Börse auf Richtungssuche Zwischen Zins und Zahlen

Stand: 18.02.2018, 14:44 Uhr

Eigentlich hätte er Ausblick für die kommende Woche wohl ganz im Zeichen der zu erwartenden Zahlenflut gestanden. Aber nur eigentlich, denn die aktuelle Zinsdebatte ist unberechenbar.

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Spätestens mit dem großen Ausverkauf der Wall Street Anfang Februar dürfte klar sein, dass die Zinsdebatte, wie schon so oft in der Vergangenheit, auch weiterhin die Gemüter beherrschen wird. Eine Debatte, die wohlgemerkt nur in den USA stattfindet, wo die Notenbank Fed schon seit über zwei Jahren den Zinswechsel betreibt.

Und obwohl alle EZB-Vertreter immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen, dass in der Eurozone an Zinserhöhung sobald nicht zu denken sei, spielt der Markt phasenweise trotzdem verrückt. Abzulesen etwa am erstarkten Eurokurs, der in der abgelaufenen Woche doch tatsächlich von aufgekommener "Zinsfantasie" profitierte.

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Was nächste Woche wichtig wird... [16.2.18]

Dieses Zinsspiel dürfte immer mal wieder betrieben werden. Denn jede amerikanische Konjunkturzahl wird nun daraufhin abgeklopft, ob die Fed das Tempo ihrer Geldpolitik eventuell über das bisher schon angekündigte Maß hinaus verschärfen könnte. Die Unsicherheit ist groß. Waren bisher drei Zinserhöhungen am Markt erwartet worden, werden angesichts der boomenden Konjunktur und dem leergefegten Arbeitsmarkt nun schon vier Zinsschritte im laufenden Jahr diskutiert. Immerhin, zuletzt haben sich die Märkte wieder beruhigt.

"Nachdem die Aktienmärkte in den Vorwochen ein wenig durchgeschüttelt worden sind, trauten sich Anleger wieder Käufe zu", fasst Claudia Windt von der Helaba die Gemengelage zusammen. Die Analystin glaubt jedoch nicht an ein Ende der Kursverluste. Denn Auslöser seien Inflationssorgen und Tendenzen einer Überhitzung der Konjunktur in den USA gewesen. Diese realen Warnsignale würden jedoch "beiseite gewischt und sogar als Ausdruck einer starken Wirtschaft interpretiert".

Fünf Dax-Konzerne und viele zahlen aus der zweiten Reihe

In dieses unberechenbare Umfeld hinein kommt die europäische Berichtssaison in der kommenden Woche so richtig in Fahrt. Fünf Dax-Konzerne öffnen ihre Bücher (HeidelbergCement, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, ProSiebenSat.1 und Henkel), hinzu kommt die Hauptversammlung von Chiphersteller Infineon. Auch im europäischen Ausland legen zahlreiche Schwergewichte ihre Zahlen offen, unter anderem die britische Großbank HSBC, der Versicherer Axa oder Telekom-Konkurrent Telefonica aus Spanien.

Hinzu kommen sehr viele Berichte aus der zweiten Reihe, die sich bisher bemerkenswert gut geschlagen hat. In jedem Fall dürften sich Analysten über mangelnde Arbeit in der kommenden Woche nicht beschweren.

Alle Blicke auf die Fed

Unter den Wirtschaftsdaten dürften am Mittwoch die Sitzungsprotokolle der Fed von Ende Januar besondere Beachtung finden. Die auch "Minutes" genannten Protokolle aus dem Innenleben der Notenbank haben schon so manches mal die Börse bewegt.

Federal Reserve-Gebäude in Washington D. C.

FED Federal Reserve. | Quelle: picture-alliance/dpa

Sollten die Zeichen aber auf schneller steigenden Zinsen deuten, könnte es ungemütlich weerden, gerade auch am Anleihenmarkt. Denn Anleihen gewinnen mit höheren Renditen im Verhältnis zu Aktien an Attraktivität. Auch verteuert sich mit steigenden Marktzinsen die Finanzierung der Unternehmen, was wiederum auf deren Profitabilität drückt. Ziel der Notenbanken müsse es sein, "galant" aus der Politik niedriger Zinsen herauszukommen, ohne die Anleihemärkte "ins Chaos zu stürzen", schrieb Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Vor allem die Fed stehe vor der schwierigsten Aufgabe seit vielen Jahren.

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ifo. | Bildquelle: ifo, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Dies besonders, weil mitten hinein in eine Phase ohnehin steigender Zinsen die Trump-Regierung durch ihre Steuerreform die Verschuldung anheizt und dadurch den Druck auf die Fed erhöht, die Zinsschraube weiter anzuziehen. Dies, um Inflationsgefahren zu bekämpfen. Stratege Albert Edwards von der französischen Bank Societe Generale sieht Renditeniveaus für zehnjährige US-Staatsanleihen von 2,85 Prozent oder mehr als Startschuss für einen weiteren Ausverkauf an der Börse.

Hierzulande wird am Donnerstag der IfO-Geschäftsklimaindex für den Februar erwartet, der wichtigste deutsche Stimmungsindikator. Hinzu kommen unter anderem die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe, sowohl in Europa als auch in den USA. Januar-Verbraucherpreise für die gesamte EU stehen am Freitag dann noch auf der Agenda. Anders als in den USA zeigt sich die Konjunktur auf dem alten Kontinent nach wie vor schwach - und bietet der EZB damit die perfekte Argumentation, die Zinsen weiter niedrig zu halten. Am Montag sind die US-Märkte dann noch wegen eines Feiertages geschlossen, ebenso wie in China, Hong Kong und Korea.

rm