Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Zerwürfnis mit Großaktionär Commerzbank-Chef Zielke wirft hin

Stand: 05.07.2020, 11:30 Uhr

Paukenschlag bei der Commerzbank. Deren Vorstandschef Martin Zielke scheidet vorzeitig aus dem Amt. Auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann geht. Er will seinen Posten bereits Anfang August aufgeben. Wer könnte Nachfolger werden?

Im Streit mit dem Investor Cerberus kommt es an der Führungsspitze der Commerzbank zu einer überraschenden Veränderung. Vorstandschef Martin Zielke hat dem Aufsichtsrat seinen vorzeitigen Rückzug angeboten. Der 57-Jährige steht seit 2016 an der Spitze des Geldhauses.

Der Präsidial- und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats will dem Gremium empfehlen, die Bestellung von Martin Zielke zum Vorstandsmitglied und Vorstandschef zu einem noch festzulegenden Datum, spätestens jedoch mit Ablauf des 31. Dezember 2020 zu beenden, hieß es am Freitagabend.

Weg freimachen

Zielke teilte mit, er wolle mit seinem Rücktritt den Weg freimachen für einen Neuanfang, trage er doch Verantwortung für die schlechte finanzielle Performance der Bank. Die Commerzbank brauche eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekomme.

Seit vielen Jahren befindet sich die Commerzbank im Sanierungsmodus. Trotz eines massiven Stellenabbaus und zahlreicher Versuche, zuerst im Geschäft mit mittelständischen Kunden, dann mit Privatkunden, sich neu aufzustellen, schaffte der Konzern bis zuletzt nur eine magere Rendite. Seinen Platz im Dax, der ersten Börsenliga, musste er bereits räumen und in den MDax absteigen. Eine zusätzliche Belastung ist nun mit der Corona-Pandemie entstanden. Wegen der dadurch gestiegenen Risikovorsorge ist das Institut im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht.

Wer wird Nachfolger?

Dr. Stefan Schmittmann

Dr. Stefan Schmittmann. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Aufsichtsrat will sich seiner Sitzung am achten Juli zu dem Rücktritt äußern und möglicherweise einen Nachfolger für Zielke benennen. Allerdings betrifft die Führungskrise auch das Kontrollgremium selbst. Dessen Chef, Stefan Schmittmann, legt sein Mandat bereits mit Wirkung zum dritten August 2020 nieder.

Schon an diesem Mittwoch (8.7.) könnte das Kontrollgremium des teilverstaatlichten Frankfurter MDax-Konzerns personelle Weichen stellen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Investoren würden auf eine rasche Lösung dringen: "Ohne neuen CEO wird es keine neue Strategie geben", hieß es Wochenende.

Für eine schnelle interne Lösung gelten laut dpa Firmenkundenchef Roland Boekhout oder Finanzvorständin Bettina Orlopp als aussichtsreiche Kandidaten. Boekhout (56) hat Erfahrung mit der Führung einer Bank: Als Chef der Direktbank ING-Diba, die heute als ING Deutschland firmiert, trieb er in den Jahren 2010 bis 2017 die Digitalisierung und das Geschäft mit Firmenkunden voran.

Die ehemalige McKinsey-Partnerin Orlopp (50) kam 2014 zur Commerzbank und rückte am 1. November 2017 in den Vorstand auf. Die gebürtige Solingerin ist eine von zwei Frauen in dem siebenköpfigen Gremium. Bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Mitte Februar hatte die zuvor für Personal und Rechtsfragen zuständige Managerin ihren ersten Auftritt in ihrer neuen Rolle als Finanzvorständin.

Als möglicher externer Kandidat für den Chefposten wurde in Medienberichten am Wochenende Stefan Ermisch genannt, der die Hamburg Commercial Bank leitet, die frühere Landesbank HSH Nordbank. Auch dort ist der US-Finanzinvestor Cerberus Miteigentümer, der als maßgebliche treibende Kraft hinter den Umbrüchen bei der Commerzbank gilt. Ermisch habe aber bereits abgewunken, hieß es in den Berichten.

Heftiger Streit mit Cerberus

Zuletzt hatte es heftigen Streit mit dem Commerzbank-Großaktionär, dem Finanzinvestor Cerberus gegeben. Der warf dem Management Versäumnisse bei der Neuausrichtung der Bank vor und forderte substanzielle Veränderungen in der Führung des Geldhauses.

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In einem Brief kündigte Cerberus "alternative" Maßnahmen an, um seine Ziele durchzusetzen. Welche das wären, blieb offen. Spätestens zur Vorlage der Quartalszahlen Anfang August will die Commerzbank weitere Sparmaßnahmen und ein Strategie-Update vorstellen. Wegen der Corona-Krise drohen der Commerzbank mehr Kreditausfälle.

Aufsichtsrat erteilt Forderung eine Absage

In einem ersten Brief hatte Cerberus wegen der "prekären Situation der Commerzbank schnelles und entschlossenes Handeln" gefordert. Es sei an der Zeit, neue Ideen und Energie einzubringen, damit das Institut in eine bessere Zukunft gehen könne.

Mit seiner Forderung nach zwei Sitzen im Aufsichtsrat war der Investor, der nach eigenen Angaben fünf Prozent an der Commerzbank hält, jedoch abgeprallt. "Bis auf Weiteres sehen wir weder eine Notwendigkeit noch eine Basis dafür, die Zusammensetzung des Aufsichtsrats zu ändern", heißt es in einer Antwort von Chefkontrolleur Stefan Schmittmann, aus dem das "Handelsblatt" zitierte.

Es gebe im Aufsichtsrat aktuell keine Vakanzen, alle Mitglieder seien qualifiziert und bis 2023 gewählt. Auch der Vorstand habe die Forderung von Cerberus abgelehnt, weil er Interessenkonflikte zwischen Cerberus als Aktionär und in seiner Rolle als Berater fürchte, so Schmittmann. "Der Aufsichtsrat teilt diese Einschätzung."

Bund bedauert Rücktritte

Der Bund will der Commerzbank die Treue halten. "Der Bund steht voll hinter seinem Engagement bei der Commerzbank", teilte das Bundesfinanzministerium nach den Rücktrittsankündigungen von Martin Zielke und Stefan Schmittmann mit.

"Der Bund ist an einer starken und zukunftsfähigen Commerzbank interessiert", betonte das Finanzministerium. "Die Commerzbank spielt eine zentrale Rolle für die Mittelstands- und Exportfinanzierung der deutschen Wirtschaft." Die Rücktritte von Zielke und Schmittmann nehme man mit Bedauern zur Kenntnis.

Der Bund war vor gut zehn Jahren bei der Commerzbank eingestiegen, um sie in der Finanzkrise vor dem Kollaps zu bewahren. Mit 15,6 Prozent ist der Staat immer noch der größte Anteilseigner des Geldhauses. Ein Ausstieg wäre nur mit hohen Verlusten möglich, da die Commerzbank-Aktie aktuell bei rund 4,00 Euro dümpelt.

lg