Zara-Shop in Wien

Gut vernetzt Zara-Mutter Inditex trotzt Amazon

Stand: 12.09.2018, 08:15 Uhr

Der spanische Bekleidungshändler Inditex hat im ersten Halbjahr 2018/19 (per Ende Juli) der Hitzewelle und dem Trend zum Online-Shopping erfolgreich getrotzt. Zu Hilfe kommt Inditex auch die schwache türkische Lira.

So stieg der Umsatz um drei Prozent auf gut zwölf Milliarden Euro, soviel wie noch nie in einem Halbjahr. Währungsbereinigt hätte das Wachstum bei acht Prozent gelegen. Das operative Ergebnis (Ebit) nahm um zwei Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro zu, was in etwa im Rahmen der Analystenprognosen lag.

Dabei war der Berichtszeitraum weiterhin von Investitionen geprägt, mit denen die Zara-Mutter im Kampf gegen Internethändler wie Amazon & Co Online- und stationären Handel komplett miteinander verknüpfen will. Gleichzeitig machte sich der starke Euro negativ bemerkbar, er fraß den überwiegenden Teil des eigentlichen Wachstums auf. Währungsbereinigt wäre das Ebit um 17 Prozent gestiegen.

Wachstum von vier bis sechs Prozent angepeilt

Bei Inditex fallen die Kosten hauptsächlich in Euro an, einen Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet der Konzern jedoch in anderen Währungen. Unter dem Strich verblieb ein Gewinn von 1,4 Milliarden Euro, drei Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Für die zweite Jahreshälfte kündigte Inditex ein flächenbereinigtes Wachstum von vier bis sechs Prozent an, nach vier Prozent in den ersten sechs Monaten. Die Investitionsoffensive soll weiter gehen: Bis 2020 strebt Inditex unter anderem an, alle Marken weltweit auch online zu verkaufen.

Kostenvorteile durch die türkische Lira

Damit ist Inditex dem Konkurrenten Hennes & Mauritz (H&M) einen Schritt voraus, kommen doch die Schweden nach wie vor nur mühsam gegen die starken Online-Wettbewerber voran. Hinzu gesellten sich zuletzt Lieferschwierigkeiten. Im zweiten Quartal (Ende Mai) rutschte der Gewinn von H&M deshalb um mehr als ein Fünftel auf 4,6 Milliarden schwedische Kronen (445 Millionen Euro) ab.

Doch auch Inditex muss kämpfen. Das Analysehaus RBC hat das Kursziel für den Textilhändler deshalb von 34 auf 32 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Outperform" belassen. Das spanische Unternehmen dürfte sich zwar weiterhin operativ stark entwickeln, doch Wechselkurseffekte dürften spürbarer werden als bisher, erklärte Analyst Richard Chamberlain jüngst in einer Studie.

Im späteren Jahresverlauf könnte Inditex von Kostenvorteilen durch die Schwäche der türkischen Lira profitieren. Das Unternehmen bezieht 15 Prozent seiner Produkte aus der Türkei.

lg