Zoom, Videokonferenz

Bis zu 300 Millionen Nutzer täglich Zoom liegt schwer im Trend

Stand: 03.06.2020, 08:51 Uhr

Zu den Gewinnern des verstärkten Einsatzes von Homeoffice in den letzten Wochen gehört eindeutig der Videokonferenzanbieter Zoom. Das zeigt der explosionsartige Anstieg der Nutzerzahlen - und der Aktie.

So hat sich der Aktienkurs seit Jahresbeginn beinahe verdreifacht auf zuletzt 208 Dollar. Damit wird das Unternehmen mit fast 26 Milliarden Dollar bewertet, mehr als so mancher Dax-Konzern. Befeuert wurde der Kursanstieg vom explosionsartigen Wachstum der Nutzerzahlen in den letzten Monaten.

Während der Corona-Krise stieg nicht nur der Einsatz im Homeoffice, sondern auch die Nutzung durch Privatleute und Schulen. Im April gab es bis zu 300 Millionen Teilnehmer an Videokonferenzen täglich - im Vergleich zu zehn Millionen noch im Dezember. Im Mai ging die Zahl wieder etwas zurück, räumte Finanzchefin Kelly Steckelberg ein. Zoom rechnet aber damit, dass das Wachstum weitergeht, wenngleich langsamer als in den letzten Wochen.

Umsatz verdreifacht

Als sich vor drei Monaten der Rückenwind für Zoom abzeichnete, hatte die Finanzchefin noch gewarnt, es sei unklar, ob die Firma von dem Zustrom der neuen Nutzer auch dauerhaft finanziell profitieren werde. Schließlich bringt die sprunghaft gestiegene Nutzung auch höhere Kosten für die Infrastruktur mit sich. Und Zoom hatte in der Krise viele Einschränkungen der Gratis-Version aufgehoben.

Im Ende April abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal verdreifachte sich der Umsatz im Jahresvergleich von 122 auf 328 Millionen Dollar, wie die Firma gestern nach US-Börsenschluss mitteilte. Unterm Strich blieben rund 27 Millionen Dollar Gewinn übrig - nach nur rund 200.000 Dollar ein Jahr zuvor.

Viermal mehr Firmenkunden

Vorstandschef und Gründer Eric Yuan betonte, dass mit dem Anstieg der Nutzung durch Privatkunden auch das Kerngeschäft mit Unternehmen gewachsen sei. Zoom hat jetzt über 265.000 Firmenkunden mit mehr als zehn Mitarbeitern - viermal mehr als vor einem Jahr. Und 769 von ihnen - doppelt so viele wie ein Jahr zuvor - geben mehr als 100.000 Dollar pro Jahr für Zooms Dienste aus. Der Jahresumsatz dürfte deshalb auf 1,8 Milliarden Dollar steigen - rund drei Mal mehr als im vergangenen Geschäftsjahr.

Nun gilt es, den Boom der letzten Monate zu nutzen, um dauerhaft im Geschäft zu bleiben. Weil Videokonferenzen und gewöhnliche Telefonie mit ein und demselben Produkt abgedeckt werden können, will Zoom den Unternehmen anbieten, auch ihre Telefon-Anlagen zu übernehmen.

Firmenchef verspricht mehr Sicherheit

Große Hoffnung bereitet Zoom auch die vermehrte Nutzung durch Privatkunden. "Videokonferenzen werden zu einem Verbrauchergeschäft", betonte Yuan. Er sieht hier Chancen, mit den Videochat-Angeboten der großen Tech-Konzerne Apple, Google, Facebook oder Microsoft mithalten zu können.

Allerdings sorgten zuletzt auch gravierende Sicherheitslücken für Negativschlagzeilen. Zahlende Kunden sollen deshalb künftig auf eine Komplett-Verschlüsselung zurückgreifen können. Und bei der Wahl zwischen mehr Sicherheit oder mehr Bequemlichkeit werde die Sicherheit Vorrang bekommen, versprach Yuan. Zoom habe die Konsequenzen der breiteren Nutzung durch Verbraucher außerhalb gesicherter Unternehmens-Infrastruktur in der Corona-Krise zunächst nicht voll durchdacht, räumte er ein.

lg/dpa