Medallien für den

Rekordwert für Anfang September Unternehmensanleihen fluten die Märkte

Stand: 10.09.2019, 12:54 Uhr

Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen nutzten Konzerne in der vergangenen Woche die Situation, um Anleihen über 150 Milliarden Dollar auszugeben. Ein Rekordwert für die erste Septemberwoche.

Mit einem so plötzlichen Anstieg der Emissionen haben wohl die wenigsten Anleihen-Banker gerechnet, als die globalen Märkte nach der Sommerflaute mit Anleihen geflutet wurden.
Aufgrund niedriger Fremdkapitalkosten haben Unternehmen wie Berkshire Hathaway, der chinesische Gaskonzern Dalian Wanda Group und das italienische Erdgasunternehmen Snam in der vergangenen Woche Anleihen in Dollar, Euro und Yen zum Wert von mindestens 150 Milliarden Dollar ausgegeben. Das ist ein historischer Wert, denn noch nie zuvor wurden in der ersten Septemberwoche so viele Anleihen auf den Markt gepumpt.

Außergewöhnlicher Ansturm

Die Entwicklung auf den Finanzmärkten kam im August nur schleppend voran. Grund hierfür waren die Entwicklungen im Handelsstreit zwischen China und den USA, schlechtere Aussichten für die globale Wirtschaft und die angespannte politische Situation in Hongkong.

In der vergangenen Woche gab es eine Reihe an Entwicklungen, die diese Bedenken milderten. China und die USA einigten sich darauf, Anfang des kommenden Monats Verhandlungen wegen des anhaltenden Handelsstreits aufzunehmen, Wirtschaftsdaten aus den USA fielen nicht so ernüchternd aus wie erwartet und auch in Hongkong entspannte sich die Lage. Das Auslieferungsgesetz, welches für die Proteste gesorgt hatte, wurde zurückgezogen.

Hält der Trend an?

Ob und wie lange die Neuemissionsflut anhalten wird, ist schwer vorauszusagen. Die Gemütslage in Hongkong könnte schnell wieder kippen und auch die Entwicklung in Großbritannien und dem Brexit kann für eine Trendwende sorgen.

Ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor sind auch die Tweets von US-Präsident Donald Trump. Die vergangenen Wochen haben nochmals gezeigt, wie schnell auf den Finanzmärkten aufgrund seiner Kurzmeldungen Aufruhr ausbrechen kann. Die US-Bank JPMorgan hat eigens für Trumps Twitter-Aktivitäten einen Index ins Leben gerufen.

"Globale Pipeline zum Leben erwacht"

"Die globale Pipeline ist wieder zum Leben erwacht, und Emittenten mit Investment-Grade-Rating möchten von den niedrigen Renditen und den engen Spreads profitieren", sagte Mark Reade, Leiter des Fixed Income Research bei Mizuho Securities Asia in Hongkong. Asiatische Emittenten seien keine Ausnahme, denn die Bestätigung über weiterführende Gespräche zwischen China und den USA habe die regionale Stimmung zusätzlich beflügelt.

In Europa haben Unternehmen, die nicht aus der Finanzbranche kommen, zum ersten Mal seit März 2018 die Marke von mehr als 20 Milliarden Euro an Bondplatzierungen anvisiert. Vergangenen Donnerstag gehörten Continental und die britische BT Group zu den Emittenten. Auch der Dax-Star Wirecard konnte seinen ersten Bond platzieren.

Rekorde auch in Asien und den USA

Der vergangene Freitag war in Japan einer der geschäftigsten Tage überhaupt. In- und Ausländische Unternehmen verkauften Yen-Anleihen in Höhe von umgerechnet rund 14,4 Milliarden Euro.

Auch die Firma Berkshire Hathaway des US-Großinvestors Warren Buffett hat neue Anleihen in Höhe von 430 Milliarden Yen herausgegeben. Die Fremdkapitalkosten in Asien waren in die Nähe eines Drei-Jahres-Tiefs gefallen. Zu den Emittenten aus den USA zählten der Medienkonzern Walt Disney und der Technologiekonzern Apple.

Derzeit refinanzieren Unternehmen meist anstehende Verbindlichkeiten, anstatt neue Kapitalprojekte zu finanzieren.

ms/Bloomberg