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Anziehende Anleiherenditen in den USA Alarmsignal vom Anleihemarkt

von von Notker Blechner

Stand: 10.01.2018, 16:29 Uhr

Bisher ließ die Zinswende in den USA die Aktienanleger relativ kalt. Das hat sich am Mittwoch geändert. Der Renditeanstieg bei zehnjährigen US-Staatspapieren auf den höchsten Stand seit März 2017 sorgte für Nervosität am Aktienmarkt.

Droht der Neujahrsrally an den Aktienmärkten das Ende? Die Aussicht auf höhere Zinsen verunsichert die Anleger. Zeitweise fiel der Dax am Mittwoch um mehr als ein Prozent. Kein Wunder, denn steigende Zinsen wirken tendenziell belastend für Aktien, weil sie Anleihen als Anlageklasse attraktiver machen und weil sie die Finanzierung der Unternehmen verteuern und so die Gewinne schmälern.

Tatsächlich entwickeln sich US-Bonds zunehmend zur Alternative gegenüber Aktien. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte am Mittwoch auf ein Zehnmonats-Hoch von 2,59 Prozent. Im September hatten die Bonds noch bei knapp über 2,00 Prozent rentiert.

China will Käufe von US-Anleihen reduzieren

Öl ins Feuer goss die Meldung, dass China den USA den Geldhahn abdrehen will. Vertreter der chinesischen Führung hätten empfohlen, künftig die Käufe von US-Staatspapieren zu verringern oder gar ganz einzustellen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Es sei jedoch unklar, ob der Ratschlag angenommen worden sei. Das staatliche Devisenamt habe auf eine Anfrage per Fax zunächst nicht reagiert.

Dass schon ein Gerücht so heftige Reaktionen auslösen kann, liegt an der enormen Bedeutung, die China als Gläubiger der USA einnimmt. Mit seinen gigantischen Devisenreserven finanzieren die Chinesen zu einem erheblichen Teil das Leben der Amerikaner auf Pump. Chinesische Gläubiger halten aktuellen Zahlen des US-Finanzministeriums zufolge knapp 1,2 Billionen Dollar an amerikanischen Staatsanleihen und weiteren US-Papieren. Kein anderes Land der Welt bringt es auf mehr.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Ob China wegen der handelspolitischen Spannungen mit den USA einen Warnschuss in Richtung Weißes Haus abgeben will, ist nicht sicher. Laut Bloomberg sprechen auch wirtschaftlich rationale Argumente gegen US-Bonds. Derzeit könnten gleich zwei Faktoren für Druck auf den US-Anleihemarkt sorgen. Einerseits steuern die USA vor allem wegen Trumps Steuerreform auf eine deutliche Ausweitung der Staatsverschuldung zu. Dies würde das Angebot an US-Papieren erhöhen und dadurch tendenziell deren Wert senken. Zum anderen reduziert die US-Notenbank Fed seit dem Herbst Stück für Stück den gigantischen Berg an US-Anleihen, den sie zur Abschwächung der Krisenfolgen über Jahre angehäuft hatte. Dadurch sorgt sie ebenfalls für ein zusätzliches Angebot. Alles dies könnte die Zinsen auf US-Staatspapiere steigen lassen, was den Wert bestehender Papiere verringern würde.

Bärenmarkt für Anleihen?

Sollten sich die Chinesen nun tatsächlich aufgrund der Furcht vor einem Wertverfall von US-Anleihen abwenden, besteht die Gefahr einer sich selbst verwirklichenden Prophezeiung oder gar einer Abwärtsspirale. Auch weitere US-Gläubiger wären betroffen und könnten abspringen. Sollte China also tatsächlich ernst machen, könnte dies die US-Renditen deutlich nach oben treiben, warnt Craig Erlam, Experte beim Finanzdienstleister Oanda. "Einige rufen schon einen Bärenmarkt für Anleihen aus", schrieb Analyst Mike van Dulken vom Broker Accendo Markets.

Die Renditeentwicklung amerikanischer Staatsanleihen gibt ohnehin seit geraumer Zeit Rätsel auf. Während zuletzt die Renditen zweijähriger US-Bonds stark anzogen, verharrten die zehnjährigen Papiere auf ihrem Niveau. Der Renditeabstand zwischen den zehn- und zweijährigen Staatsanleihen fiel auf 0,5 Prozentpunkte und damit den niedrigsten Stand seit 2007. Eine solch flache Zinskurve könnte auf das nahende Ende des Wirtschaftsaufschwungs oder gar eine Rezession hindeuten. Darauf müsste die Fed mit Zinssenkungen reagieren. Doch danach sieht es momentan nicht aus.

Experten rechnen mit höheren Renditen bei US-Staatspapieren

Die meisten Anlagestrategen und Anleiheexperten rechnen damit, dass die US-Konjunktur weiter brummt und die Renditen in Amerika 2018 steigen. Die zehnjährigen Papiere dürften bis Jahresende auf 2,8 Prozent rentieren, prophezeien sie - allein schon weil die Fed mindestens zwei Mal an der Zinsschraube noch drehen wird.

Besitzern bisheriger Anleihen drohen Kursverluste. Wer sich vor den steigenden Anleiherenditen schützen will, kann auf Wandelanleihen setzen. Das sind Zwitter zwischen Anleihen und Aktien. Im Grunde handelt es sich Unternehmensanleihen, die zu einem vorab bestimmten Kurs in Aktien des Unternehmens getauscht werden können.

Wandelanleihen als Alternative zunehmend gefragt

In den letzten Monaten erlebten Wandelanleihen ein Comeback - zumindest auf Emittentenseite. Tesla, Twitter und auch viele deutsche Immobilienkonzerne brachten "Wandler" auf den Markt. "Derzeit ist ein guter Moment, um in Wandelanleihen zu investieren", sagt Marc-Alexander Knieß, der den Wandelanleihen-Fonds "Lupus Alpha Global Convertible Bonds" managt. Die zu erwartende höhere Volatilität an den Aktienmärkten "sollte die Wandelrechte in unseren Titeln im Wert zusätzlich heben". Lupus Alpha setzt derzeit zunehmend auf Wandelanleihen.

Noch ist die Anlageklasse eine Nische. Mit einem Volumen von 400 Milliarden Dollar machen Wandelanleihen gerade einmal rund ein Prozent Anteil am gesamten globalen Anleihenmarkt aus.