Wochenausblick

Nach dem Angriff gegen Syrien Zwischen Raketen und Bilanzen

von Robert Minde

Stand: 15.04.2018, 12:55 Uhr

Eigentlich sollte die Börse in der kommenden Woche in die USA blicken, wo zahlreiche Schwergewichte ihre Bilanzen für das erste Quartal präsentieren. Eigentlich, denn die jüngste geopolitische Eskalation im Nahen Osten dürfte schwer wiegen und die Anleger zur Vorsicht mahnen.

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Was nächste Woche wichtig wird... [13.4.18]

Ob die Börse da wohl schnell zur Tagesordnung übergeht? Nach den Raketenangriffen der westlichen Verbündeten auf Syrien vom Wochenende dürfen Zweifel angemeldet werden. Nach dem drohenden Handelskrieg mit China nun also noch ein handfester militärischer Konflikt im ohnehin krisengeplagten Pulverfass Naher Osten.

Grinsender Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Dabei droht sogar ein Aufeinandertreffen der beiden militärischen Großmächte Russland und USA - eine Folge des jahrelangen Stellvertreterkrieges in Syrien. Ein Umfeld, wie es bedrohlicher kaum sein könnte. In der vergangenen Woche wurden bereits Vergleiche zur Kuba-Krise 1962 gezogen, als die Welt die Luft anhielt.

Wie wird sich insbesondere der unberechenbare US-Präsident Donald Trump weiter verhalten, nachdem er in der jüngsten Zeit die Märkte fast schon im Stundentakt bewegt hat? Ein Blick auf das als Krisenwährung geltende Gold, den Dollar oder das Öl gewinnt von daher besondere Bedeutung. Flüchten sich die Anleger in diese sicheren Häfen?

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.208,96
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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78,69
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Berichtssaison nimmt in den USA Fahrt auf

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
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12.326,48
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Vielleicht kommt aber alles nicht ganz so schlimm wie befürchtet. "Die Investoren haben die Hoffnung, dass die Berichtssaison die Aufmerksamkeit ein wenig auf die fundamentalen Marktdaten zurückverlagern kann", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Immerhin hat der Dax zuletzt drei Wochen hintereinander im Wochenvergleich zugelegt, das gab es in diesem Jahr bisher noch nicht.

Der Börse steht über das Damoklesschwert der Politik hinaus jedenfalls eine bewegte Woche bevor, vor allem in den USA. Während die Zahlenausweise zum vergangenen Quartal hierzulande nur vereinzelt sind, geht es an der Wall Street schon richtig zur Sache in der kommenden Woche.

Gleich am Montag setzt die Großbank Bank of America den Berichtsreigen der Banken vom Freitag fort, hinzu kommt der Videostreaming-Dienst Netflix. Am Dienstag folgen mit dem Gesundheitsdienstleister United Health, dem Pharmakonzern Johnson & Johnson, der Investmentbank Goldman Sachs und dem Technologie-Dino IBM gleich vier Schwergewichte aus dem Dow Jones-Leitindex mit ihren Zahlen zum ersten Quartal. Auch die führende US-Fluglinie United Continental präsentiert am Dienstag nach Börsenschluss in New York ihr Quartalsergebnis.

Am Mittwoch folgen dann die Finanzunternehmen Morgan Stanley, US Bancorp und American Express sowie der Aluminiumhersteller Alcoa. Und zum Wochenschluss gibt es noch zwei Schwergewichte mit dem Konsumgüterriesen Procter & Gamble sowie dem Siemens-Erzrivalen General Electric, beide aus dem Dow Jones.

Kaum Termine in Deutschland

Hierzulande sind die Unternehmenstermine noch übersichtlich. Interesse dürfte die Hauptversammlung des mittlerweile im SDax enthaltenen Möbelriesen Steinhoff auf sich ziehen. Dessen Aktie ist nur noch ein Penny Stock, der Druck auf die Unternehmensführung daher extrem hoch. Kriegt das deutsch-südafrikanische Unternehmen noch die Kurve?

Steinhoff: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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0,15
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-6,69%

Vereinzelt gibt es weitere Hauptversammlungen wie etwa bei Gea, Axel Springer oder Siltronic. Aus der Schweiz legen Novartis und ABB am Donnerstag ihre Quartalszahlen vor und auch die beiden Rohstoffgrößen Rio Tinto (am Mittwoch) und BHP Billiton (am Donnerstag) geben Einblicke in ihre Bücher.

Konjunkturdaten: China und ZEW im Blick

Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Handelskonflikts mit den USA werden die chinesischen BIP-Daten für das erste Quartal am frühen Dienstagmorgen von Bedeutung sein. Gibt es schon Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt? In Deutschland stehen am gleichen Tag ZEW-Konjunkturerwartungen für April auf der Agenda.

Aus den USA werden gleich am Montag die wichtigen Einzelhandelsumsätze erwartet (ab 14:30 MEZ). Die Ökonomen der Commerzbank erwarten, dass die Umsätze nach zuletzt einigen schwächeren Monaten wieder zugelegt haben. Erwartet werden auch noch Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (am Dienstag) und am Mittwoch ab 20:00 Uhr MEZ das Beige Book, der Konjunkturbericht der Notenbank Federal Reserve.

Darüber hinaus beginnt am Freitag die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. IWF-Chefin Lagarde wird sich in einer Pressekonferenz schon am Donnerstag äußern. Das Treffen geht bis zum 22. April. Dabei treffen sich auch die Finanzminister und Zentralbankchefs der G-20-Staaten.