RWE-Braunkohleabbau in Garzweiler

Entschädigung für den Kohleausstieg 2,6 Milliarden Euro für RWE

Stand: 16.01.2020, 14:19 Uhr

Und noch eine gute Nachricht für die Aktionäre des Stromproduzenten RWE. Für den Kohleausstieg zahlt die Bundesregierung dem Versorger laut informierten Kreisen wohl rund 2,6 Milliarden Euro, 600 Millionen mehr als gedacht.

Bundesregierung und Länder hatten sich in der Nacht zum Donnerstag auf einen Zeitplan für die Abschaltung der Braunkohle-Kraftwerke in Deutschland verständigt. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, Betreiber westdeutscher Kraftwerke erhielten 2,6 Milliarden Euro, der Betreiber von Anlagen im Osten. der tschechische Versorger EPH, 1,75 Milliarden.

Anja Kohl
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Abschied von der Kohle

Die Zahlung beginne bei Abschaltung der Braunkohle-Kraftwerke und laufe bis zum endgültigen Ausstieg. In der vergangenen Woche hatte es noch geheißen, RWE könne für das Aus von Anlagen mit rund 2,5 Gigawatt Leistung bis Ende 2022 mit rund zwei Milliarden Euro rechnen.

RWE: Tausende Stellen fallen weg

Die im Dax notierte RWE-Aktie legt am Vormittag um 1,7 Prozent zu und klettert bis nahe an die psychologisch wichtige Schwelle von 30 Euro heran. Damit notiert das Papier knapp 50 Prozent höher als noch vor einem Jahr.

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung führt allerdings auch zu einem beschleunigten Stellenabbau. RWE geht davon aus, dass bereits kurzfristig über 3.000 Jobs wegfallen werden. Bis 2030 würden es insgesamt etwa 6.000 sein.

Vorausgegangen war ein Spitzentreffen von Bundesregierung und den vier Kohleländern, das bis zum frühen Morgen dauerte. Die Bundesregierung und die vier Kohleländer hatten einen Durchbruch erzielt. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, acht "sehr alte und dreckige" Kraftwerksblöcke sollten nun schnell vom Netz, der erste schon Ende des Jahres.

Ende der Kohleverstromung in Sicht

Zu dem Gesamtpaket zählt, dass das neue und umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen des Betreibers Uniper ans Netz gehen soll. Die Politik werde die Inbetriebnahme nicht verhindern, sagte Altmaier. Dies habe auch mit der komplexen Systematik von Entschädigungsleistungen zu tun.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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B5 Börse 15.14 Uhr: RWE zu Kohleeinigung mit Bundesregierung

Vor allem Umweltverbände hatten die Inbetriebnahme eines neuen Steinkohlekraftwerks bereits scharf kritisiert, weil es angesichts der Klimakrise ein völlig falsches Signal setze. Das Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt soll bis 2034 laufen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte befürchtet, dass Schkopau zugunsten von Datteln früher vom Netz muss, im Gespräch war das Jahr 2026.

Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg soll bis Ende 2028 vom Netz gehen. Deutschland will bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle aussteigen.

lg/dpa