Hand mit Einpeso-Münze vor argentinischer Flagge

Das wird teuer Anleger sollen für Argentinien bluten

Stand: 17.04.2020, 11:14 Uhr

Zum neunten Mal in seiner gut 200-jährigen Geschichte ist Argentinien pleite. "Zahlungsstörungen" haben bei dem südamerikanischen Land eine lange Tradition.

Grund ist dieses Mal die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. Daher schlägt die argentinische Regierung ihren privaten Gläubigern einen Schuldenschnitt vor.

Demnach sollen die Zinszahlungen in den Jahren 2020 bis 2022 komplett ausgesetzt werden, wie Finanzminister Martin Guzmán bekannt gab. Insgesamt soll der Zinssatz auf die Schulden auf 2,33 Prozent reduziert werden. Dadurch würde Argentinien knapp 40 Milliarden Dollar einsparen, was 62 Prozent der bisherigen Summe entspricht, die das Land eigentlich an Zinsen zahlen müsste. Zudem soll es einen Schuldenschnitt im Volumen von 3,6 Milliarden Dollar geben. Das entspricht 5,4 Prozent der Gesamtsumme. Insgesamt will Argentinien Kredite in Höhe von 68 Milliarden Dollar restrukturieren.

"Es ist klar, dass Argentinien im Moment gar nichts bezahlen kann", sagte Guzmán.

Pandemie verschärft Krise dramatisch

Argentinien befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise. Das Land leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht. Wegen der Corona-Pandemie verhängte die Regierung zuletzt zudem weitreichende Ausgangsbeschränkungen und legte die Wirtschaft für Wochen praktisch lahm. Der IWF rechnet für das laufende Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 5,7 Prozent und hatte die Schuldenlast des südamerikanischen Landes vor kurzem als untragbar bezeichnet. Und weiter: Es müsse einen "bedeutenden Beitrag der privaten Gläubiger" geben.

Nichts Neues für Argentinien

Bereits elf Jahre nach der Staatsgründung konnte Argentinien im Jahr 1827 seine ausgegebenen Anleihen nach einer Zinserhöhung der Bank of England nicht bedienen. Es folgten weitere sieben weitere Zahlungsausfälle, zuletzt im Jahr 2014.

Aber auch eine Reihe anderer Schwellenländer steht infolge der zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Krise vor schwerwiegenden Zahlungsproblemen. Argentinien wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der letzte Umschuldungsfall in diesem Jahr bleiben.

ME