Logos von Bombardier und Alstom

Gemeinsam gegen die China-Konkurrenz Zugfusion zwischen Alstom und Bombardier?

Stand: 22.01.2020, 11:00 Uhr

Nach dem gescheiterten Zusammenschluss zwischen Alstom und der Bahntechnik von Siemens gibt es einen neuen Anlauf zur Konsolidierung der Branche: Der Bombardier-Konzern will seine defizitäre Zugsparte mit der von Alstom zusammenlegen.

Beide Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten entsprechende Vorgespräche geführt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Gespräche hätten bereits vor der jüngsten Gewinnwarnung von Bombardier begonnen, hieß es weiter.

Aktien von Alstom auf Zehn-Jahres-Hoch

Die Anleger begrüßten den möglichen Zug-Deal. Die zuletzt gebeutelten Bombardier-Aktien kletterten am Dienstag in Toronto um 4,5 Prozent nach oben. Alstom-Papiere steigen am Mittwochvormittag um zwei Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch.

Die drei großen westlichen Zughersteller versuchen die Konsolidierung der Branche voranzutreiben, weil sie die neue Konkurrenz des chinesischen Staatskonzerns CRRC fürchten, der womöglich bald auf den europäischen Markt drängt. Bombardier hatte bereits 2017 mit Siemens über einen Zusammenschluss der Eisenbahn-Sparten verhandelt, bevor der Münchner Technologiekonzern sich für Alstom als Partner entschied.

Legt sich Brüssel erneut quer?

Die deutsch-französische Bahnfusion scheiterte aber am Veto der EU-Wettbewerbshüter vor knapp einem Jahr. Auch eine Allianz von Bombardier und Alstom dürfte in Brüssel auf Widerstand stoßen.

Bombardier befindet sich derzeit in der Krise. Die Kanadier hatten in der vorigen Woche den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung schockiert. Das Unternehmen aus Montréal hatte seine Anleger in der vergangenen Woche aufgeschreckt: Bombardier dampfte seine Gewinnprognose um fast die Hälfte auf 400 Millionen Dollar vor Zinsen und Steuern ein. Ein Grund dafür waren Projekte in der Zugsparte, bei denen die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind. Die Aktie brach ein.

Bombardier hat massive Zugprobleme

Für Negativ-Schlagzeilen sorgten Problemen bei den Wagenkästen für die neuen ICE4-Züge der Bahn, die Bombardier an Siemens liefert. Im vierten Quartal fielen deshalb wegen höherer Produktionskosten für Projekte in Deutschland und auch für ein Zugvorhaben in London zusätzliche Belastungen von 350 Millionen Dollar an.

Zudem erwägt Bombardier einen Ausstieg aus der Gemeinschaftsfirma, die für das kleinste Airbus-Flugzeug, den Airbus A220, verantwortlich zeichnet. Voraussichtlich müsse Bombardier wegen des langsameren und teureren Hochlaufs des Projekts auch Abschreibungen bilden.

nb