Aktie trotzt den schlechten Nachrichten Zalando: Prognose futsch plus Quartalsverlust

Stand: 31.03.2020, 11:19 Uhr

Auch Europas größter Online-Modehändler Zalando leidet kräftig unter der Corona-Pandemie. Nun versucht das Management gegenzusteuern. Nach schwachem Start schafft die Aktie den Sprung in die Gewinnzone.

Mit einem Abschlag von rund drei Prozent waren Zalando-Aktien in den Tag gestartet, mittlerweile notieren sie fast zwei Prozent im Plus. Dabei waren die aktuellen Nachrichten nicht besonders verlockend.

Im ersten Quartal werde ein bereinigter Betriebsverlust von deutlich mehr als 28 Millionen Euro anfallen, teilte das Zalando-Management mit. Auch die Jahresprognose sei nicht mehr zu halten. Deswegen muss sich Zalando nun bescheiden. Ausgaben und Investitionen sowie die Finanzplanung seien an die neuen Gegebenheiten angepasst worden, schrieb der Vorstand in einem Brief an die Mitarbeiter. Details wurden nicht genannt.

Vorstand ist zuversichtlich

Um das Geschäft vor dem Erliegen zu retten, startet Zalando eine Reihe von Initiativen. Bis Ende Mai zahlen neue wie auch bestehende Einzelhändler, die ihre Ware über die Zalando-Plattform verkaufen, keine Kommission. Zudem will das im MDax notierte Unternehmen 100 Millionen Euro in die Hand nehmen, um Partner vor der vertraglich vereinbarten Frist zu bezahlen und somit liquide zu halten.

Der Zalando-Vorstand verwies auf die Gründung des Unternehmens in der Finanzkrise 2008 und die seither gesammelten Erfahrungen: "Auch in dieser herausfordernden Zeit gibt es viele Gründe, zuversichtlich zu sein. Wir sind überzeugt, dass wir durch die Investitionen des letzten Jahrzehnts alle nötigen Voraussetzungen geschaffen haben, um diese Krise gut zu überstehen." Konkreten Einblick in das erste Quartal gibt Zalando am 16. April.

Zalando Logistikzentrum Erfurt

Zalando Logistikzentrum: Keine Kommission für Händler. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Vorerst keine Prognose

Analysten hatten im Schnitt für das erste Vierteljahr ein Umsatzplus von 19 Prozent vorhergesagt sowie ein Minus beim bereinigten Ebit von 28 Millionen Euro. Dies wird sich laut Zalando nicht verwirklichen lassen. Im Vorjahreszeitraum hatte es zu einem Wachstum von 15 Prozent und einem Betriebsergebnis von fünf Millionen Euro gereicht.

Auch im Gesamtjahr wird Zalando nun deutlich schlechter als 2019 abschneiden, als die Erlöse noch um 20,3 Prozent kletterten. Eine neue Prognose will der Konzern erst abgeben, wenn absehbarer ist, wie sich die Coronavirus-Pandemie entwickelt. Wegen der Krise wird auch die für 20. Mai geplante Hauptversammlung verschoben.

Analysten bleiben optimistisch

Gleichwohl bestätigten mit Barclays, Hauck & Aufhäuser, Pareto Securities und Bryan Garnier gleich vier Analysehäuser ihre Kaufempfehlung für die Aktien. "Zalando ist gut gerüstet, um stark aus dieser Krise hervorzugehen", schrieb Andrew Ross von der Barclays Bank. Dafür sprächen das robuste Warenhaussystem, diverse Lieferketten, eine Milliarde Euro Netto-Barmittel sowie das in Fahrt kommende Partnerprogramm Marketplace.

Dass der Online-Modehändler nun seine Jahresprognose von Ende Februar und damit noch ohne die Auswirkungen der Corona-Krise zurückgezogen habe, sei keine Überraschung, schrieb Analyst Christian Salis von Hauck & Aufhäuser. Im ersten Quartal sollte sich Zalando deutlich besser als die Branche entwickelt haben.

ts/rtr/dpa-AFX