Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank
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Commerzbank-Chef zur EZB "Zeit die Medikamente abzusetzen"

Stand: 05.09.2017, 08:52 Uhr

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat ein Ende der EZB-Anleihekäufe gefordert. Gleichzeitig erteilt er Fusionsfantasien etwa mit der Deutschen Bank eine Absage.

"Ich habe vor der EZB großen Respekt. Mit ihren Anleihekäufen hat sie der Politik in Europa Spielräume verschafft, um Reformen einzuleiten", sagte Zielke dem "Handelsblatt". "Die Medizin hat gewirkt. Aber wie bei jedem Medikament gibt es Nebenwirkungen, und die werden größer. Irgendwann müssen Sie die Medikamente absetzen, und dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt."

Die nächste reguläre Möglichkeit, das Tempo bei den Anleihekäufen zu drosseln, ist an diesem Donnerstag. Dann kommt der EZB-Rat zu seiner nächsten regulären Sitzung zusammen. Nachdem viele Experten im Frühjahr und frühen Sommer noch darauf gesetzt hatten, dass EZB-Präsident Mario Draghi schon bei der September-Sitzung einen Plan für den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm vorlegt, sind diese Erwartungen inzwischen geschrumpft. Nun gehen die meisten Volkswirte davon aus, dass dies erst bei der nächsten Sitzung am 26. Oktober erfolgen wird.

"Disruptive Großbank"

Zielke bekräftigte aber frühere Aussagen, wonach die Commerzbank dank des Sparkurses und der Digitalisierung auch längerfristig mit niedrigen Zinsen leben kann. "Wir haben uns darauf eingestellt und kommen zurecht", sagte er. Die niedrigen Zinsen seien nur ein Faktor in einer sich radikal wandelnden Branche. "Wir als Commerzbank konzentrieren uns vor allem auf die sich bietenden Chancen - vor allem bei der Digitalisierung. Wir sind die disruptive Großbank in Deutschland."

Der Idee einer Fusion mit der Deutschen Bank, wie es im Sommer 2016 kurzzeitig möglich schien, erteilt Zielke eine Absage: "Konsolidierung ist kein Allheilmittel, auch organisch kann man wachsen." Ebenso sieht er keine Notwendigkeit, die restlichen Anteile an der börsennotierten Online-Tochter Comdirect zu übernehmen. "Solange Commerzbank und Comdirect erfolgreich sind, gibt es für mich keinen Grund, das infrage zu stellen."

Auch 2018 bleibt ein Übergangsjahr

Auch die Übermacht der Sparkassen und Genossenschaftsbanken schreckt ZIelke nicht. Dagegen könne die Commerzbank auch alleine bestehen. Das sei nicht nur eine theoretische Debatte, sondern gelebte Praxis. Derzeit gelinge es der Commerzbank aus eigener Kraft "ganz gut", im Firmen- und Privatkundengeschäft zu wachsen.

Wann es der Bank gelingen werde, endlich einen hachhaltigen Gewinn zu erwirtschaften, wollte Zielke nicht sagen. "Der Umbau dauert an, wir sind noch längst nicht am Ziel", so der Vorstandschef. Auch 2018 werde für die Commerzbank ein Übergangsjahr.

lg