Zalando-Show auf dem Bread & Butter-Modefestival
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Ergebnis taucht dick ins Minus Zalando und das böse Wetter

Stand: 06.11.2018, 09:26 Uhr

Der Online-Modehändler hat erwartungsgemäß im dritten Geschäftsquartal arg unter dem "zu guten" Wetter gelitten. Für das laufende Vierteljahr verspricht das Management wieder deutlich üppigeres Wachstum. Die Aktie geht dennoch auf Tauchstation.

Bis zum Mittag hat die Aktie im MDax ihre Verluste deutlich ausgebaut, die nun bei rund neun Prozent liegen. Die Titel bewegen sich damit wieder in Richtung ihres Tiefs seit Sommer 2016, das vor drei Wochen bei 30,18 Euro erreicht wurde. An der Börse herrschen spätestens seit den Umsatz- und Gewinnwarnungen im Sommer deutliche Zweifel an der Unternehmensvision. Die Aktie hat nach Erreichen eines Jahreshochs bei gut 50 Euro bis auf 31 Euro abgegeben.

Umsatzprognose weiter in Gefahr

Nach dem dritten Quartal dürfte es für Zalando nicht leichter geworden sein, wieder das gewohnte Wachstumstempo einzuschlagen. Laut Zalando soll in den drei Schlussmonaten 2018 der Umsatz um 20 bis 25 Prozent zulegen. Zur Umsatzprognose für das Gesamtjahr hieß es es am Dienstag, man peile den "unteren Rand" der ursprünglichen Prognose von 20 bis 25 Prozent Umsatzplus an. Im dritten Quartal stiegen die Erlöse um 11,7 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Für den Wert des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) bleibt Vorstandschef Rubin Ritter eisern: 150 bis 190 Millionen sollen es im Gesamtjahr werden. Im dritten Quartal sackte dieser Wert von minus 3,2 auf minus 38,9 Millionen Euro ab. Unter dem Strich machte Zalando im Quartal einen Verlust von knapp 42 Millionen Euro, knapp vier Mal soviel wie im Vergleichszeitraum.

"Außergewöhnlich heiß"

Grund für beide Enttäuschungen in der Quartalsbilanz ist laut dem Unternehmen das zu heiße Wetter in der Sommersaison gewesen, dass viele Kunden von Käufen auf der Online-Plattform abgehalten habe. Der "lange und außergewöhnlich heißen Sommer", aber auch der "verspätete Start in die Herbst-/Wintersaison" habe auf den Umsatzerlösen und damit auch auf den Margen gelastet. Zudem habe sich das Partnerprogramm sehr stark entwickelt, dies habe sich aber in Höhe der Provision auf den Umsatz ausgewirkt.

Zalando hat nach eigenen Angaben im dritten Quartal mit 25,1 Millionen aktiven Kunden rund sechs Prozent der europäischen Bevölkerung erreicht. Die Anzahl an Bestellungen stieg um knapp 23 Prozent auf 27,7 Millionen. Laut Ritter ändert das "finanziell herausfordernde dritte Quartal" nichts am Ziel, das Geschäft bis 2020 auf zehn Milliarden Euro Bruttowarenvolumen zu verdoppeln. Man wolle "mit voller Geschwindigkeit das Ökosystem für Mode in Europa aufbauen". Im vierten Quartal geht es aber erst einmal darum, die gesenkten Prognosen für das Gesamtjahr einzuhalten.

Analysten skeptisch

Bankenexperten zeigten sich am Dienstag in ersten Stellungnahmen eher negativ überrascht. Andreas Riemann von der Commerzbank etwa hob einen schwächer als erwartet ausgefallenen Umsatz hervor. Clément Genelot von Bryan Garnier sprach von "schwachen Ergebnissen, die Fragen hinsichtlich der kurzfristigen Rentabilität aufwerfen". Genelot merkte an, dass das Wetter und Kosten für die Auftragsabwicklung weiter die Profitabilität belasteten. Die Aussichten für das vierte Quartal seien zwar besser. Der Experte hinterfragte aber, dass Zalando sein Investitionsziel kürzte, ohne dass dies positiv auf die Prognosen durchschlage. "Wir können uns daher fragen, ob dies keine verschleierte Gewinnwarnung ist", so der Experte.

AB