie sich seit dem Jahr 2000 fast verzehnfacht hat – besonders aber für China. Das Volumen der jährlich auf den Markt gebrachten Papiere habe sich seit der Finanzkrise ungefähr verdoppelt auf bis zu 2.000 Milliarden Dollar.

Dabei bereitet den Experten Sorge, dass etwa die Hälfte der Unternehmensanleihen inzwischen mit einem BBB-Rating bewertet werden, also nur noch knapp über Ramschniveau. Selbst große Firmen wie Bayer haben in den letzten Jahren eine geringere Kreditwürdigkeit in Kauf genommen, um Anleihen im Milliardenwert auf den Markt bringen zu können.

Zahl der gefallenen Engel könnte zunehmen

Die Entwicklung birgt ein gewaltiges Risiko. Fällt nämlich die Bonität auf Ramschniveau, bricht schlagartig ein wichtiger Käuferkreis für die Papiere weg – und die Zinsbelastung für die Unternehmen steigt an.

Die Skyline von Frankfurt am Main

Die Skyline von Frankfurt am Main. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Für die zu Ramschware verkommenen ehemaligen Investmentgrade-Anleihen haben die Finanzprofis die Bezeichnung "gefallene Engel" geprägt. Und die Zahl der gefallenen Engel, warnen immer mehr Experten, könnte im Fall eines Abschwungs schlagartig zunehmen – mit fatalen Folgen für die globalen Anleihemärkte.

Vorsicht vor BBB-Bonds

"Nehmen Sie sich vor BBB-Bonds in Acht", warnte bereits im letzten Jahr der Anleihespezialist Pimco. So sei der Markt für Unternehmensanleihen in den USA in den vergangenen vier Jahren von vier Billionen Dollar auf 5,8 Billionen angeschwollen. "Dieses Wachstum ging mit einem stetigen Verfall der Kreditqualität einher“, betonen die Pimco-Analysten.

Trotzdem kaufen die Anleger fast alles, was auf den Markt kommt - vor allem in Europa. Schuld ist die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Sie zwingt viele Anleger auf der Suche nach Rendite auf den Markt für Unternehmensanleihen. Dabei werden die Risiken weitgehend ausgeblendet. Wie gewagt das ist und wie schnell der Schuss nach hinten losgehen kann, hat sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gezeigt.

Notenbanken beruhigen

Damals gerieten die Kurse vieler Unternehmensanleihen plötzlich unter Druck, weil die amerikanische Notenbank Schritt für Schritt ihre Zinsen erhöhte. Auch gerieten viele Anleihen wegen neuer Konjunkturängste und der Ungewissheit über den Handelskonflikt zwischen den USA und China unter Druck.

Die Turbulenzen waren so stark, dass die Notenbanken darauf reagieren und die Investoren beruhigen mussten. Inzwischen ist klar, dass die Fed ihren Leitzins deutlich langsamer anheben wird wie in der Vergangenheit. Und in Euroland bleibt er mindestens bis Ende des Jahres sogar unangetastet. Das lassen sich viele Anleger nicht zweimal sagen. Sie greifen trotz konjunktureller Eintrübung und zahlreicher Gewinnwarnungen vieler Firmen wieder kräftig zu.

Kurzfristig kein Ausverkauf erwartet, aber...

Einen Ausverkauf am Anleihemarkt erwarten Experten kurzfristig denn auch nicht: "Die Makroindikatoren haben sich abgeschwächt. Aber wir sind weit davon entfernt, eine Welle von ‚Fallen Angels‘ befürchten zu müssen", heißt es etwa bei der Commerzbank.

Anleger sollten aber in jedem Fall auf solide Bilanzen, hohe Gewinnmargen und solide Erträge achten, wollten sie in eine Unternehmensanleihe investieren. Außerdem seien kürzere und mittlere Laufzeiten längeren Laufzeiten vorzuziehen.

lg