Passanten vor der Schweizerischen Nationalbank SNB in Bern

Kursschwankungen fast wie beim Bitcoin Zockeraktie Schweizer Notenbank?

Stand: 06.04.2018, 15:38 Uhr

Die altehrwürdige Schweizerische Nationalbank scheint sich an der Börse zur Spielwiese für Spekulanten zu entwickeln. In dieser Woche legte die Aktie eine irre Achterbahnfahrt hin. Schuld daran ist angeblich ein Deutscher.

"Die SNB-Aktie ist der neue Bitcoin", titelt die "Neue Zürcher Zeitung" in ihrer gestrigen Ausgabe. Tatsächlich ähneln die Kursbewegungen denen von Kryptowährungen. Auch das dünne Handelsvolumen und die magere Informationslage weisen Parallelen auf.

Von 8.700 auf fast 10.000 Franken

Der Titel der Schweizerischen Nationalbank sprang am Mittwochmorgen von 8.700 Franken um rund zwölf Prozent auf bis 9.760 Franken am Donnerstagmorgen. Danach rutschte das Papier wieder ab und schloss am selben Tag bei 7.720 Franken – also 2.000 Franken tiefer.

Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Und das bei einem täglichen Handelsvolumen von nur ein paar hundert gehandelten Aktien. Zuvor hatte der Kurs der SNB noch jahrelang bis 2016 träge bei um die 1.000 Franken stagniert. Was ist da los?

Theo Siegert reduziert seine Beteiligung

Ein Grund für die heftige Berg- und Talfahrt der Aktie könnte Großaktionär Theo Siegert sein. Der Deutsche, der zuletzt größter Einzelaktionär der Notenbank war, hat 2017 erstmals seit 2008 ein paar seiner Aktien verkauft. Laut Geschäftsbericht reduzierte er seinen Anteil von 6,7 auf 6,1 Prozent. Damit ist der Kanton Bern nun wieder größter Einzelaktionär mit 6,6 Prozent.

Der Verkauf der Siegert-Anteile könnte mehr Spekulanten angelockt haben, mutmaßen die Medien. Zumal gerade deutsche Investoren in jüngster Zeit die SNB-Aktie entdeckt haben, die ihr Vermögen im Ausland diversifizieren wollen. Und eine Art Gold- oder Anleihen-Ersatz suchen. Ein Börsenbrief verglich das Papier mit der seltenen Briefmarke "Blaue Mauritius".

Vage Hoffnung auf mehr Dividende

Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank, auf einer Pressekonferenz

Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hinzu kommen seit Wochen andauernde Spekulationen auf eine höhere Ausschüttungsquote.  Investoren hätten Hoffnungen, dass dereinst das Nationalbankgesetz geändert wird, damit die Aktionäre einen höheren Anteil am Gewinn erhalten, schreibt die schweizerische Finanzzeitung "Finanz und Wirtschaft". Bisher freilich ist die Ausschüttung klar im Nationalbank-Gesetz geregelt. Die Dividende darf maximal bei 15 Franken pro Titel liegen.

Der Rekordgewinn von 54 Milliarden Franken, den die Schweizerische Nationalbank im vergangenen Jahr einfuhr, weckt ebenfalls Begehrlichkeiten. Die SNB besitzt Aktien großer Konzerne wie Apple, Microsoft oder VW. Manch einer sieht die Notenbank bereits als "Hedgefonds". Nationalbankpräsident Thomas Jordan mag solche Vergleiche nicht. "Wir sind eine Zentralbank und kein Hedgefonds", betont er. Für Jordan geht es bei diesen Käufen allein darum, die Währungsreserven des Landes, die großen Schwankungen unterworfen sind, abzusichern.

Vorbild BIZ?

Ein paar Anleger spekulieren angeblich auch darauf, dass die SNB bald vom Kurszettel verschwindet - wie einst die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Diese zog die Börsennotierung vor fast 20 Jahren zurück und kaufte ihre Aktien mit einem Aufschlag von 300 Prozent zurück. Auf eine solch hohe Prämie wettet wohl der eine oder andere Spekulant, der bei der Notenbank eingestiegen ist.

nb