Nick Read, Vodafone

Konzernchef Colao tritt ab Zeitenwende bei Vodafone

Stand: 15.05.2018, 13:53 Uhr

Überraschendes Stühlerücken beim britischen Telekom-Erzrivalen Vodafone. Der langjährige Firmenchef Vittorio Colao übergibt ab Oktober den Chefsessel an Finanzchef Nick Read. Die Börse ist wenig begeistert.

Denn die im europäischen Auswahlindex Stoxx 50 enthaltene Aktie verliert aktuell rund 3,3 Prozent. Auch das vorgestellte Zahlenwerk zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende März) sorgt nicht für Begeisterung.

Vor allem aber der überraschende Rückzug von Firmenchef Vittorio Colao steht im Blick der Investoren. Der 56-Jährige, der seit rund zehn Jahren an der Konzernspitze steht, übergibt seinen Posten ab Oktober an Finanzvorstand Nick Read, der als enger Vertrauter gilt. Dies kündigte der Manager heute bei der Präsentation der Jahresergebnisse an.

Spektakuläre Deals

Es sei die richtige Zeit, um das Zepter zu übergeben, kündigte Colao am Dienstag überraschend bei der Vorstellung der Jahresbilanz an. Der Italiener hatte erst in der vergangenen Woche die Übernahme der in Deutschland präsenten Kabelgesellschaft Unitymedia für 18,4 Milliarden Euro vom Rivalen Liberty Global eingefädelt. Den Deal wird jetzt sein Nachfolger beenden müssen, vor allem, da die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden noch aussteht.

Vodafone-Chef Vittorio Colao. | Quelle: Unternehmen

10,8 Milliarden Euro wollen die Briten für Unitymedia in bar bezahlen, den Rest schuldenfinanzieren. Das Jonglieren mit Milliarden ist Colao nicht fremd. Unter seiner Verantwortung hat sich der Konzern aus den USA zurückgezogen. Für 130 Milliarden Euro verkaufte Colao die gemeinsame Beteiligung mit Verizon. Er formte Vodafone vom reinen Mobilfunkanbieter zu einem integrierten Kommunikationskonzern, der heute auch Kabelfernsehen und Festnetztelefonie anbietet.

Wieder zurück in den schwarzen Zahlen

Jahreszahlen gab es auch noch von Vodafone, dessen Geschäftsjahr 2017/18 am 31. März endete. Nach zwei Jahren mit hohen Milliardenverlusten hat der Telekomgigant unter dem Strich 2,79 Milliarden Euro verdient. Im Geschäftsjahr zuvor war wegen hoher Abschreibungen in Indien ein Verlust von 6,1 Milliarden Euro angefallen. Und im Jahr davor stand ein minus von über 5,0 Milliarden Euro in den Büchern.

Vodafone-Zentrale in Düsseldorf bei Nacht

Vodafone-Zentrale in Düsseldorf. | Bildquelle: picture alliance / Ina Fassbender/dpa

Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Umsatz um 2,2 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro. Die Serviceerlöse, eine Maßzahl, die die operative Tendenz abbildet, stiegen um 1,4 Prozent. Eine Entwicklung, die über den Schätzungen der Analysten lag. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis stieg um rund vier Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Dies lag im Rahmen der Erwartungen.

Vodafone berichtet in Euro, da es den Großteil seiner Geschäfte auf dem europäischen Kontinent, besonders in Deutschland macht. In Deutschland wurden die Serviceerlöse insgesamt um 2,6 Prozent gesteigert, im Mobilfunk aber nur um bescheidene 0,3 Prozent. Hier ist Konkurrent Telekom besser unterwegs. Im Ausblick will Vodafone das Ergebnis um ein bis fünf Prozent steigern. In Indien soll die eigene Tochtergesellschaft mit dem Rivalen Idea Cellular zusammengelegt werden.

rm