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Bundesanleihen und Schweizer Franken heiß begehrt Zollkrieg sorgt für Flucht in sichere Häfen

Stand: 02.08.2019, 16:47 Uhr

Die neuerlichen Drohungen von US-Präsident Trump gegen China lösen zu Wochenschluss eine Verkaufswelle an den Märkten aus. Konjunktursensible Aktien werden aus den Depots geworfen. Dagegen sind sichere Bundesanleihen und der Schweizer Franken gefragt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schwarzer Tag an der Börse: Der Dax sackt am Freitag um gut 400 Punkte in den Keller. Mit einem Minus von über drei Prozent droht der größte Tagesverlust seit mehreren Monaten. Auch die Wall Street notiert inzwischen tief im Minus. Der Dow fällt in der ersten Handelsstunde um knapp ein Prozent.

Zyklische Aktien im Ausverkauf

Chip- und Chemieaktien verzeichnen am Freitag die größten Kursverluste. Die Titel von Infineon sacken um über sechs Prozent ab und sind Schlusslicht im Dax. Auch die Chemietitel werden hart getroffen. Die Aktien von BASF büßen 4,5 Prozent ein, die Papiere des Spezialchemiekonzerns Lanxess rauschen um sieben Prozent, die Titel von Evonik um 5,5 Prozent ab.

Auch Auto-Aktien geraten unter die Räder. Die Titel von BMW verlieren fast fünf Prozent, die Papiere von Daimler büßen 3,4 Prozent ein. Die Aktien von VW geben um drei Prozent nach.

Es sind vor allem konjunktursensible Aktien, die auf der Verkaufsliste stehen. Denn neue Hemmnisse im weltweiten Handel drohen die Konjunktur abzuwürgen.

Handelsstreit erreicht neue Eskalationsstufe

US-Präsident Donald Trump hat den Handelsstreit zwischen den USA und China neu angefacht. Am Donnerstagabend kündigte er zusätzliche Zölle in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Güter im Wert von 300 Milliarden US-Dollar an. Sie könnten sogar auf 25 Prozent oder mehr erhöht werden, warnte der mächtige Mann aus dem Weißen Haus.

Der US-Präsident kritisierte, die Chinesen hätten ihre Zusage aus früheren Gesprächen nicht eingehalten, mehr US-Agrarprodukte zu kaufen. In einer Reihe von Tweets ging Trump Xi auch persönlich an. Er warf ihm vor, zu wenig gegen chinesische Exporte des Opioids Fentanyl in die USA getan zu haben. In den USA ist die Zahl der Todesfälle durch Überdosen des Schmerzmittels stark gestiegen.

Anleger auf dem falschen Fuß erwischt

Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die Investoren hofften in dieser Woche auf positive Signale aus Peking. Es ist nun aber klar, dass bei den Verhandlungen keine wirklichen Fortschritte erzielt wurden und Trump scheint die Geduld zu verlieren", schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Der Burgfrieden zwischen den USA und China ist damit offenbar vom Tisch", sagte Joseph Quinlan, leitender Anlagestratege bei Bank of America Merrill Lynch.

Bundesanleihen erstmals bei minus 0,5 Prozent

Im Gegenzug flüchten Anleger in sichere Häfen. Sie kaufen beispielsweise Bundesanleihen. Das drückt die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen auf ein neues Rekordtief von minus 0,502 Prozent. Selbst die Rendite für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren rutschte erstmals in den negativen Bereich. Anleger erhalten unter dem Strich keine Zinsen für das überlassene Geld, sondern zahlen drauf. Für den Kreditnehmer, im Fall von Bundesanleihen der Staat, bedeuten negative Renditen faktisch einen Einnahmeüberschuss.

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Als weitere sichere Häfen werden der japanische Yen und der Schweizer Franken. Die eidgenössische Währung verteuerte sich gegenüber dem US-Dollar und dem Euro. Der Dollar fiel auf 0,9846 Franken. Der Euro war mit 1,0930 Franken so billig wie zuletzt vor zwei Jahren.

Die riskante Strategie von Trump

Offenbar glaubt Trump, dass die Chinesen auf Zeit spielen. Die USA würden China so lange "besteuern", bis eine Einigung im Handelsstreit erzielt sei, argumentiert er. Tatsächlich läuft Trump die Zeit davon. Der US-Präsident drängt aber auf eine baldigen Deal im Handelskonflikt mit China, da im nächsten Jahr die US-Präsidentschaftswahlen anstehen, meint Portfoliomanager Paul Flood vom Vermögensverwalter BNY Mellon. Er braucht gute Wirtschaftsdaten, um wiedergewählt zu werden. Deshalb glaubt Experte Flood, dass möglicherweise ein paar Monate vor den Wahlen 2020 eine Einigung im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit verkündet wird.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Anfang der Woche waren gerade erst wieder die Handelsgespräche zwischen Peking und Washington aufgenommen worden. Im September sollte es eigentlich ein nächstes Treffen in Washington geben. Immerhin sandte Trump noch ein kleines positives Signal Richtung Peking. Die Handelsgespräche mit China gingen weiter, erklärte er trotz aller Drohungen. "Wir freuen uns darauf, den positiven Dialog mit China über eine umfassende Handelsvereinbarung fortzusetzen." Ni Hao!

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