Wochenausblick

Autoindustrie im Fokus Zwischen drohenden Strafzöllen und Hoffnungen

von Robert Minde

Stand: 17.02.2019, 14:34 Uhr

Politische Unwägbarkeiten bleiben auch in der kommenden Woche auf der Tagesordnung der Börse ganz oben. Kommen bald neue Strafzölle für deutsche Importautos in die USA?

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Sitzung des Bundesvorstands der CDU nach der Hessenwahl 2018

Bundeskanzlerin Angela Merkel. | Bildquelle: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Es wäre ein milliardenschweres Horrorszenario für die deutsche Schlüsselindustrie. Die Anzeichen für genau dieses Szenario aber haben sich am Wochenende verdichtet und dürften die autolastige heimische Börse stark beschäftigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat scharfe Kritik an den Plänen der USA geübt, Importautos als Bedrohung für die nationale Sicherheit einzustufen und mit Strafzöllen zu belegen.

Sie verwies auf Produktionsstandorte deutscher Unternehmen in den USA, wie etwa das BMW-Werk in South-Carolina. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz am Wochenende sagte sie unter anderem:

»Wenn diese Autos, die in South Carolina gebaut werden, plötzlich eine Bedrohung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten sind, dann erschreckt uns das.«

Zollstreit bleibt Thema Nummer eins

Aber nicht nur der aufziehende drohende Konflikt mit Europa, auch das Dauerthema der Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China bleibt das alles beherrschende Thema. Hier hoffen die Anleger nach den jüngsten Gesprächen beider Länder auf eine Einigung.

Was dann postwendend die Börsen antreibt, wie am Freitag gesehen. Der New Yorker Leitindex Dow Jones legte kräftig zu um 1,74 Prozent auf 25.883 Punkte. Es bleibt das stärkste Argument der Bullen, die nach zuletzt vielen Gewinnwarnungen der Unternehmen wieder etwas Auftrieb bekommen haben. Der Dax steht dabei vor den technischen Widerständen bei 11.300 und 11.500 Punkten.

"Hoffnungsvolle Kommentare hinsichtlich einer baldigen Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sind ein Stimmungstreiber", sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Nun müssen Greil zufolge aber auch Fakten folgen, sonst könnte es mit dem Aufwärtstrend an den Aktienmärkten schnell vorbei sein.

Berichtssaison geht weiter....

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Zu den weiterhin unberechenbaren politischen Implikationen gehört auch das anhaltende Brexit-Desaster der britischen Regierung. Sechs Wochen vor dem eigentlichen Brexit-Termin sei das Land von einer Lösung noch weit entfernt, sagt Volkswirt Peter Dixon von der Commerzbank. Derweil geht die europäische Berichtssaison in eine neue Runde.

Mit den beiden Fresenius-Aktien am Mittwoch und dem Bauwert Heidelbergcement am Dienstag legt auch die Deutsche Telekom aus dem Dax am Donnerstag ihr Jahresergebnis vor. Spannung ist garantiert, denn im Telekomsektor werden mit den anstehenden Lizenzversteigerungen für den neuen 5G-Standard hierzulande die Karten neu gemischt.

Hinzu kommen viele neue Zahlen aus der zweiten Reihe sowie aus dem europäischen Ausland so manches Schwergewicht. Unter anderem die Großbank HSBC aus Großbritannien, die europäische Nummer zwei im Versicherungssektor, Axa, oder Telekomschwergewicht Telefonica aus Spanien legen Jahreszahlen vor. Aus den USA, wo die Saison abflaut, wird am Dienstag noch das Zahlenwerk des Einzelhändlers Walmart aus dem Leitindex Dow Jones erwartet.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Dienstag entscheidet dann noch das Oberlandesgericht Braunschweig über Kundenklagen gegen VW im Zusammenhang mit dem Abgasskandal. Der Aufsichtsrat des Wolfsburger Autobauers tagt am Freitag, um unter anderem über das Jahresergebnis 2018 zu diskutieren.

...und viele Konjunkturdaten noch dazu

ifo

ifo. | Bildquelle: ifo, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Aus Deutschland blicken die Investoren sowohl auf den Bericht des ZEW-Instituts zu den deutschen Konjunkturerwartungen am Dienstag, als auch auf den Ifo-Geschäftsklimaindex für den Februar am Freitag. Hinzu kommen Verbraucherpreise und PMI-Daten für das Verarbeitende Gewerbe, letztere sowohl für Deutschland als auch die EU (am Donnerstag).

Aus den USA wird am Mittwoch nach Börsenschluss das Sitzungsprotokoll der letzten Sitzung des FOMC-Zinsausschusses der Notenbank erwartet. Die im Fachjargon "Minutes" genannten Ausführungen haben schon öfters für viel Bewegung am Markt gesorgt. Die Investoren erhoffen sich insbesondere Aufschluss über das Zinstempo der Fed im aktuellen Zinszyklus. Zuletzt hatten die Währungshüter eine langsamere Gangart in Aussicht gestellt.

Des weiteren stehen nach der ruhigen Vorwoche in den USA eine Fülle neuer Konjunkturdaten auf der Agenda. Vor allem am Donnerstag, dann werden PMI-Daten für das Verarbeitenden Gewerbe und Dienste erwartet, Frühindikatoren und Daten vom Arbeitsmarkt.