Coca Cola Zero

Weniger Zucker, mehr Gewinn Die Limo ist tot - lang lebe Coca-Cola

von Notker Blechner

Stand: 25.07.2018, 15:31 Uhr

Ist das braune Brausegetränk schuld an Diabetes und Fettleibigkeit? Verbraucherschützer werfen Coca-Cola vor, flüssige Krankmacher zu verkaufen. Der US-Multi wehrt sich gegen die Anschuldigungen - und macht mit kalorienärmeren Getränken gute Geschäfte.

Die zuckerlose Brause Coke Zero Sugar wird immer beliebter. Im zweiten Quartal entwickelte sich die mit Süßstoff angereicherte Cola-Variante zum Absatztreiber des US-Getränkeriesen. Auch kalorienärmere Diät-Colas und Sprudelwasser verkauften sich gut. Die in mehreren Ländern eingeführte Zuckersteuer scheint das Geschäft des Brause-Konzerns (noch) nicht zu beeinträchtigen.

Zuckersteuer schon in 30 Ländern

Seit April gibt es in Großbritannien eine Strafsteuer auf Getränke mit zugesetztem Zucker. Ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter fällt eine Sonderabgabe von 18 Pence an, bei mehr als acht Gramm Zucker 24 Pence. Neben Großbritannien erheben 29 andere Länder eine Steuer auf zuckrige Getränke. Zu ihnen gehören Frankreich, Mexiko, Norwegen, mehrere pazifische Inseln und einzelne amerikanische Städte wie Berkeley. Laut Gesundheitsexperten haben sich die Abgaben bewährt: In Mexiko sank der Absatz von süßen Softdrinks zwei Jahre nach Einführung der Steuer um fast acht Prozent. Und in der US-Stadt Berkeley schnellte der Wasserabsatz um über 60 Prozent nach oben.

Auch in Deutschland gibt es eine Diskussion um eine Zuckersteuer. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) lehnt eine solche Abgabe ab. Sie will stattdessen eine Gesamtstrategie zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz erarbeiten.

Foodwatch attackiert Coca-Cola

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Plusminus: Zucker in Limonaden

Seit Monaten tobt ein Zuckerstreit. Verbraucherschützer wie Foodwatch stellen Coca-Cola an den Pranger. Sie halten den Brause-Riesen für mitverantwortlich für die Ausbreitung von Fettleibigkeit und Diabetes. Mit millionenschweren Marketing-Kampagnen ködere das Unternehmen Kinder und Jugendliche. Laut Foodwatch sind 60 Prozent der Erfrischungsgetränke in Deutschland überzuckert - das heißt sie enthalten mehr als vier Stücke Würfelzucker pro Viertelliter-Glas.

Coca-Cola weist die Kritik zurück. Übergewicht sei ein komplexes Problem und könne nicht "wegbesteuert" werden. Der Konzern will schrittweise mit neuen Rezepten weniger Zucker für seine Limonaden verwenden. Bis 2020 soll der Zuckergehalt der in Europa angebotenen Getränke um zehn Prozent gesenkt werden. Kritikern ist das zu wenig.

Momentan enthalten 65 Prozent der in Deutschland von Cola-Cola verkauften Getränke Zucker. 19 Prozent der Softdrinks sind zuckerfrei, 11 Prozent sind Wasser.

Hersteller und Supermärkte reduzieren Zuckeranteil

Auch andere Lebensmittelhersteller haben angekündigt, den Zuckeranteil ihrer Produkte zu reduzieren. Mehrere Supermärkte wie Lidl, Edeka und Spar Österreich haben angekündigt, Zucker und Salz in ihren Eigenmarktprodukten zu senken. Rewe hat über einen Geschmackstest seiner Kunden einen Schokopudding mit 30 Prozent weniger Zucker ins Regal gebracht.

Gesundheitsexperten begrüßen die Zucker-Einsparungen. Dass Konzerne wie Coca-Cola die fehlende Süße durch Süßstoffe ersetzen, halten sie aber für die falsche Lösung. Konsumenten würden in die Light-Falle tappen. Sie würden mehr Softdrinks trinken als zuvor, weil sie wüssten, dass weniger Kalorien in den Getränken steckten. Zudem könnte die künstliche Süße den Appetit auf Süßigkeit anregen - wie eine Art "Zuckersucht". Die Diskussion um süße Softdrinks ist also noch lange nicht beendet.

70 Prozent mehr Gewinn

Die Zucker-Debatte scheint an Coca-Cola momentan noch relativ spurlos vorbeizugehen. Unterm Strich konnte das Unternehmen den Gewinn um knapp 70 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar steigern. Dazu trugen allerdings auch Kosteneinsparungen bei. So trennt sich der Brause-Konzern von Abfüllbetrieben und gibt sie an andere Unternehmen ab.

Ohne den Verkauf der Abfüllbetriebe stieg der Umsatz weltweit um fünf Prozent. In den USA und in Europa lag das Wachstum sogar bei sieben Prozent.

Allenfalls der Aktienkurs wurde ausgebremst: Seit Jahresbeginn tritt die Aktie von Coca-Cola auf der Stelle.

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