Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht auf der Hauptversammlung 2018 in erlin

Daimler-Hauptversammlung Zetsche: Mehr E-Autos nicht so gut für die Bilanz

Stand: 05.04.2018, 18:42 Uhr

Die Rekordzahlen von Daimler können die Sorgen vieler Aktionäre vor der ungewissen Zukunft der Autobranche nicht vertreiben. Auf der Hauptversammlung des Autobauers mussten sich Vorstand und Aufsichtsrat unangenehmen Fragen zum Dieselbetrug und zum Einstieg des Geely-Gründers stellen.

Mit Würstchen und Kartoffelsalat ließen sich die Daimler-Aktionäre im Berliner Kongresszentrum, dem City-Cube diesmal nicht abspeisen. "Der diesjährige Risikobericht von Daimler treibt uns die Sorgenfalten ins Gesicht", monierte Winfried Mathes von Deka Investment auf dem Aktionärstreffen des Dax-Konzerns. Die Aktionäre müssten letztlich die Zeche zahlen, schimpfte er.

"Es liegt ein Schleier über Daimler"

Auch andere Investoren machten die ungeklärten Vorwürfe zu Abgasmanipulation und Kartellen mit dafür verantwortlich, dass der Aktienkurs trotz Rekord-Gewinn nicht vom Fleck komme. "Es liegt ein Schleier auf den Autowerten und über Daimler", meinte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Kartelle, Affentests - was kommt als nächstes?", fragte er provozierend.

Daimler-Boss Dieter Zetsche wich den Fragen aus und hielt sich mit Angaben zu den rechtlichen Risiken zurück. Etwas kleinlaut räumte er ein, dass die massiven Investitionen in die Elektromobilität die Konzernzahlen belasten könnte. "Mehr Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz, aber nicht so gut für unsere Konzernbilanz - jedenfalls vorübergehend", sagte der oberste Autolenker von Daimler.

Zetsche rechnet nicht mit US-Strafzöllen

Für Erleichterung sorgte die Aussage des Vorstandschefs, dass es wohl nicht zu Strafzöllen auf seine Pkw kommen werde. Die Politik verhandele intensiv, um den Handelskonflikt zu vermeiden. "Wir setzen darauf, dass die US-Administration anerkennt, wie bedeutend der Beitrag der deutschen Hersteller zum amerikanischen Export ist", ergänzte Zetsche.

Zum Thema emissionsfreie Mobilität sagte Zetsche, dieser Wandel habe bei Daimler absolute Priorität. Allerdings müsse die Produktion so umgestellt werden, dass alle Antriebsarten auf allen Fertigungslinien zugleich gebaut werden könnten. Das bedeutet Milliardeninvestitionen in neue Werke, während die Elektroautos wegen der noch teuren Batterien zunächst weniger Gewinn abwerfen.

Daimler setzt sich ab 2019 unter Strom

Daimler will das erste vollelektrische Auto der Marke EQ von 2019 an produzieren, neun weitere Modelle sollen folgen. Zudem soll es bis 2022 in jedem Mercedes-Segment eine elektrifizierte Variante geben. Um die Investitionen stemmen zu können, hat Daimler in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz im vergangenen September bereits ein neues Sparprogramm aufgelegt, das über die kommenden Jahre einen Spielraum von zusätzlichen vier Milliarden Euro liefern soll. Unter anderem sollen Produkte schneller auf den Markt gebracht werden, bei den Material- und Produktionskosten wollen die Stuttgarter effizienter werden.

Mercedes Concept EQ

Mercedes Concept EQ. | Bildquelle: Unternehmen

Spartenfinanzchef Frank Lindenberg hatte bereits angedeutet, dass man zumindest für eine Übergangsphase auf etwas geringere Renditen vorbereitet sein müsse. Elektroautos hätten zumindest am Anfang eine deutlich kleinere Gewinnspanne als die Verbrenner-Modelle.

Ohne Diesel geht es nicht

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Zetsche betonte allerdings erneut auch die Bedeutung des Diesels für die Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Mit modernen Verbrennungsmotoren könnten die Kohlendioxid-Emissionen des Straßenverkehrs gesenkt werden. "Insbesondere der Diesel spielt dabei eine wichtige Rolle", sagte Zetsche laut Redetext. Die neuesten Dieselmotoren seien nicht das Problem, sondern ein wichtiger Teil der Lösung. "Den Diesel jetzt abzuschaffen, wäre aus ökonomischen wie ökologischen Gründen ein großer Fehler."

Um die Rendite hoch zu halten, wollen die Schwaben deshalb weiter mit zahlreichen neuen Modellen punkten. "Das Tempo unserer Produktoffensive bleibt hoch", kündigte Zetsche an. Mit neuen Produkten, in diesem Jahr mehr als einem Dutzend neuen Pkw-Modellen wie etwa der Neuauflage des Kompaktwagens A-Klasse, werde der Konzern sein wirtschaftliches Rückgrat weiter stärken.

Kein Problem mit Herrn Li

Im Autogeschäft soll nachhaltig eine Umsatzrendite von neun Prozent erzielt werden. Mit dieser Finanzkraft will Daimler den größten Wandel seiner Geschichte meistern. Auf dem wichtigsten Markt China sieht Daimler durch den Einstieg des neuen Großaktionärs Li Shufu, der auch Chef des chinesischen Autobauers und Volvo-Besitzers Geely ist, "viele neue Chancen", wie Zetsche bekräftigte.

Geely-Chef Li Shufu

Geely-Chef Li Shufu. | Bildquelle: picture alliance / Photox/Imaginechina/dpa

Li hatte im Februar fast zehn Prozent erworben und ist damit größter Anteilseigner. Die Gespräche mit Li seien bislang positiv, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit würden ausgelotet. "Er will sich langfristig bei Daimler engagieren." Auswirkungen auf den angedachten Konzernumbau von Daimler habe der Einstieg Lis nicht, ergänzte Finanzvorstand Bodo Uebber.

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Börse 10.00 Uhr: Was will Herr Li?

Etliche Nachfragen brachten kaum Neues zu den Folgen dieses Einstiegs. Vorstandschef Zetsche und Finanzvorstand Uebber trugen wiederholt eine vorbereitete Sprachregelung dazu vor, wonach sie Li in erster Linie als Aktionär betrachten.

Konzernspitze entlastet

Trotz Kritik und unangenehmer Fragen zum Einfluss der Chinesen, zum Diesel-Skandal und zu den Herausforderungen der Elektromobilität gaben die Aktionäre der Konzernspitze kräftig Rückendeckung. Mehr als 90 Prozent der Anteilseigner stimmten am Abend für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.

nb/ lg