Hingucker der Woche

Eine Woche, die es in sich hat Zwischen Zahlenflut und China-Hoffnungen

von von Robert Minde

Stand: 04.11.2018, 14:41 Uhr

Die Bilanzsaison nimmt bei uns weiter Fahrt auf, gleichzeitig behalten die Märkte den US-Handelsstreit mit China genau im Auge. Dann gibt es noch eine Zinssitzung der Fed und in Amerika wird der Kongress gewählt. Viel mehr geht eigentlich nicht.

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt den Investoren in der kommenden Woche angesichts dieser Agenda nicht. Schon am Dienstag sind die amerikanischen Wähler dazu aufgerufen, große Teile des Kongresses neu zu wählen. Für die Börse natürlich ein wichtiges Datum, denn noch nie zuvor hat ein US-Präsident so massiv Protektionismus betrieben wie Trump.

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Was nächste Woche wichtig wird... [2.11.18]

Überhaupt, an Trump scheiden sich die Geister, nicht nur an der Börse. Was wird der Ausgang der Wahlen bringen? Derzeit sieht es so aus, als könnten die Republikaner zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren. "Atmosphärisch würden die Märkte dies begrüßen", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Denn Trump ist ein Unsicherheitsfaktor." Wie aber würde ein politisch in die Enge getriebener Trump auskeilen? Eine Blaupause dafür gibt es jedenfalls nicht, so dass alles auch noch schlimmer kommen könnte.

China-Deal und kein Ende

Für die Märkte jedenfalls ist entscheidend, wie es im Handelskonflikt mit China weitergeht. Zuletzt hat es widersprüchliche Signale gegeben.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Während Trump, ganz Politiker mit Zuckerbrot und Peitsche, einen Deal mit China offensichtlich wieder für möglich hält, ruderte seine Wirtschaftsberater Larry Kudlow am Freitag zurück. China jedenfalls will auf Augenhöhe mit den Amerikanern verhandeln, hieß es aus Peking. Zur Erinnerung: Trump hat bereits Waren aus China im Volumen von 250 Milliarden Dollar mit Zöllen belegt, umgekehrt die Volksrepublik amerikanische Einfuhren im Volumen von 110 Milliarden Dollar.

"Sollte es zu einem Abkommen zwischen beiden Ländern kommen, wäre dies eine enorme Erleichterung für die Aktienmärkte", unterstrich Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Die Börsenampel würde dann klar auf Grün springen, und der Markt wäre für eine Weihnachtsrally bereit."

Zahlenflut voraus

Abseits der Politik, sofern überhaupt möglich, wird natürlich genau darauf geschaut werden, wie die bisher eher holprig verlaufene heimische Berichtssaison weitergeht. Zahlreiche Dax-Schwergewichte, unter anderem Siemens, Allianz und die Deutsche Telekom, öffnen ihre Bücher. Hinzu kommt eine wahre Zahlenflut aus der zweiten Reihe.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.423,86
Differenz relativ
+0,68%

Für den Dax hat sich die Lage mit dem Sprung über die Marke von 11.500 Punkten zuletzt eindeutig verbessert. Die vielen Zahlen müssen jetzt zeigen, ob der Optimismus der Anleger Bestand hat.

Zuletzt hat sich nämlich gezeigt, dass der Handelskonflikt zwischen Amerika und China auch an den heimischen Unternehmen nicht spurlos vorübergegangen ist. Es herrscht vor allem Unsicherheit, gerade was den wahlkämpfenden amerikanischen Präsidenten anbetrifft. "Sind die Wahlen erst einmal vorbei, fällt ein weiteres Stück Unsicherheit von den Börsen ab", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners voraus. Zumal auch die Saisonalität für eine freundliche Börse spricht, gerade nach den Kongresswahlen in den USA.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,01
Differenz relativ
+0,12%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,68
Differenz relativ
+0,84%
Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
197,36
Differenz relativ
+0,59%

Bei der zu erwartenden Zahlenflut erwarten die Anleger mit Spannung auch die Quartalsbericht der großen italienischen Banken. Womit man dann sofort wieder bei der Politik ist. Dieses Mal die europäische in Gestalt der italienischen Haushaltskrise sowie des Geschachers um den Brexit. Bereiche, die gerade auch für den Devisenmarkt von besonderer Wichtigkeit sind. Zuletzt hat sich der Euro auf niedrigem Niveau zumindest etwas stabilisiert.

Apropos Brexit: Sollte beim Brexit doch noch Bewegung in die verfahrenen Verhandlungen zwischen London und Brüssel kommen, würden die Märkte dies sicherlich begrüßen. Am Wochenende gab es Presseberichte, nach denen die britische Premierministerin May zumindest eine Teilerfolg erzielt habe, was die irisch-nordirische Grenze anbetrifft.

Am Montag beginnt dann noch das Ölembargo der USA gegen den Iran. Zuletzt ist der Ölpreis deutlich zurück gekommen, wie sich das Embargo wirklich auswirkt, muss sich aber noch zeigen.

Fed dürfte auf Kurs bleiben

Wem das alle noch nicht genug ist, der sei auf die Zinssitzung der US-Notenbank verwiesen, deren Ergebnisse am Donnerstag ab 20:00 bekannt gegeben werden. Zwar wird nächste Woche nicht mit einem Zinsschritt gerechnet, dafür aber wohl im Dezember.

Jerome Powell

Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

Denn Amerikas Wirtschaft boomt, der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Da will die Fed unter ihrem Chef Jerome Powell eine Überhitzung der Wirtschaft vermeiden, auch wenn dies Präsident Trump nicht gefällt.

Konjunkturseitig ist der Kalender dafür nicht so stark gefüllt. In Deutschland werden am Dienstag Auftragseingänge für die Industrie erwartet, am Mittwoch kommen Daten zur Industrieproduktion. Aus China wird die Handelsbilanz für den Oktober ebenfalls am Donnerstag vorgelegt. Ein ausuferndes Defizit könnte Wasser auf die Mühlen Donald Trump sein, wenn er sich zum Monatsende beim G20-Treffen mit Chinas starkem Mann Xi Jinping trifft.

Übrigens gilt ab heute auch in den USA wieder die Winterzeit, so dass die New Yorker Börse wie gewohnt wieder ab 15:30 Uhr MEZ den Handel beginnt bis 22:00 Uhr.

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