Produktion bei ZF Friedrichshafen

Milliarden-Übernahme geplant ZF greift nach Wabco

Stand: 28.02.2019, 16:26 Uhr

In die Autozulieferer-Branche kommt wieder Bewegung. Die deutsche Nummer drei, ZF Friedrichshafen, will den Bremsenhersteller Wabco übernehmen. Mit dem Milliarden-Deal würde ZF näher an Bosch und Conti heranrücken.

ZF Friedrichshafen kann's nicht lassen. Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer versucht ein zweites Mal, den belgisch-amerikanischen Bremsenhersteller Wabco zu schlucken. Der frühere ZF-Chef Stefan Sommer hatte bereits versucht, Wabco zu übernehmen. Wegen der hohen Verschuldung durch den TRW-Deal und nach dem missglückten Versuch, den schwedischen Bremsenhersteller Haldex zu kaufen, zog der Aufsichtsrat jedoch die Reißleine. Sommer musste ZF Ende 2017 verlassen.

Nun nimmt sein Nachfolger Wolf-Henning Scheider einen neuen Anlauf. ZF bestätigte am Donnerstag Gespräche mit dem Bremsenhersteller. Der Stiftungskonzern vom Bodensee prüfe regelmäßig strategische Optionen und damit auch mögliche Akquisitionen, sagte ein Sprecher. "Auch mit Wabco haben wir ergebnisoffene Gespräche geführt." Es gebe aber keinerlei Beschlüsse. Wabco erklärte, es seien Vorgespräche über eine mögliche Transaktion geführt worden. Die Stadt Friedrichshafen, die über die Zeppelin-Stiftung knapp 94 Prozent an ZF hält, lehnte eine Stellungnahme ab.

Konkurrenz für Conti und Bosch

Experten schätzen laut "Handelsblatt" das Volumen des Deals auf bis zu acht Milliarden Euro. Zusammen kämen ZF und Wabco auf einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro und würden damit zu den Marktführern Bosch und Continental aufrücken. "Es entsteht der dritte große deutsche Zulieferer von Weltformat", sagte Autoexperte Stefan Bratzel. Mit Wabco bekäme ZF die nötige Größe, um im Konzert der beiden Marktführer mitzuspielen, meint Bratzel. "Das ist ein wichtiger Vorteil im knallharten Wettbewerb um die Anteile an der Mobilität der Zukunft."

Ein Kauf des Herstellers von Lkw-Bremsen würde ZF auf dem Weg zu einem Systemlieferanten für Elektromobilität voranbringen. 2015 kaufte ZF für rund zehn Milliarden Euro TRW Automotive, um in den Wachstumsmarkt für selbstfahrende Autos zu expandieren. ZF will mehr als zwölf Milliarden Euro in die Elektromobilität und das autonome Fahren investieren.

Zukauf "macht strategisch Sinn"

Analyst Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. sagte, ZF sei schon länger daran interessiert, seine Position bei Bremsen für Nutzfahrzeuge auszubauen. In diesem Bereich sei Wabco besonders stark. Die Daten, die Sensoren und Bremsen im Zusammenspiel mit anderen Komponenten eines Fahrzeugs liefern, sind wichtig für Assistenzsysteme und damit auch für das autonome Fahren. Ein Zukauf mache daher strategisch Sinn, sagte der Autonalyst.

Die Aktien von Wabco zogen am Donnerstagnachmittag an der New Yorker Börse um gut sechs Prozent an. An der Frankfurter Börse waren die Titel sogar um 18 Prozent nach oben gesprungen und erreichten den höchsten Stand seit Oktober 2017. ZF ist nicht börsennotiert.

nb